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Bekannter Salafisten-Prediger
Bundesanwaltschaft klagt Sven Lau an

Porträt: Das ist Sven Lau
Porträt: Das ist Sven Lau FOTO: Raupold
Mönchengladbach/ Karslruhe. Die Bundesanwaltschaft hat gegen den bundesweit bekannten salafistischen Prediger Sven Lau Anklage wegen des Verdachts der Unterstützung terroristischer Vereinigungen in Syrien erhoben.

Lau soll im Jahr 2013 von Deutschland aus als verlängerter Arm der in Syrien aktiven Terrororganisation Jamwa agiert haben, wie die Behörde am Dienstag in Karlsruhe mitteilte.

Der 35-Jährige hatte unter anderem 2014 im Zusammenhang mit einer selbsternannten "Schariapolizei" in Wuppertal Schlagzeilen gemacht. Laut Bundesanwaltschaft soll der seit Dezember 2015 in Untersuchungshaft sitzende Lau "eine Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige insbesondere aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf" gewesen sein. Dabei habe Lau als Bindeglied zu der in Syrien agierenden Islamistengruppe Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar (Jamwa) fungiert.

Spezialkräfte nehmen Sven Lau in Mönchengladbach fest FOTO: Rene Anhuth/ ANC-NEWS

Zusammenarbeit mit IS

Die ursprünglich aus Tschetschenien und Zentralasien stammende Gruppierung soll sich Ende 2013 gespalten haben, laut Bundesanwaltschaft schloss sich der mutmaßlich von Lau unterstützte Flügel danach der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) an.

Die Bundesanwaltschaft wirft Lau vor, in mindestens vier Fällen eine ausländische Terrorvereinigung unterstützt zu haben. So soll der deutsche Konvertit unter anderem im Spätsommer 2013 zwei Dischihadisten an eine in Syrien stationierte Kampfeinheit der Jamwa vermittelt haben - darunter Ismail I., der im vergangenen März vom Oberlandesgericht Stuttgart als Jamwa-Mitglied zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Ende September 2013 soll Lau den Ermittlungen zufolge selbst nach Syrien gereist sein und dort den Auftrag erhalten haben, Nachtsichtgeräte für die Jamwa zu beschaffen. Zurück in Deutschland kaufte Lau daraufhin nach Erkenntnissen der Ermittler über eine Kontaktperson drei Nachtsichtgeräte im Gesamtwert von 1440 Euro. Diese Geräte soll er Ende Oktober 2013 entweder selbst oder über eine Hilfsorganisation in das Basislager der Jamwa nach Syrien gebracht haben.

Lau ist seit Jahren im Visier der Sicherheitsbehörden. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums wurden über Laus Netzwerk "Einladung zum Paradies" bis 2011 junge Menschen in Mönchengladbach für den extremistischen Salafismus angeworben. In der Folge war Lau demnach für verschiedene salafistisch-extremistische Organisationen deutschlandweit aktiv, darunter das Koranverteiler-Netzwerk "Lies".

(AFP, skr)
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