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Rheinliebe
Wohnen mit Rheinblick

Rheinliebe: Wohnen mit Rheinblick
Die Kranhäuser im Kölner Rheinauhafen sind gleichermaßen spektakulär wie teuer und beliebt. Wohnen mit Blick auf den Fluss wurde hier architektonisch aufregend umgesetzt. FOTO: Peter Gauger
Köln. Die unverbaute Sicht auf den Fluss macht Immobilien in Ufernähe zu attraktiven und begehrten Objekten. In Düsseldorf, Köln und Bonn werden teils astronomische Quadratmeterpreise fällig. Das liegt auch daran, dass der Platz am Wasser begrenzt ist. Von Jörg Isringhaus und Ronald Larmann

"The View": Der Name ist Programm. In den vergangenen Jahren wurde der ehemalige Rheinpark-Pavillon zu exklusiven Wohnungen umgebaut, die das in Reinform bieten, was sich Bewohner von ihren Rhein-Immobilien wünschen: die unverbaubare Weitsicht, die beruhigende Wirkung des vorbeifließenden Stroms zu Füßen und den Dom vor Augen.

Der Rhein erreicht Köln bei Kilometer 671 in Godorf und verlässt die Stadt bei Kilometer 711 in Worringen. Dazwischen bietet sich ein ganz unterschiedliches Bild von Wohnen am Rhein. "Im Süden gelegen bietet Sürth zum Beispiel noch Fischerdorf-Charakter mit größtenteils altem Bestand", sagt Stefan Maaß. Dort und in Weiß lasse sich Wohneigentum zu Preisen zwischen 3000 und 3500 Euro pro Quadratmeter erwerben, so der Leiter des Unternehmensbereichs Privat-Immobilien bei dem Kölner Traditionsmakler Greif & Contzen.

In der Straße "Auf der Ruhr" in Weiß werden die Häuser schon etwas teurer. Hier gibt es vereinzelt besondere Altbauvillen, welche knapp über der Millionengrenze angeboten werden. Weiter nach Norden - in Rodenkirchen - wird es schwer, in Rheinlage ein Haus für unter einer Million Euro zu erwerben, für große Villen mit größeren Grundstücken sind auch Kaufpreise oberhalb von drei Millionen zu zahlen, weiß der Immobilienexperte.

Geht es weiter flussabwärts, ist es leider vorbei mit direkter Rheinlage. Grund ist die Rheinuferstraße. Unabhängig davon genieße der Stadtteil Marienburg ein hohes Ansehen. Rheinblick habe man zum Beispiel noch von der Parkstraße aus. Kaufpreise für Wohnungen liegen durchschnittlich bei rund 4000 Euro pro Quadratmeter, in der Spitze auch bis zu 8500. "Für ein Haus ist nahezu immer mit einem siebenstelligen Betrag zu rechnen", sagt Maaß.

Der Rheinauhafen mit seinen Kranhäusern steht symbolisch für modernes Wohnen am Rhein. Das Quartier hebt sich bei der Preisgestaltung nochmals deutlich nach oben ab. Für unter 5000 Euro pro Quadratmeter sei hier kein Wohneigentum mehr zu erwerben, sagt Maaß. "Im Kranhaus steigen die Preise abhängig von der Etage bis deutlich in den fünfstelligen Quadratmeterbetrag", so der Immobilienexperte. Auch in den Nachbargebäuden werden in den Penthouse-Etagen mittlerweile über 9000 Euro pro Quadratmeter aufgerufen. Prominenter Eigentümer ist auch Fußball-Profi Lukas Podolski.

Rechtsrheinisch kann man in Teilbereichen noch deutlich günstiger "Wohnen am Rhein" erwerben. So zum Beispiel liegen die Preise in Porz und Nachbargemeinden für Wohnungen in Rheinlage mit einzelnen Ausnahmen überwiegend im Bereich um 3000 bis 3500 Euro pro Quadratmeter, Häuser werden hier in einer Preisklasse um die 500.000 Euro angeboten. Deutz ragt preislich deutlich heraus. "The View" erwartet laut Maaß "Kaufpreise zwischen 10.000 bis knapp 14.000 Euro pro Quadratmeter und bietet dafür aber auch Luxus vom Feinsten". Dazu gehören laut Internetseite des Vermarkters Loggien mit Glasfaltwand und Echtholz-Belag. Audio-, Video- und Beleuchtungsinstallation sowie Sonnenschutz und Türkommunikation lassen sich übers Smartphone steuern. Im edlen Badezimmer duscht der Bewohner unter der beleuchteten Wasserfall-Kopfbrause und blickt in einen beheizbaren Spiegel mit integriertem TV-Monitor - oder auf den vorbeifließenden Rhein.

Da kommt das Projekt "Heimathafen" der Frankonia Eurobau im Düsseldorfer Medienhafen fast bescheiden daher. Rund 400 Apartments sollen in zwei 60 Meter hohen Wohntürmen entstehen. Abgezielt wird auf kaufkräftige Singles, die 19 Euro Miete pro Quadratmeter zahlen können. Da die Apartments aber nur zwischen 35 und 50 Quadratmeter groß sind, halten sich die Kosten im Rahmen. Dafür sollen Fitnessclub, Bar und Dachterrasse Mieter überzeugen. Nicht allzu weit davon entfernt, am Mannesmannufer 4, wird deutlich mehr geboten - entsprechend hoch sind die Preise. Rund 17.000 Euro pro Quadratmeter kosten die Luxuswohnungen am Rhein, was selbst für Düsseldorfer Verhältnisse enorm ist. "Wohnen am Fluss ist eben sehr begehrt", sagt Jörg Schnorrenberger, Vorsitzender des Ring Deutscher Maklers, "und der Platz endlich."

Tatsächlich kann Düsseldorf mit attraktiven Lagen am Strom aufwarten, die aber alle so gut wie zugebaut sind. In den Ortsteilen Wittlaer, Kaiserswerth, Golzheim und Urdenbach beispielsweise stehen Einfamilienhäuser direkt am Rhein. Millionen-Objekte seien das in der Regel, sagt Schnorrenberger, der Kaufpreis liege bei etwa 6000 bis 7000 Euro pro Quadratmeter, je nach Zustand und Lage. "Generell gilt: Je näher am Fluss, desto teurer."

Das trifft natürlich auch in Oberkassel zu. Dort stehen wunderschöne Gebäude relativ nah am Wasser. Für den Quadratmeter muss man dort laut Schnorrenberger Preise deutlich jenseits von 10.000 Euro kalkulieren. Wenn man denn überhaupt die Chance bekommt, dort Wohnraum zu erstehen.

Ganz anders sieht die Lage weiter rheinabwärts aus, zum Beispiel in Duisburg. Durch die zahlreichen Industrieanlagen gibt es dort wenig Flächen mit Wohnbebauung am Fluss, sagt Stephan Ittrich-Tielmann von Schnorrenberger Immobilien. Meist handelt es sich dabei um ehemalige Arbeiterwohnungen im Umfeld von Fabriken. "Und es fehlen die Flächen, um das entscheidend durch neue Projekte zu ändern", sagt Ittrich-Tielmann.

Zwar fehlen in Emmerich auch Areale für Neubauten, die Promenade bietet jedoch städtisches Wohnen mit attraktivem Rheinblick. Dort ein Domizil zu beziehen, sei sehr populär geworden, sagt der Emmericher Makler Rainer Elsmann. Sowohl mieten als auch kaufen kann man Wohnungen an der Promenade - sofern etwas frei ist. Die Kaufpreise liegen zwischen 2500 und 3000 Euro pro Quadratmeter, die Mieten zwischen sechs und acht Euro.

Schaut man sich generell die städtischen Grundstücke an, gibt es bei den Rheinlagen im Vergleich zur Gesamtstadt auffallende Unterschiede. In Düsseldorf beispielsweise muss man bei den Mieten am Rhein einen Aufschlag von 1,51 Euro pro Quadratmeter kalkulieren, während in Bonn das Wohnen am Rhein im Vergleich zur Gesamtstadt 0,55 Euro teurer ist und sich in Köln lediglich ein Unterschied von 0,42 Euro ergibt. Für die Rheinanlieger gilt: Das Wohnen am Fluss hat eben seinen Preis.

Quelle: RP
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