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Landeskriminalamt NRW
Senioren werden seltener Opfer von Straftaten

Senioren in NRW werden seltener Opfer von Straftaten
FOTO: dpa, jew vfd lof jai
Düsseldorf. Nach dem sexuellen Übergriff auf eine 90-Jährige in Düsseldorf stellt sich die Frage: Wie sicher leben Senioren? Laut Landeskriminalamt NRW werden sie zwar seltener Opfer. Doch sie leiden besonders unter den Folgen einer Tat. Von Christian Schwerdtfeger

Der brutale Überfall auf eine 90-Jährige in Düsseldorf ist immer noch nicht aufgeklärt. Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach dem Täter, einem Mann aus Osteuropa, der die Frau am vergangenen Sonntagvormittag nach einem Besuch in der Lambertuskirche in der Altstadt überfallen und in einem Verschlag sexuell missbraucht haben soll. Bei seiner Flucht ist der Mann von einer Überwachungskamera gefilmt worden. "Wir haben eine Aufnahme, die ihn mit einer Kapuze über dem Kopf zeigt", sagt eine Polizeisprecherin.

Bei ihrer Suche nach dem Flüchtigen wird die Düsseldorfer Polizei von Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) unterstützt. Sie helfen bei der Auswertung möglicher DNA-Spuren und haben gemeinsam mit dem Opfer ein Phantombild des Täters erstellt. "Das ist einer dieser entsetzlichen Fälle, die einen wirklich sprachlos machen", sagt LKA-Sprecher Frank Scheulen.

FOTO: Polizei Düsseldorf

Auf Anfrage unserer Redaktion hat seine Behörde eine Statistik über alle Sexualstraftaten, Raubüberfälle und andere Gewalttaten erstellt, die in den vergangenen fünf Jahren in NRW gegen Personen ab dem 60. Lebensjahr begangen worden sind. Dabei ist herausgekommen, dass diese Delikte - entgegen der öffentlichen Wahrnehmung - seit 2011 in allen Bereichen (bis auf Körperverletzung) nahezu gleich geblieben (siehe Grafik).

Während es nach Angaben des LKA vor fünf Jahren 282 sexuelle Straftaten gegen Menschen dieser Altersgruppe gegeben hat, sind es im vergangenen Jahr 295 gewesen. Im Vergleich zu der Gesamtzahl der sexuellen Übergriffe sieht man, dass Senioren nur einen kleinen Teil dieser Opfergruppe ausmachen. So sind insgesamt die Sexualstraftaten in NRW seit 2011 deutlich zurückgegangen - um rund 14 Prozent von 8753 auf 7567 Fälle.

Jeder Fall ein Fall zu viel

Trotz des Rückgangs der Sexualdelikte betont das LKA, dass jeder Fall ein Fall zu viel sei. "Für jedes einzelne Opfer ist das natürlich sehr schrecklich", sagt Scheulen. Bei missbrauchten Senioren käme nach Angaben der Polizei hinzu, dass sie sowohl physisch als auch psychisch häufig verletzlicher als jüngere Menschen seien. "Sie leiden deshalb oft länger und schwerer unter den Folgen einer erlittenen Straftat", so ein Experte für Opferschutz der Polizei. Eine schwere Belastung für sie sei es auch, anschließend eine Aussage zu machen und als Zeuge bei der Tätersuche mitzuwirken, so wie es auch die 90-Jährige in Düsseldorf gemacht hat. "Ihr geht es den Umständen entsprechend gut. Sie hat mit einem Zeichner des LKA das Phantombild erstellt", sagt die Polizeisprecherin.

FOTO: Anna Zörner

Sehr häufig ziehen sich Betroffene anschließend zurück. "Die Folge solcher Taten ist oft die soziale Isolation", sagt ein Sprecher des Opferschutzverbandes Weißer Ring. Die Organisation bietet deshalb Hilfsangebote, um so eine Krise zu überwinden. Dabei gelte: Je früher beratend eingegriffen werde, desto schneller nehme der Mensch die Hilfe auch an.

Dass diese Hilfe in Zukunft vermutlich öfter in Anspruch genommen wird, davon sind Justiz- und Innenministerium überzeugt. Auch wenn Menschen ab dem 60. Lebensjahr derzeit nur rund fünf bis sechs Prozent aller Opfer von Gewaltkriminalität ausmachten, werde sich diese Zahl nach Einschätzung von Experten in den nächsten Jahren wegen des demografischen Wandels deutlich erhöhen, heißt es bei den Ministerien.

Quelle: RP
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