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Verbot von Märkten, Sport- und Tanzveranstaltungen
Rheinische Kirche: Stiller Feiertag auch für Muslime

Verbot von Märkten, Sport- und Tanzveranstaltungen: Rheinische Kirche: Stiller Feiertag auch für Muslime
Vizepräses Christoph Pistorius fordert Respekt vor muslimischen und jüdischen Feiertagen. FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat die Debatte um die stillen Feiertage neu angestoßen. Vizepräses Christoph Pistorius regte einen solchen Feiertag auch für Juden und Muslime an.

"Ich bin überzeugt, dass es für bestimmte Feiertage Rahmenbedingungen braucht, konkret für die stillen Feiertage", sagte Pistorius unserer Redaktion. Er sei offen für eine Debatte, welche Tage einen solchen Schutz brauchen: "Für mich zählen dazu auch muslimische und jüdische Tage, zum Beispiel das Opferfest und Jom Kippur."

Am Opferfest gedenken Muslime Abrahams, der bereit war, Gott seinen Sohn Isaak zu opfern. Jom Kippur als Buß- und Versöhnungstag ist der wichtigste jüdische Feiertag. In NRW sind Karfreitag, Allerheiligen, Volkstrauertag und Totensonntag per Gesetz geschützt. Verboten sind dann etwa Märkte, Sport- und Tanzveranstaltungen. An Jom Kippur sind lediglich Veranstaltungen in der Nähe von Synagogen verboten.

Zur Begründung sagte Pistorius, es habe auch niemand Erfolg, "der in der Silvesternacht um halb eins die Polizei ruft, weil es kracht". Das sei auch richtig, "weil es offensichtlich ein gesellschaftliches Bedürfnis für die Feier gibt. Mindestens die gleiche Toleranz erwarte ich dann auch im Umgang mit dem Rahmen für religiöse Feiertage."

Die Evangelische Kirche von Westfalen unterstützte das Plädoyer für die stillen Tage, ohne sich jedoch dem Wunsch nach Ausweitung anzuschließen. "Eine solche Auszeit braucht Schutz und Respekt - auch von denen, die mit dem Inhalt nichts anfangen können", sagte Präses Annette Kurschus. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck sprach sich gegen eine Ausweitung aus. Die Feiertage unserer Kultur seien vor allem christlich geprägt: "Die christliche Kultur gibt unserer Gesellschaft eine Struktur, an die sich alle halten können."

Aus anderen Gründen skeptisch ist Grünen-Landeschef Sven Lehmann. "In einer multireligiösen Gesellschaft kann der Staat nicht an einzelnen Tagen kollektiv Ruhe verordnen", sagte er, fügte jedoch hinzu: "Sollten die christlichen Kirchen auf einen Feiertag zugunsten jüdischer oder muslimischer Feste verzichten, wäre das ein starker Beitrag zur religiösen Vielfalt."

(fvo/gmv/los)