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Städte in NRW
Selbstschussanlage tötet Ratten im Kanal

Städte in NRW: Selbstschussanlage tötet Ratten im Kanal
So sehen die ausgefahrenen Bolzen einer Selbstschussanlage zur Rattenbekämpfung im Kanal aus.. FOTO: dpa, tba
Düsseldorf. In vielen Städten in NRW leben mindestens doppelt so viele Ratten wie Einwohner - oft auch bedeutend mehr. Normalerweise werden sie mit Giftködern bekämpft. In Düsseldorf und Dortmund wird scharf geschossen. 

Die Ratten haben keine Chance - sie werden in der Dortmunder Kanalisation förmlich zerschmettert. Infrarot- und Bewegungssensoren nehmen die ungeliebten Tiere wahr und geben den Feuerbefehl an eine Selbstschussanlage. Mit 130 Stundenkilometern schnellen 14 Bolzen auf die Ratte herab und brechen ihr Schädel und Wirbelsäule. "Die Ratte ist sofort tot", sagt Michael Overmeyer von der Stadtentwässerung Dortmund. Anschließend fahren die Bolzen zurück in die Maschine.

58 Ratten haben die vier Selbstschussanlagen in der Dortmunder Nordstadt in den ersten fünf Wochen erlegt. Nächste Woche wird der Standort gewechselt. Im schleswig-holsteinischen Marne haben zwei Fallen in einer Nacht 200 Ratten erlegt. "Das kann passieren, wenn man auf einen Hotspot trifft", sagt Schädlingsbekämpfer Henning Gutzke.

Das sind die ekligsten Tiere für die Deutschen FOTO: dpp

Der tote Nager wird mit dem Abwasser aus der Kanalisation zur nächsten Kläranlage geschwemmt. Passiert das nicht so schnell, löst sich das Problem auf andere Weise. "Ratten sind auch Aasfresser."

In Dortmund inspiziert Gutzke vom Unternehmen Anticimex eine der vier Fallen zwei Meter unter der Erde. Sie sind am Ende eines 30 Zentimeter durchmessenden Abwasserrohres unterhalb eines Kanaleinstiegs montiert. Die Ratte muss zwangsläufig durch das Rohr laufen, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Die Tiere leben zwar meist oberirdisch in Grünanlagen, auf Plätzen oder Schulhöfen; Wege legen sie aber gerne unterirdisch zurück.

Schädlinge in Haus und Garten FOTO: dapd, dapd

In Deutschland ist das Gerät laut Gutzke vom Umweltbundesamt zugelassen worden. In Köln unter der Justizvollzugsanstalt in Ossendorf verrichten die Fallen seit zwei Jahre ihre Arbeit. Die Ausbeute: 2000 Ratten. Auch in anderen Städten kommen die Geräte zum Einsatz, zum Beispiel testweise in Berlin, Düsseldorf und Dresden. Oberirdisch gibt es für Unternehmen Alternativen. So kann die Lebensmittelindustrie, die kein Gift einsetzen darf, mit Elektrofallen arbeiten.

"Wir haben kein Rattenproblem. Aber die Biozidverordnung schreibt Regeln zur Ungezieferbekämpfung vor", sagt Overmeyer. Und dazu zähle, den Einsatz von Giften gering zu halten. Immerhin legt die Stadt jährlich zwölf Tonnen Köder aus. Sie enthalten Gerinnungshemmer, die der Ratte innerhalb von Tagen den Tod bringen. Der Ködereinsatz kostet jährlich 120 000 Euro. Der Einsatz einer einzelnen Bolzenfalle kostet 1500 Euro. Immerhin kommen in Dortmund auf jeden Einwohner sechs Ratten, schätzt die Kanalbehörde.

Sorgen vor Missbrauch macht sich die Stadt nicht. Das Gerät wird nur in schmalen Kanalrohren eingesetzt. Wenn ein Unbefugter den Kanaldeckel öffnet, schaltet sich das Gerät automatisch ab und versendet eine SMS. Schlägt ein Dieb dennoch zu, sendet die Schussanlage per GPS Hinweise über ihren Standort. Per SMS meldet die Anlage auch, wenn sie zugeschlagen hat.

Köln geht wie viele andere Städte mit konventionellen Ködern gegen Nager vor. An Plätzen und in Grünanlagen werden ungiftige Behälter mit Ködern ausgelegt. Wird vermehrt Fraß festgestellt, folgen die Giftköder mit Gerinnungshemmern, so die Verwaltung.

2014 hatte Köln es einmal mit Plakathinweisen versucht. Eine Ratte bedankt sich auf dem Plakat bei den Menschen für die schöne Speisekarte. Es ist vornehmlich der Mensch, der die Nager füttert, wenn er Speiseabfälle über die Toilette entsorgt.

 

(top/lnw)
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