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Übergriffe an Silvester in NRW
1000 Anzeigen in vier Städten

Angriffe auf Ausländer in Köln
Angriffe auf Ausländer in Köln FOTO: dpa, mjh hpl
Düsseldorf/Köln. Ein erster Überblick für NRW knapp drei Wochen nach den Silvester-Übergriffen: In Köln, Düsseldorf, Dortmund und Bielefeld summieren sich die Strafanzeigen bisher auf fast 1000. Laut Innenministerium ist von mehr als 1200 Opfern auszugehen.

Nach massiven Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen geht die Polizei in vier Städten fast 1000 angezeigten Straftaten nach.

Das ergibt sich aus einem Bericht des Innenministeriums mit Zahlen aus Köln, Düsseldorf, Dortmund und Bielefeld, der dem Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags am Donnerstag vorgelegt wird.

Sexualstraftaten, Eigentumsdelikte, Raub, Körperverletzung

Es seien zusammen 1216 Personen als Opfer erfasst (Stand 18. Januar) - nahezu die Hälfte von ihnen als Opfer einer Sexualstraftat. In den vier Großstädten ermittelte die Polizei bisher 52 Tatverdächtige, die überwiegend nicht deutscher Nationalität sind. Über den Bericht hatte die "Bild"-Zeitung zuerst berichtet, er liegt auch der Deutschen Presse-Agentur vor.

In Köln werden derzeit von der 140-köpfigen Ermittlungsgruppe "Neujahr" nach Stand vom 18. Januar 821 angezeigte Straftaten bearbeitet. In 359 Fällen handele es sich um Sexualdelikte. Man habe 1049 Personen als Opfer erfasst, darunter 482 Opfer von Sexualstraftaten. Zudem gehe es um Eigentumsdelikte, Raub und Körperverletzung.

Der Verdacht richtet sich in Köln laut Bericht gegen 30 Personen. "Alle bisher ermittelten Tatverdächtigen sind nichtdeutscher Nationalität." 15 Verdächtige sind laut Bericht Asylbewerber, elf halten sich vermutlich illegal in Deutschland auf, zwei sind minderjährige unbegleitete Flüchtlinge und zwei haben eine Aufenthaltsgenehmigung. Von den 30 Verdächtigen stammen 25 aus Marokko und Algerien. Sieben Personen sitzen in U-Haft.

In Düsseldorf bearbeitet eine Ermittlungskommission "Silvester" (Stand ebenfalls 18. Januar) 113 Straftaten. In 69 Fällen handelt es sich um Sexualdelikte. 113 Personen wurden als Opfer erfasst, darunter 69 als Opfer von Sexualstraftaten. Von neun Verdächtigen stammen acht aus dem Ausland.

Vor allem in der Düsseldorfer Altstadt waren alkoholisierte, aggressive Männer aufgefallen. "Einsatzkräfte stellten ein bisher ungewohntes Phänomen fest, bei dem gezielt Gruppen von jungen Männern mit Migrationshintergrund gar keinen Respekt vor Frauen zeigten und jegliche sozial übliche Distanz unterschritten."

In Dortmund werden derzeit 28 Straftaten bearbeitet, darunter vier Sexualdelikte. Unter 32 Betroffenen sind sieben Opfer einer Sexualstraftat. Tatverdächtig sind neun Personen, davon sieben Ausländer. Auch in der Bielefelder Innenstadt gab es mehrere Einsatz-Anlässe - etwa wegen Randale oder Schlägereien. Erst nach einem Presseaufruf seien Anzeigen erstattet worden. 18 Straftaten - darunter fünf Sexualdelikten - geht die Polizei aktuell nach. 22 Opfer sind erfasst sowie vier Verdächtige aus Marokko und Algerien.

Mit Blick auf die Kölner Exzesse hatte Innenminister Ralf Jäger (SPD) der dortigen Polizeiführung gravierende Fehler vorgeworfen. In dem neuen Bericht heißt es erneut, sie hätte am Silvesterabend schon früh Kräfte nachfordern müssen. Positiv wird angemerkt: "Das Polizeipräsidium hat, nachdem die Dimension des Tatgeschehens durch Strafanzeigen offenkundig wurde, unverzüglich reagiert."

 "Gefahr einer Massenpanik"

Jäger zufolge hat sich das Ausmaß der Übergriffe in Köln für sein Ministerium erst nach einigen Tagen abgezeichnet, nach Medienberichten vom 4. Januar. "Die WE-Meldungen ließen keine Schlüsse auf die heute bekannte Dimension zu."

Gemeint sind vier Meldungen zu Wichtigen Ereignissen (WE) seitens der Polizeibehörden. Drei WE-Meldungen an das NRW-Innenministerium gab es am 1. Januar, eine am 3. Januar - drei davon gingen auch an Jäger und ebenfalls drei an das Bundesinnenministerium.

Die erste WE-Meldung an Neujahr gegen 3.00 Uhr - Jäger hatte diese nicht erhalten - handelte von der "Gefahr einer Massenpanik" und der Räumung des Bahnhofsvorplatzes ohne besondere Vorkommnisse. Die zweite um 14.36 Uhr nannte sexuelle Übergriffe, sprach von elf bekannten Fällen, darunter einer Vergewaltigung.

In der dritten WE um 21.49 Uhr ging es ebenfalls um sexuelle Übergriffe, neue Anzeigen und die Einrichtung einer Ermittlungsgruppe. Eine vierte WE-Info folgte am 3. Januar - über fünf Festnahmen durch die Bundespolizei.

Der Minister hatte am Dienstag Jürgen Mathies (55) als neuen Kölner Polizeipräsidenten vorgestellt, der verlorenes Vertrauen zurückgewinnen soll. Sein Vorgänger Wolfgang Albers war nach heftiger Kritik abberufen worden. Die NRW-Opposition sieht Versagen auf Jägers Seite und hat ihm Rücktritt nahegelegt. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss soll kommen.

(sef/dpa)
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