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Silvesternacht in Köln
Einsatzleiter spricht von Massenpanik

Die Ereignisse seit der Silvester-Nacht in Köln
Die Ereignisse seit der Silvester-Nacht in Köln FOTO: dpa, obe kno
Düsseldorf. Wie konnten am Kölner Bahnhof direkt unter den Augen der Polizei massenhaft Frauen belästigt werden? Die Aussagen ergeben ein widersprüchliches Bild. Der Einsatzleiter der Bundespolizei zog Parallelen zur Lage bei der Loveparade.

Vor der Silvesternacht in Köln hat die Polizei nach Darstellung der damaligen Einsatzleiter der Bundes- und der Landespolizei keinerlei Hinweise auf mögliche Exzesse gehabt. Vorab sei keine besondere Gefahrenlage erkennbar gewesen, sagten beide Zeugen am Freitag im "Untersuchungsausschuss Silvesternacht" des nordrhein-westfälischen Landtags.

Bahnhof und Domplatz seien nicht als besondere Einsatzorte mit speziellen Polizeikräften vorgesehen gewesen, weil sie in den Vorjahren nie Kriminalitätsschwerpunkte gewesen seien, sagte der Einsatzleiter der Landespolizei, Günter R.. Mit massenhaften sexuellen Übergriffen sei "nicht im Ansatz" zu rechnen gewesen.

Hinweise im Vorfeld

Am Kölner Hauptbahnhof hatten in der Silvesternacht Männergruppen zahlreiche Frauen sexuell belästigt, drangsaliert und ausgeraubt.
Zeugen sprachen von Tätern mit nordafrikanischem oder arabischem Aussehen. Bislang wurden laut Staatsanwaltschaft Köln 1139 Anzeigen gestellt, davon 485 wegen einer Sexualstraftat.

Als er selbst am Abend mit dem Zug zum Silvesterdienst nach Köln gefahren sei, habe er erstmals Gruppen von Migranten auf dem Bahnhofsvorplatz gesehen, die sich Böller vor die Füße geworfen hätten, berichtete Günter R.. Die Wache habe davon noch gar nichts mitbekommen. "Das hatte offensichtlich außer mir keiner wahrgenommen."

Im Vorfeld habe es Hinweise gegeben, dass mit mehr Taschendieben zu rechnen sei, sagte der 57-jährige Polizeihauptkommissar.
Nordafrikanische Taschendiebe seien für die Kölner Polizei aber "Alltagsgeschäft". Dass nordafrikanische "Antänzer" massiv Frauen bedrängen, sei völlig untypisch. "Das sind Taschendiebe. Die bemühen sich, nicht aufzufallen."

"Der Bahnhof ist zugelaufen."

Im Vergleich zum Jahr zuvor sei die Polizei deutlich komfortabler aufgestellt gewesen. Zum Jahreswechsel 2015/16 waren in Köln laut Bericht des NRW-Innenministeriums 142 Beamte der Landespolizei im Einsatz gegenüber 83 im Vorjahr.

Am späten Abend habe er die Meldung bekommen, jetzt seien auf dem Bahnhofsvorplatz bis zu 1200 enthemmte Leute. "Die ballern ordentlich rum. Das ist kritisch." Daraufhin habe er sich selbst einen Überblick vor Ort verschafft, den "Tumult" gesehen und aus Angst vor einer Massenpanik mit Toten und Verletzten den Bahnhofsvorplatz kurz nach Mitternacht räumen lassen. Der habe aber kurz darauf wieder freigegeben werden müssen, nachdem die Bundespolizei gemeldet habe: "Der Bahnhof ist zugelaufen."

Chaotische Zustände

Der Einsatzleiter der Bundespolizei, Kommissar Detlef M., berichtete von chaotischen Zuständen, die fast an die Zustände der Duisburger Loveparade erinnert hätten. "Die Menschen haben geschrien: "Ich werde erdrückt"."

Den Zeugenaussagen zufolge gab es eine Vielzahl von Zuständigkeiten von Landes- und Bundespolizei, Stadt und Bahn.
Absprachen über eine Sperrung der Hohenzollernbrücke, die in den Bahnhof einläuft, habe es im Vorfeld nicht gegeben.

Günter R. berichtete, die Polizei habe in der Nacht eine "neue Masche" entdeckt, wonach Frauen Handys gestohlen worden seien, während sie sexuell bedrängt wurden. "Das war für mich ein völlig unbekannter Modus Operandi." Daraufhin sei er erneut zum Bahnhof gefahren und habe mindestens zwei Stunden am Eingang gestanden.

Niemand sagte etwas

Keiner der Passanten habe aber ihn oder seine Kollegen auf Übergriffe angesprochen. "Diese Dinge sind uns nicht gesagt worden. Wir sind davon ausgegangen, dass wir die Lage im Griff haben." Verstärkung habe er nicht angefordert.

Die Schilderung einer letztlich entspannten Lage sei allerdings schwer in Einklang zu bringen mit den Berichten von Frauen, die in drangvoller Enge eingekesselt, begrapscht und bestohlen worden seien, hielt ihm der Ausschussvorsitzende Peter Biesenbach (CDU) entgegen.

(lnw)
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