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Islamisten in NRW
Salafisten werben Flüchtlinge an

Islamisten in NRW: Salafisten werben Flüchtlinge an
Salafisten versuchen Flüchtlinge anzuwerben, indem sie unter anderem den Koran verteilen. FOTO: Julian Stratenschulte
Düsseldorf. In 110 Fällen haben Salafisten in NRW versucht, Flüchtlinge zu radikalisieren. Sie täuschten dabei häufig vor, zu einer Hilfsorganisation zu gehören. Die Islamisten gaben sich als Dolmetscher aus, verteilten Geschenke oder den Koran.   Von Christian Schwerdtfeger

Den nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden sind seit August vergangenen Jahres 110 Fälle bekannt, in denen Salafisten versucht haben, Flüchtlinge anzuwerben. Das geht aus einer Antwort von Innenminister Ralf Jäger (SPD) auf eine kleine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Gregor Golland hervor. Die Dunkelziffer, so schätzen Experten, dürfte aber deutlich höher liegen. Wie schnell sich Menschen radikalisieren lassen, zeigt der Fall des 16 Jahre alten Syrers in Köln.

Nach Angaben des Ministers werden vor allem Frauen von den Islamisten gezielt angesprochen. "Wie ein Wolf im Schafspelz treten die Salafisten häufig auf. Von daher ist Achtsamkeit geboten. Hier muss unser Rechtsstaat konsequent durchgreifen. Organisationen, die zum Hass anstacheln und Menschen für ihre Zwecke radikalisieren und instrumentalisieren, gehören verboten", fordert Golland

Das ist der Salafist Pierre Vogel FOTO: dpa, Marius Becker

Die Sicherheitsbehörden gehen laut Jäger mit einer präventiven und repressiven Doppelstrategie gegen die Salafisten vor. Zum einen werden salafistische Organisationen vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Leiter und Mitarbeiter der Flüchtlingsunterkünfte im Land sind angewiesen, achtsam zu sein und verdächtige Personen und Gespräche sofort der Polizei zu melden. "Wir gehen jedem noch so kleinen Hinweis nach, jede Spur wird bearbeitet. Nichts fällt unter den Tisch", heißt es beim Verfassungsschutz.

Islamisten lassen nichts unversucht, um Flüchtlinge für ihre Zwecke zu gewinnen. In manchen Städten verteilten die Extremisten bereits den Koran vor den Flüchtlingsunterkünften. Sie verteilen laut Innenministerium auch Geschenke an die Flüchtlinge, tarnen sich als Dolmetscher, veranstalten Seminare oder versuchen unter dem Deckmantel angeblicher Hilfsorganisationen an Flüchtlinge heranzukommen.

Im Internet gab Pierre Vogel, einer der bekanntesten Salafisten-Prediger in Deutschland, bereits Ratschläge, wie man das Vertrauen der Flüchtlinge gewinnen könne. So solle man ihnen Geschenke mitbringen, riet er in einer Videobotschaft. Dem Personal der Unterkunft sollten die Salafisten ihre Unterstützung bei ihrer Arbeit anbieten. Werde die Hilfe abgelehnt, solle man die Asylsuchenden in eine Moschee einladen.

 

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