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Empörung über Brief-Werbung
Schützen distanzieren sich von "Pegida"

Schützen distanzieren sich von "Pegida"
Bundesschützenmeister Emil Vogt aus Leverkusen distanziert sich von den Werbebriefen, die "Pegida"-Anhänger an Bruderschaften geschickt haben. FOTO: BHDS
Neuss. Im Namen der rechtspopulistischen Organisation "Pegida" umwerben Unbekannte in NRW Schützenvereine. Die Schützen reagieren empört. Die Briefe nennen sie eine Frechheit.

In Briefen an mehrere Bruderschaften im Neuss-Grevenbroicher Raum und in Hilden wird an die Schützenvereine als Bewahrer der Tradition appelliert, diese Werte angesichts einer "unkontrollierten Masseneinwanderung", die auch Feste und Feiern gefährde, zu erhalten. Als Absender firmiert pegida-nrw.de, ein Name wird nicht genannt. "Pegida NRW" hat auf Anfrage versichert, kein solches Schreiben verfasst oder verschickt zu haben.

Bundesschützenmeister Emil Vogt zeigt sich dennoch entsetzt, "dass unser Leitwort ,Glaube, Sitte, Heimat' für solche Zwecke missbraucht" wird. Vogt ist Chef von 1300 Schützenbruderschaften mit 400.000 Mitgliedern, die im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) zusammengefasst sind. "Unser Bekenntnis ,Bruder sein ist mehr' beschränkt sich nicht auf die Schützenfamilie", sagte er. "Unsere Vereinigungen geben allgemein Heimat - auch und besonders Flüchtlingen."

Auch Robert Hoppe hat ein Schreiben erhalten - als Bezirksbundesmeister des Bezirksverbandes Grevenbroich im BHDS. Er sei schockiert, mit welcher Intensität Adressen gesichtet wurden, erklärte er. "Ich finde es eine Frechheit, dass Gruppierungen auf uns zugehen, um unsere Intentionen, mit denen wir uns für eine friedliche Gesellschaft einsetzen, für ihre politische Gesinnung auszunutzen."

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat nach der "Pegida"-Demonstration vor knapp zwei Wochen in Dresden, bei der eine Galgen-Attrappe mit dem Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel an einem Strick getragen wurde, schwere Vorwürfe erhoben.

Er sieht die Anhänger als mitverantwortlich für Brandanschläge auf geplante Flüchtlingsheime. Bundesschützenmeister Vogt will sich daher auf der heutigen Präsidiumssitzung des BHDS in Monheim mit einer Resolution deutlich gegen Pegida positionieren: "Wir haben mit 'Pegida' und dem, was die unter Heimat verstehen, nichts gemein."

(cso/gt/jis)