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Schwimmbäder geschlossen
Warum in NRW kaum jemand Bademeister werden will

Düsseldorfer Freibäder im Test
Düsseldorfer Freibäder im Test FOTO: ddp
Düsseldorf. Unregelmäßige Arbeitszeiten und eine schlechte Bezahlung machen den Beruf des Schwimmmeisters unattraktiv. Deutschlandweit fehlen Tausende Bewerber. Um den Personalmangel aufzufangen, bleiben in den Sommerferien in NRW viele Hallenbäder zugunsten des Freibadbetriebs geschlossen. Von Beate Wyglenda

Für einige ist er ein Held wie aus der TV-Serie "Baywatch" entsprungen: braungebrannt, den Blick durch die Sonnenbrille aufs Wasser gerichtet, allzeit bereit, Leben zu retten. Für die anderen ist der Bademeister eine Spaßbremse, die in den Sommerferien nichts Besseres zu tun hat, als in regelmäßigen Abständen Sätze wie "Nicht vom Beckenrand springen" auszurufen und ansonsten hübschen Mädchen hinterherzuschauen.

Doch nicht nur mit derartigen Klischees haben Fachangestellte oder Meister für Bäderbetriebe – so die offizielle Bezeichnung – zu kämpfen. Auch die schlechte Bezahlung, unregelmäßige Arbeitszeiten und die ständig wachsenden Anforderungen machen den Job unattraktiv. Mit Folgen: In Deutschland fehlen Tausende Bewerber. In NRW müssen in den Sommerferien bereits Hallenbäder schließen, um für den Freibadbereich genügend Personal bereitzustellen.

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Das beliebte Chorweilerbad in Köln beispielsweise bleibt deshalb bis zum 4. August geschlossen. Ähnlich in Düsseldorf: Das Hallenbad Benrath und die dazugehörige Sauna sind erst wieder ab dem 4. September geöffnet. Im Rheinbad-Freibad kann es in der 50-Meter- und 33-Meter-Halle in den Sommerferien zu kurzfristig eingeschränkten Öffnungszeiten bis hin zu Teil- und Komplettschließungen kommen. Und auch die Sauna im Gartenhallenbad Unterrath bleibt die Sommerferien über zu.

Deutschlandweit fehlen rund 2500 Schwimmmeister

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"Wir beobachten seit Jahren, dass sich die Öffnungszeiten der Bäder verschieben, da Personal fehlt", sagt der Vorsitzende des Landesverbands NRW im Bundesverband Deutscher Schwimmmeister (LDS), Reinhard Nowak. Nach Angaben des Verbands arbeiten in den rund 6500 Bädern in Deutschland rund 26.000 Fachkräfte für Bäderbetriebe. Doch immer mehr Stellen bleiben unbesetzt. Schätzungen zufolge fehlen 2500 bis 3000 ausgebildete Schwimmmeister.

"Es besteht keine gesetzliche Pflicht, dass in jedem Schwimmbad ein ausgebildeter Schwimmmeister jederzeit vor Ort ist. Es gibt Bäder, in denen nur saisonal eingestellte Rettungsschwimmer die Aufsicht haben", erklärt Nowak. "Als Richtlinie gilt, dass im Ernstfall der Schwimmmeister innerhalb von 20 Minuten ankommen muss." Ob das allerdings immer gewährleistet ist, hält Nowak für bedenklich. "Ich plädiere dafür, dass in einem Schwimmbad immer zumindest eine Fachkraft für Bäderbetriebe vor Ort ist", betont er.

Das Unternehmen KölnBäder, das 13 städtische Bäder in Köln betreibt, und die Bädergesellschaft Düsseldorf, die die Betriebsführung von 19 Düsseldorfer Bädern leitet, halten sich an diesen Rat. "In unseren Bädern ist immer ein Fachangestellter für Bäderbetriebe vor Ort, schon allein, weil die Person auch die Betriebsaufsicht führt", sagt Carina Jakobi von der Bädergesellschaft. "Uns ist es gerade als öffentlicher Badbetreiber wichtig, zur Sicherheit der Gäste immer auch einen ausgebildeten Schwimmmeister einzuteilen", bestätigt Franziska Graalmann von KölnBäder.

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Doch um diesem Anspruch mit dem vorhandenen Personal gerecht zu werden, müssten die Hallenbäder in den Sommerferien eben zugunsten der Freibäder geschlossen bleiben. "Natürlich ist es eine Einschränkung, wenn die Hallenbäder in den Sommerferien nicht zur Verfügung stehen. Doch wir orientieren uns bei der Personalverteilung an der Nachfrage", erklärt Graalmann. Obwohl das Unternehmen ganzjährig ein Stellenangebot für ausgebildete Schwimmmeister auf seiner Homepage stehen hat, sei es schwierig, Fachpersonal zu akquirieren.

Arbeitszeiten sind unattraktiv 

Nach Angaben des LDS-Vorsitzenden Reinhard Nowak werden in NRW jährlich etwa 80 bis 100 Schwimmmeister ausgebildet. Vor einigen Jahren waren es noch 150. "Vor allem die Arbeitszeiten sind für viele junge Leute unattraktiv", sagt er. Morgens geht es teilweise schon um 5 Uhr los, weil noch vor der Öffnung des Schwimmbades Technik und Wasserqualität überprüft werden müssen.

Der Feierabend wiederrum kommt schon mal nach Mitternacht, wenn es etwa einen Saunabetrieb gibt. "Außerdem arbeiten Schwimmmeister im Sommer meist auch samstags und sonntags, also dann, wenn andere ihre Freizeit genießen", sagt Nowak. Dabei liegt der Lohn für Einsteiger bei rund 2000 Euro brutto pro Monat, als Meister verdient man bis zu 3200 Euro.

Für Nowak, der 17 Jahre lang als Schwimmmeister gearbeitet hat, ist es trotzdem ein toller Beruf. "Man kommt jeden Tag mit anderen Menschen zusammen, und die Aufgaben sind sehr abwechslungsreich", sagt er. "Man ist Animateur und Seelsorger (wenn zum Beispiel ein Kind weint), man muss sich mit der Technik der Pumpen, Filter und Attraktionen auskennen, chemisches Wissen mitbringen und fit in Erste Hilfe sein." Noch immer springt Nowak gerne als Aushilfe ein, wenn ein Schwimmbad mal wieder Personalmangel hat.

Auch Rettungsschwimmer fehlen

Denn nicht nur die ausgebildeten Schwimmmeister werden rar in Deutschlands Bädern. Auch die Saisonarbeiter, allen voran Rettungsschwimmer, sind zunehmend schwierig zu finden. "Wir beginnen immer bereits mit Ende der Freibadsaison, die Rettungsschwimmer für das nächste Jahr zu suchen", sagt Rolf Heithausen, Abteilungsleiter Bäder der NEW, die in Mönchengladbach sieben Schwimmbäder betreibt. "Trotzdem haben wir in diesem Jahr erst Anfang Mai unser Team komplettieren können."

Anders als Schwimmmeister haben Rettungsschwimmer keine dreijährige Ausbildung absolviert. Sie müssen lediglich das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ablegen. Meist übernehmen Studenten den Job in den Semesterferien. "Seit der Umstellung auf das Bachelor-System lassen sich aber nur noch wenige Studenten finden, die Zeit dafür haben", bedauert Heithausen.  

Hinzu kommt, dass Rettungsschwimmer sehr flexibel sein müssen. Bei gutem Wetter und vielen Besuchern müssen sie auf Abruf parat stehen, bei schlechtem Wetter und Besucherflaute werden sie wieder nach Hause geschickt. Der Verdienst bleibt dann aus. "Die jungen Leute haben natürlich auch keine Lust, gerade dann zu arbeiten, wenn alle anderen feiern und grillen", bestätigt Dieter Scholz vom Freibad Wiembachtal in Leverkusen. Dort führte die enge Personallage dazu, dass gleich wenige Tage nach Saisonbeginn das Freibad die Öffnungszeiten nicht mehr einhalten konnte, weil zwei Mitarbeiter krank geworden waren. Um das Bad doch noch zu öffnen, wurden Kollegen des Freizeitbads Calevornia "ausgeliehen".

Das Unternehmen KölnBäder hat inzwischen Partnerschaften mit Kindergärten und Schulen aufgenommen, um den Beruf des Schwimmmeisters Kindern schon früh näherzubringen. Auch der Landesverband Deutscher Schwimmmeister engagiert sich, junge Menschen wieder für die Aufgaben zu begeistern. "Letztlich ist es ein sehr schöner Beruf", sagt LDS-Vorsitzender Nowak.

(beaw)
 
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