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Nach den Übergriffen in Köln
Flüchtlinge in Duisburg befürchten Anfeindungen

Silvesternacht in Köln: Das sagen Flüchtlinge in Duisburg
Der 34-jährige Abdul Rahem Kabbani aus Syrien glaubt, dass viele der Männer auf dem Bahnhofsvorplatz so enthemmt waren, da sie den Konsum von Alkohol nicht gewohnt sind. Die Übergriffe seien für ihn inakzeptabel und schockierend. FOTO: Jessica Kuschnik
Duisburg. Eine Woche nach den Übergriffen auf Frauen in Köln haben die Behörden erstmals Asylbewerber als Verdächtige bestätigt. Auch Flüchtlinge aus Duisburg sollen nach Köln gereist sein. Asylbewerber fürchten nun, dass man sie mit den mutmaßlichen Tätern in einen Topf wirft. Von Jessica Kuschnik

Die Übergriffe in Köln werden derzeit in ganz Deutschland diskutiert, innnerhalb der Politik, im Café, am Frühstückstisch. Auch in den Flüchtlingsunterkünften sind sie ein wichtiges Thema, denn viele Bewohner fürchten, dass sich ihre Situation nun verschärfen könnte.

"Die meisten Menschen hier sind schockiert über das, was passiert ist", sagt Youssef Chemao von der Duisburger Flüchtlingshilfe "mehr". Einige Asylbewerber fürchteten nun neue Gesetze, die es ihnen erschweren, ihre Familien nachzuholen. 

Wie ein Bundespolizist im ARD-Brennpunkt erklärte, sollen unter den etwa 1000 Männern auf dem Bahnhofsvorplatz in der Silvesternacht auch Flüchtlinge aus dem Raum Duisburg gewesen sein. Das bestätigte der Duisburger Polizeisprecher Ramon van der Maart. Die Polizei habe den Hinweis von einer arabisch sprechenden Frau bekommen, die ihrerseits ein Gespräch unter Bewohnern, die in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof gewesen sein sollen, mitgehört habe.

Azad Khalil (40) aus Syrien fürchtet nun Anfeindungen gegen Flüchtlinge. Ihn stimmen die Ereignisse traurig. Zusammen mit anderen Flüchtlingen überlegt er, was er Gutes tun kann, um das schlechte Bild geradezurücken. FOTO: Jessica Kuschnik

"Wir sind nun mit den Konsequenzen konfrontiert" 

Azad Khalil (40) wohnt in einer Flüchtlingsunterkunft in Duisburg und kann nicht verstehen, wie sich die Männer in Köln so gehen lassen konnten. "Man wirft keinen Schmutz in die Quelle, aus der man trinkt", sagt der Syrer. "Für mich ist es unfassbar, was da passiert ist, und es macht mich sehr traurig."

Aus Angst davor, dass die Flüchtlinge nun allgemein in einem schlechten Licht dastehen könnten, haben er und einige andere aus der Unterkunft besprochen, was sie Gutes tun könnten, um dieses Bild zu revidieren. "Nur weil einige wenige so etwas Schlimmes getan haben, sind jetzt viele mit den Konsequenzen konfrontiert und müssen sich rechtfertigen", sagt er. 

Auch der 34-jährige Abdul Rahem Kabbani lebt in der Duisburger Unterkunft und ist empört. "Das ist inakzeptabel. Wir sind hierher gekommen und müssen daher die Menschen und ihre Sitten respektieren", sagt der Syrer. Das Problem sei einfach die Masse der Menschen, die hierherkommt. "Wären es Tausend, wäre vielleicht einer davon kriminell", sagt Kabbani. Sind es aber Zehntausende, erhöht sich auch die Zahl derer, die Schlechtes im Sinn haben. 

Die Menschen haben ein Recht auf Skepsis 

Dass einige Deutsche nun skeptisch gegenüber den Flüchtlingen sind, kann der 34-Jährige verstehen. "Das ist ihr gutes Recht. Aber die meisten von uns sind gute Menschen." Dass die 1000 Männer in Köln so außer Rand und Band waren, kann er sich nur so erklären: "In unserer Heimat dürfen wir keinen Alkohol trinken. Diese jungen Männer haben Silvester aber getrunken und waren daher sehr betrunken und enthemmt - sie sind das nicht gewohnt und haben einen Fehler gemacht", sagt Kabbani. Die sexuellen Übergriffe hingegen seien schockierend. 

Azad Khalil glaubt, dass die mutmaßlichen Täter von Köln solche waren, die sich schon in ihrer Heimat nicht an die Regeln und Gesetze gehalten haben. "Genau vor dieser Gewalt und Aggression sind die meisten von uns geflohen. Aber manche bringen leider genau diese mit hierher."

Flüchtlingshelfer Youssef Chemao hat noch eine andere Vermutung: "Davon abgesehen, dass viele Flüchtlinge diese Art der Freiheit - zum Beispiel das Trinken von Alkohol - nicht kennen und daher über die Stränge schlagen, gibt es auch welche, die wissen, dass sie abgeschoben werden", erklärt er. Diese Menschen hätten hier nichts zu verlieren und benähmen sich dementsprechend, da sie ohnehin keine Zukunft in Deutschland haben. 

Dass sie damit auch diejenigen in Verruf bringen, die eine Chance haben, in Deutschland heimisch zu werden, macht Kabbani und Khalil wütend und traurig. "Wir erleben hier so viel Gutes", sagt Khalil, und das werde man sich von Kriminellen nicht kaputt machen lassen. 

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