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Herde im Sauerland
Wisent-Kuh verletzt Wanderin aus Neuss

Sauerland: Wisent soll Wanderin aus Neuss angegriffen haben
Wisente sind europäische Bisons. FOTO: dpa, mb vbm
Bad Berleburg. Zum ersten Mal seit drei Jahren ist es im Sauerland zu einer unglücklichen Begegnung zwischen einer Wanderin und einem Wisent gekommen. Das Tier soll eine 47-Jährige aus Neuss gestoßen und dabei verletzt haben. Möglicherweise wollte es ein Kalb beschützen. Von Jessica Kuschnik

Seit drei Jahren lebt die Wisent-Herde in den Wäldern rund um Bad Berleburg im Sauerland. Die Tiere streifen frei durch die Gegend, Zäune gibt es für sie nicht. Das hat schon zu manchem Ärger geführt, da die Wisente gerne an den Bäumen knabbern. Unfälle mit Menschen hat es laut dem Trägerverein "Wisent Welt Wittgenstein" aber noch nicht gegeben, jedenfalls nicht bis vergangenen Sonntag.  

An diesem Tag soll eine Wanderin aus Neuss von einer Wisentkuh gestoßen und dabei leicht verletzt worden sein, berichtet Hubertus Schmidt, Geschäftsführer der Kur- & Freizeit GmbH Schmallenberger Sauerland, der mit der Neusserin gesprochen hat. "Die Frau war mit ihrer Familie und ihrem Hund auf einem Rundwanderweg entlang des Rothaarsteiges unterwegs", sagt Schmidt, als eine Gruppe der europäischen Bisons in einigen Metern Entfernung auftauchte. 

Trägerverein nimmt den Vorfall sehr ernst 

Tierische Rückkehrer in NRW FOTO: Uli Stadler nabu

Als die Frau aus dem Rheinland ihren Hund auf den Arm nahm und in einer Böschung Schutz suchte, soll sie das Wisent mit dem Kopf gestoßen haben. Dabei trug die Frau Prellungen und eine Schürfwunde davon. Ihr Mann konnte das Tier vertreiben. 

"Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst", sagt Michael Emmrich, Sprecher des zuständigen Trägervereins, der für die Wisent-Herde verantwortlich ist. Man habe bereits Kontakt mit der Frau aufgenommen, um herauszufinden, was an diesem Tag genau passiert ist. "Bisher wissen wir auch alles nur aus zweiter Hand", sagt Emmrich. 

Der Verein hat zudem den Kreis Siegen-Wittgenstein informiert und darum gebeten, die Koordinationsgruppe, eine Art Aufsichtsrat bestehend aus Experten, einzuberufen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. "Uns ist nicht bekannt, dass es vorher schon einmal zu solch einem Vorfall gekommen ist", sagt der Sprecher. 

Wisente bleiben "auf freiem Fuß" 

Grund für den Zwischenfall am vergangenen Sonntag könnte Nachwuchs in der Herde sein. "Wir wissen es nicht genau, aber Wanderer haben uns erzählt, dass es in der Herde zwei neue Kälber geben soll", sagt Emmrich. Möglicherweise wollte die Wisentkuh diese beschützen. Üblich sei ein solch aggressives Verhalten aber nicht. Vergangenes Jahr gab es sechs Kälber in der rund 17 Tiere starken Herde – ohne jegliche Zwischenfälle. 

Die Tiere werden nun aber nicht eingefangen. "Das wäre logistisch gar nicht möglich", sagt Emmrich. Statt dessen wolle man erst einmal herausfinden, was sich zugetragen hat. 

Die Herde lebt seit 2013 in den Wäldern im Kreis Siegen-Wittgenstein. Hinweisschilder oder Verhaltensregeln wurden dort nicht aufgestellt, da der Trägerverein nicht davon ausgeht, dass von den Tieren eine Gefahr ausgeht – zumindest nicht mehr als von jedem anderen Waldtier wie etwa einem Wildschwein. Zudem sei das Gebiet einfach zu groß, um es flächendeckend zu beschildern, sagt Hubertus Schmidt.

Der Diplom-Biologe Dr. Philip Schmitz hält das für den falschen Weg. Er hat bis 2013 gemeinsam mit Freiwilligen einmal im Monat getestet, wie die Tiere auf Menschen reagieren. "Tatsächlich ist es so, dass die Tiere nicht angriffslustiger sind als etwa eine Wildsau. Sie sind aber aufgrund ihrer Größe trotzdem gefährlicher als eine Kuh", sagt Schmitz. Der Trägerverein habe in den Medien ein verharmlosendes Bild aufgebaut, das Menschen dazu animieren könne, näher an die Tiere heranzugehen und diese so in Bedrängnis zu bringen. "Daher sollte es auch Hinweisschilder geben."

 

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