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Unfall in Dortmund
Schon wieder verliert ein Senior am Steuer die Kontrolle

Schon wieder verliert ein Senior am Steuer die Kontrolle
Der Dauerstreit über Pflichttests für ältere Autofahrer erhält neue Nahrung. FOTO: dpa
Dortmund. Die Debatte über Fahrtüchtigkeit im Alter erhält neue Nahrung. Am Sonntag raste ein 79-Jähriger auf dem Parkplatz eines Dortmunder Einkaufszentrums mit Vollgas in parkende Autos. Erst am Samstag war ein 84-Jähriger in eine Menschengruppe gefahren, zwei Menschen starben.

Rund 24 Stunden später ereignete sich der Unfall in Dortmund. Der Unglücksfahrer, seine 63-jährige Beifahrerin sowie zwei Insassen eines der geparkten Fahrzeuge wurden verletzt, wie die Polizei Dortmund am Sonntag mitteilte.

Der 79-Jährige habe nach dem Ausparken am Samstag nochmals angehalten, um seine Beifahrerin einsteigen zu lassen. Dann sei sein Auto aus bisher ungeklärter Ursache plötzlich mit Vollgas losgefahren, habe zwei Autos touchiert und sei ungebremst frontal auf zwei parkende Wagen gestoßen.

Neuer Zündstoff

Die verletzten Insassen eines Kleinwagens wurden eingeklemmt und mussten von der Feuerwehr befreit werden. Drei der vier Verletzten kamen ins Krankenhaus. Das Auto des 79-jährigen wurde für ein technisches Gutachten sichergestellt. Auch sein Führerschein blieb zunächst bei der Polizei. Der Sachschaden wird auf rund 80.000 Euro geschätzt.

Der Fall liefert neuen Zündstoff für den Dauerstreit über mögliche Gefahren durch Senioren am Steuer, die ihre Fahrtüchtigkeit nicht mehr richtig einschätzen. Insbesondere der Vorfall in Bad Säckingen am Samstag hatte schon zuvor für Aufregung gesorgt.

Kurz nach 12 Uhr verlor dort ein 84-Jähriger die Kontrolle über sein Auto und rast in eine Menschenmenge vor einem Straßencafé. Der Mann hatte statt der Bremse das Gaspedal durchgedrückt. Zwei Menschen starben bei dem Unfall, viele weitere wurden verletzt - manche schwer. Eine Tragödie.

Inzwischen wird auch der Hergang des Unfalls deutlich: Ein Fahrfehler sei die Ursache, heißt es bei der Polizei. Das Auto des 84-Jährigen habe stark beschleunigt und mehrere Tische auf der Terrasse des Cafés umgefahren. Warum der Mann überhaupt mit seinem Wagen in der Fußgängerzone unterwegs war, ist noch unklar.

Experten fordern Tests für Ältere

Erst kürzlich hatten Experten Testfahrten für ältere Autofahrer gefordert - gesetzlich verpflichtend und mit geschulten Beobachtern. Solche Überprüfungen seien aufschlussreicher als medizinische Tests - und Handlungsbedarf gebe es, weil die Zahl älterer Fahrer wegen der demografischen Entwicklung stark zunehmen werde, hieß es im Januar von der Unfallforschung der Versicherer.

Das Bundesverkehrsministerium erteilt generellen Fahrtests für ältere Autofahrer allerdings eine Absage. Es gebe keine Überlegungen für Pflichttests für Senioren, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Wochenende. Auch der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) setzt auf Freiwilligkeit und Vernunft statt auf Zwang. Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil ist die Gruppe der Senioren pauschal betrachtet keine unfallauffällige Gruppe, heißt es auch aus dem Landesministerium.

ADAC gegen Zwang

Auch der ADAC verweist auf die Statistik und spricht sich gegen Pflichttests aus. Der Auto Club Europa (ACE) sieht diese ebenfalls kritisch. Trainings seien eine mögliche Lösung, sagte ein ACE-Sprecher. Aber auch das Umfeld älterer Menschen sei in der Pflicht. "Das darf kein Tabuthema sein, sondern muss in der Familie thematisiert werden." Allerdings machten auch jüngere Fahrer Fehler.

Das zeigte am Wochenende ein weiterer tragischer Unfall: Ein 16-Jähriger übte mit seinen Eltern auf einem Parkplatz im südbadischen Tengen einparken und verwechselte Bremse mit Gaspedal. Das Auto fuhr nach Polizeiangaben über einen Absatz auf eine Wiese und erfasste einen 52-Jährigen, der dort auf einer Bank saß. Der Mann wurde lebensgefährlich verletzt. Der Junge hatte noch keinen Führerschein.

(dpa/lnw)
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