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Ex-Agent vor Gericht
Richter im Mauss-Prozess zweifeln an Angaben zu Treuhandkonten

Ex-Agent vor Gericht: Richter im Mauss-Prozess zweifeln an Angaben zu Treuhandkonten
Im Prozess vor dem Bochumer Landgericht geht es um einen Steuerschaden von rund 15 Millionen Euro. FOTO: dpa, a kno
Bochum . Während Ex-Agent Werner Mauss weiter schweigt, äußern sich die Richter. Sie halten Angaben zu den Konten des Ex-Agenten für wenig plausibel. Vielleicht wird demnächst sogar ein Kurienkardinal aus dem Vatikan als Zeuge nach Bochum geladen.

Im Steuer-Prozess gegen Ex-Geheimagent Werner Mauss haben die Richter Zweifel an der Verteidigungsstrategie des 76-jährigen geäußert. Am zweiten Verhandlungstag stellten sie am Dienstag Angaben seiner Anwälte zu Konten von Mauss in Frage. Mauss wird vorgeworfen, Millionenbeträge auf geheimen Konten versteckt und die Gewinne nicht versteuert zu haben. Im Prozess vor dem Bochumer Landgericht geht es um einen Steuerschaden von rund 15 Millionen Euro.

Mauss äußerte sich weiterhin nicht zu den Vorwürfen. Seine Verteidiger hatten bereits vor dem Prozess von einem Geheimfonds gesprochen, der Mauss steuerrechtlich nicht zuzurechnen sei. Das Geld sei vom Vatikan und von westlichen Staaten für Anti-Terror-Aktionen bereitgestellt worden.

Die Richter haben Zweifel, ob es sich tatsächlich um Treuhandkonten gehandelt hat. Nach ihren Informationen soll Mauss Nachfolgeregelungen für das unter Decknamen angelegte Vermögen getroffen haben - zugunsten eigener Familienangehöriger. Damit könne es nach seinem Tod niemals an die Geldgeber zurückfließen. "Das ist massiv klärungsbedürftig", sagte Richter Markus van den Hövel im Prozess. "Es gibt in diesem Zusammenhang viele Punkte, die wir für unplausibel halten."

In einem von der Verteidigung eingereichten und im Prozess verlesenen Schreiben aus dem Vatikan hatte Kurienkardinal Dario Castrillón Hoyos zwar die Einrichtung eines Geheimfonds bestätigt. Den Richtern ist nach eigenen Angaben jedoch unklar, welche Rolle Hoyos dabei überhaupt gespielt hat.

Auch vier Schreiben des ehemaligen israelischen Verteidigungs- und Umweltministers Amir Perez, in dem ebenfalls die Existenz eines Treuhandfonds bestätigt wird, sind die Richter am Dienstag mit Skepsis begegnet. "Man nimmt mit Verwunderung zur Kenntnis, dass die Erinnerung von Schreiben zu Schreiben zunimmt", so van den Hövel.

Der Kardinal und der Ex-Minister stehen auf der Zeugenliste. Ob sie wirklich geladen werden, ist aber noch nicht entschieden. Der Prozess wird am 24. Oktober fortgesetzt.

(dpa,skr)
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