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Kontrolle auf der A3
Neusser Verein steckt hinter Salafisten-Konvoi

Rettungswagen auf der A3: Neusser Verein steckt hinter Salafisten-Konvoi
2013 fielen ausrangierte Rettungswagen vor der Moschee in Weckhoven auf (l.), die - so versuchte "Helfen in Not" mit Filmen im Internet zu dokumentieren - Wochen später mit Hilfsgütern in Syrien ankamen. Schon damals gab es Hinweise darauf, dass diese Fahrzeuge für Anschläge missbraucht werden könnten. FOTO: Youtube
Neuss. Die am Dienstag auf der A 3 von der Polizei kontrollierten, ausrangierten Rettungswagen wurden von dem Verein "Helfen in Not", der als salafistisch gilt, in Marsch gesetzt. Angeblich handelt es sich um Hilfsgüter für Syrien-Flüchtlinge. Von Christoph Kleinau

Der Verein "Helfen in Not", den der Verfassungsschutz schon 2013 als "extremistische salafistische Bestrebung" einstufte, ist weiter in Neuss präsent und nach wie vor aktiv. Das belegt der Konvoi mit neun ausrangierten Rettungswagen, der am Dienstag von der Autobahnpolizei auf der A 3 nach etlichen telefonischen Hinweisen anderer Verkehrsteilnehmer angehalten und auf der Raststätte Logebachtal stundenlang kontrolliert worden war. Der Konvoi durfte die Fahrt zwar Richtung Türkei fortsetzen - aber erst nachdem ein Paket beschlagnahmt worden war, das man in einem Hilfstransport nicht vermuten würde. Inhalt: Kampfbekleidung und Ausrüstungsgegenstände wie Regenponcho, Stirnlampe und Koppelzeug.

Um den Verein "Helfen in Not" wie auch um den mit ihm verbundenen islamischen Kulturverein war es ruhiger geworden, nachdem beide den als Moschee genutzten ehemaligen Lebensmittelmarkt an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße zum Jahreswechsel 2014/15 räumen mussten. Seitdem residiert der Verein nach Angaben der Polizei völlig unauffällig in einem Gebäude an der Büttger Straße. An der Art seiner Arbeit aber hält er offensichtlich fest.

2012 hatte der Auftritt des ehemaligen Rappers "Deso Dogg" (alias Abu Maleeq) in der Weckhovener Moscheegemeinde erstmals für Aufsehen gesorgt. Ein Salafist - dem weitere folgten. Einer von ihnen war Sven Lau (alias Abu Adam), der in Filmen auf der Internetplattform Youtube ausrangierte Rettungswagen vor der Weckhovener Moschee präsentierte und zu Spenden für eine "humanitäre Hilfeleistung" aufrief. Auch jetzt setzte "Helfen in Not" wieder ausrangierte Rettungsfahrzeuge in Marsch.

Die neun Fahrzeuge waren in Dänemark gekauft und in Neuss mit ungarischen Ausfuhrkennzeichen versehen worden. "Die kann man kaufen und muss dann weder TüV noch Abgasuntersuchung nachweisen", erklärt Robert Scholten vom Polizeipräsidium Bonn. Das sei völlig legal. Die Staatsschutzabteilung der Bonner Polizei hat trotzdem noch Fragen zu dem jüngsten Transport, die sie aufzuklären versucht. Scholten betont aber, dass es aktuell kein Strafverfahren und keine Ermittlungen gebe. Denn an Bord der neun Fahrzeuge befanden sich klassische Hilfsgüter wie Lebensmittel und Kleidung, die angeblich für Bürgerkriegsflüchtlinge in Syrien bestimmt sind.

An der Raststätte Logebachtal - in Österreich wurde der Konvoi noch einmal angehalten - wurden 13 Personen im Alter zwischen 21 und 45 Jahren kontrolliert. Zwei ordnet die Polizei der salafistischen Szene zu. Zu diesen gehört auch Bekir A.(45), der Vorsitzende von "Helfen in Not", der in Personalunion auch den islamischen Kulturverein an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße geleitet hatte. Bekir A. war dem Vernehmen nach der einzige Neusser unter den Männern, andere kamen aus Duisburg, Oberhausen und Bocholt sowie vor allem aus Bayern und Hessen. An Bekir A. war auch das beschlagnahmte Paket eines Internet-Versandhandels mit Bundeswehrpullover, Combat-Hose und anderen militärischen Ausrüstungsstücken adressiert.

2013 hatte die Ausländerbehörde für einige Monate den Pass des Neussers eingezogen. Anlass war ein abgehörtes Telefonat, dem die Fahnder Hinweise darauf entnahmen, dass Bekir A. mit einem Hilfstransport Sprengstoff nach Syrien schaffen würde. Er klagte gegen diesen Schritt, das Landgericht nannte den Entzug Anfang 2015 rechtens.

Quelle: RP
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