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Rheinliebe
Ohne sie wäre der Rhein eine Grenze

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Düsseldorf. 35 Brücken queren zwischen Koblenz und Emmerich den Rhein. Manche stehen für Rekorde der Baukunst. Während Caesars erste Rheinbrücke nur 18 Tage stand, überdauern nun Brücken durchaus ein Jahrhundert. Von Tim Specks

Gaius Iulius Caesar hatte es eilig. Als die Truppen des römischen Imperators im Jahr 55 vor Christus während eines Feldzugs gegen die Germanen an das linke Rheinufer stießen, wies er sie an, im Handumdrehen eine Brücke über den Fluss zu bauen. Seine Untergebenen folgten der Anweisung: In nur zehn Tagen entstand etwa zehn Kilometer südlich von Bonn eine sogenannte Jochbrücke - die erste historisch belegbare Rheinbrücke. Etwa 50 Holzpfähle, die vermutlich von einem Floß aus in den Grund gerammt wurden, trugen eine neun Meter breite Fahrbahn, die mit Erde und Reisig bedeckt war. So schnell die Brücke entstanden war, so schnell rissen die Römer sie wieder ein: Nach nur 18 Tagen und ihrem Rückzug aus dem Feindesland wurde das Bauwerk zerstört.

Eine solch kurze Lebensdauer von Rheinbrücken ist heute undenkbar. Alleine die Konzipierung dauert mitunter Jahre. "In die Planung spielen unendlich viele Faktoren mit ein", erklärt Bauingenieur Andreas Raedt vom Landesbetrieb Straßen NRW. Beachtet werden müsse etwa, dass die Umwelt möglichst wenig vom Bau einer Brücke beschädigt werde. "Auch eine Lärmbelästigung sollte so gut wie möglich ausgeschlossen werden."

Sind die Planungen abgeschlossen, wird es erst recht kompliziert: Während des Baus darf der Fluss nicht komplett gestaut werden, da sonst etwa die Schifffahrt unterbrochen würde und ein Risiko bestünde, dass das Wasser über die Ufer tritt. Deshalb werden sogenannte Spundwandkästen, die auch beim Tiefbau verwendet werden, im Rhein errichtet. Aus diesen Kästen wird dann das Wasser abgesaugt - so wird der Rhein nur in einem festgelegten Teilstück trockengelegt. In den Kästen selber kann dann im Trockenen ein Brückenpfeiler errichtet werden. Der Bau eines einzigen Pfeilers dauert fünf bis sechs Monate, erklärt Andreas Raedt.

Vier Typen von Rheinbrücken FOTO: Radowski

Im Gegensatz zu den ersten Brücken sind die Bauwerke heute für eine weitaus längere Lebensdauer konzipiert. "Sie sind so gebaut, dass sie etwa 80 bis 100 Jahre lang stehen können", so der Experte. Diese Lebenszeit erreichen die Rheinbrücken allerdings nur bei entsprechender Wartung. "Vor allem, wenn Stahl verbaut ist, muss verhindert werden, dass er durch Rostschäden brüchig wird."

Welcher Brückentyp sich für welche Rheinquerung am besten eignet, hängt vor allem davon ab, welche Distanz von einem Ufer zum anderen überbrückt werden muss. Zwischen Emmerich und Koblenz ist die Schrägseilbrücke der häufigste Typ: 13 solcher Bauwerke spannen sich dort über den Rhein. Die Düsseldorfer Rheinkniebrücke mit einer Länge von 1519 Metern ist die längste dieser Art und auch die längste Rheinbrücke zwischen Emmerich und Koblenz.

Insgesamt gibt es in diesem Raum 35 Rheinbrücken - und manche davon halten sogar Rekorde. Die Fleher Brücke in Düsseldorf beispielsweise weist den deutschlandweit höchsten Brückenpylon auf: Der Pfeiler ragt 146,47 Meter in die Höhe. Die längste Hängebrücke Deutschlands hingegen steht in Emmerich. Sie hat eine Spannweite von 803 Metern. Dass die Konstrukteure an Mittel- und Niederrhein besonders erfinderisch sind, zeigt die Deutzer Brücke. Das 1948 in Köln erbaute Werk war die erste Stahlkastenträger-Brücke der Welt. Die älteste deutsche Rheinbrücke nördlich von Koblenz steht in Köln: Die Südbrücke wurde 1910 erbaut.

Düsseldorf: Über sieben Rheinbrücken musst du gehen FOTO: rpo, Johannes Bornewasser

Für die Ewigkeit sind viele dieser Rekorde sicher nicht gemacht - das hohe Verkehrsaufkommen macht den Bau neuer, größerer Brücken wohl unumgänglich. Wie die Rheinbrücke der Zukunft genau aussieht, lässt sich kaum voraussagen, erklärt Andreas Raedt: "Die Brückentechnik ist immer in Entwicklung."

Das Buch Die Serie entstand mit dem Bonner "General-Anzeiger" und der "Kölnischen Rundschau". Die besten Folgen münden in das Buch "Rheinliebe", das am 9. September im Droste-Verlag erscheint. Es kostet 24,99 Euro und kann im RP-Shop vorbestellt werden: Tel. 0211 - 505 2255 (Mo-Fr 8-16 Uhr) oder www.rp-shop.de. Es wird kostenfrei versandt.

Quelle: RP
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