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NRW
So bereiten sich Schüler auf die Abi-Prüfung vor

Wie Abiturienten den Stress meistern
Wie Abiturienten den Stress meistern FOTO: Endermann
Düsseldorf. Mehr als 95.000 Schüler lernen seit Wochen für die Abiturprüfungen. Fünf Schüler erzählen von ihren Vorbereitungen, einem Plan B für Mathe und ihren Plänen für die Zukunft. Von Jessica Kuschnik, Simon Janssen

Sammy Arab sieht die Wände seines Zimmers vor lauter Abitur nicht mehr. Denn an ihnen reiht sich ein Plakat an das nächste – elf insgesamt, jedes 59,4 mal 84,1 Zentimeter groß. Das sind fast 5,5 Quadratmeter geballte Geschichte. Die Plakate sind überdimensionale Lernkarten mit geschichtlichen Daten der vergangenen 200 Jahre. "Sie sind chronologisch angeordnet. Mein Lernpartner und ich fragen uns damit ab. Einer von uns hat die Augen verbunden, der andere stellt Fragen – es ist fast wie in einer Quizshow", erklärt der 18-Jährige.

Sammy und sein Lernpartner Ferdinand Wagner (18) nehmen die Abivorbereitungen trotz strengen Lernplans locker. "Wir fühlen uns gewappnet", sagt Sammy. Kein Wunder: Seit Wochen wacht er jeden Morgen mit Blick auf die Geschichtsplakate auf – alleine dadurch ist so einiges hängengeblieben. Dass Sammy und Ferdinand es bis zu den Abiturprüfungen schaffen und diese auch ablegen würden, stand für beide nie außer Frage. "Ich komme aus einer Akademikerfamilie und wurde mein ganzes Leben darauf vorbereitet", sagt Ferdinand. Dass er aus diesem Wunsch-Lebenslauf der Eltern hätte ausbrechen können, beweist sein jüngerer Bruder. "Der ist in der zehnten Klasse und möchte jetzt eine Ausbildung zum Schreiner machen – obwohl er eigentlich sogar besser in der Schule ist als ich", sagt Ferdinand. Seine Eltern nehmen es gelassen. "Wir sollen in unserem Leben tun, was uns Spaß macht."

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Das Abitur war immer das Ziel

Auch für Sammy war das Abi schon immer das Ziel. Er kommt aus einer Migrantenfamilie, seine Eltern stammen aus Syrien. "Sie sind sehr erfolgsorientiert, haben ihr Abitur nachgeholt, hier eine Firma aufgebaut", erzählt der Schüler. Damit die Eltern stolz sein können, wird jetzt noch mal ordentlich gepaukt. Bis auf Kleinigkeiten sitzt der Lernstoff bei den Düsseldorfer Görres-Gymnasiasten. Seit den Vor-Abi-Klausuren sind sie ein unzertrennliches Team, lernen täglich bis zu acht Stunden und sind dabei erstaunlich diszipliniert. "Das schöne Wetter kann uns jetzt nicht mehr ablenken. Wir sind in unserem Lerntunnel. Jetzt heißt es durchhalten", sagt Sammy.

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Zum Glück hält sich die Ablenkung in Grenzen, denn die meisten ihrer Freunde stecken ebenfalls in den Abivorbereitungen. Alle sind im "Abimodus", wie Sammy es nennt. Klar trifft man sich noch – "aber das eher auf die Schnelle. Man geht kurz etwas essen und ist dabei sehr effizient", sagt er und lacht. Jeden Tag ziehen Sammy und Ferdinand ihr Lernpensum durch. Erstaunlicherweise gehen sie sich noch nicht auf die Nerven. Schon vor der heißen Lernphase waren sie gut befreundet. Und dann habe man festgestellt, dass man auch beim Lernen auf einer Wellenlänge liegt. So schaffen sie es, trotz weniger Freizeit ihrem Hobby nachzugehen: dem Kraftsport. Klar wird auch die Hantelbank zum heißen Stuhl und der Geschichtsstoff gepaukt. "Die Lernphase hat uns zusammengeschweißt. Es ist nicht so, dass wir nach den Prüfungen dringend Urlaub voneinander brauchen", sagen die Düsseldorfer.

Nach dem Abi ruft die Welt

Urlaub ist ihre Motivation. Wenn Geschichte, Englisch, Mathe und Deutsch vom Tisch sind, wollen sie in die Welt hinaus – natürlich gemeinsam. "Dann steht erst einmal Urlaub an. Wir haben schon so halb konkrete Pläne", meint Sammy. Die Belohnung hat er sich dann auch verdient, schließlich peilt er einen guten Einser-Schnitt an, mit dem er ab dem Herbst BWL studieren kann. Ferdinand will Jura studieren. Druck lassen die beiden kurz vor den Tests nicht aufkommen. "Durch die Vor-Abi-Prüfungen haben wir einen guten Eindruck von unseren Leistungen. Das wird schon."

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Phil Brüggemann hat sein Ziel klar definiert. "Bei meinem letzten Zeugnis hatte ich einen Notendurchschnitt von 1,6 – für das Abitur will ich einen 1,5er-Schnitt erreichen", verrät der 18-Jährige, der das Otto-Hahn-Gymnasium in Dinslaken besucht.

Anstrengende Wochen liegen hinter und vor Phil Brüggemann: "Bisher habe ich hauptsächlich Sozialwissenschaften gelernt, da gibt es drei große Themenkomplexe." In den vergangenen beiden Jahren habe er den Unterrichtsstoff jedoch gut zusammengefasst, deshalb fühlt er sich gewappnet für die Prüfung in seinem Lieblingsfach "Sowi". Morgen steht zunächst die Klausur in seinem zweiten Leistungskurs Deutsch auf dem Programm. Um sich den Stoff einzuprägen, beschäftigte sich der 18-Jährige intensiv mit der Zusammenfassung der Themen. Nach dem schriftlichen Teil folgt im Mai schließlich die mündliche Prüfung in Spanisch. "Zum Glück liegen dazwischen erst mal ein paar Wochen Pause", sagt Phil Brüggemann.

Gute Vorbereitung dämpft Nervosität

Die gute Vorbereitung dämpft seine Nervosität. "Ich habe das Gefühl, dass es gut klappen wird. Nur in Mathe, meinem dritten Abiturfach, bräuchte ich vielleicht einen Notfallplan – da kann man die Aufgaben ja nicht auswählen", sagt Phil Brüggemann, der bereits Zukunftspläne geschmiedet hat: "Ich möchte auf jeden Fall studieren. Aktuell ist BWL mein Favorit."

Einschulung mit fünf Jahren, die Grundschule im Schnelldurchlauf absolviert – nun das Abitur mit gerade einmal 16 Jahren? Viel früher als Greta Beckers kann man die allgemeine Hochschulreife wohl nicht erlangen. Dennoch blickt die Schülerin des Cornelius-Burg-Gymnasiums in Erkelenz den anstehenden Prüfungen völlig gelassen entgegen.

Bei den Vorbereitungen für die Klausuren in den Fächern Sozialwissenschaften und Deutsch (Leistungskurse) sowie Biologie verlässt sich die Wassenbergerin nicht allein auf die Materialien aus dem Unterricht, sondern besorgt sich zu den jeweiligen Themen zusätzliche Bücher. "Ich schreibe Zusammenfassungen, lese sie mir durch, und dann sind sie in meinem Kopf", erklärt Greta Beckers – los geht's am morgigen Dienstag mit der Deutschklausur.

Lediglich die schriftliche Prüfung in Sozialwissenschaften, die am Freitag ansteht, bereitet ihr Sorgen. "Da gibt es sehr viele Themen, da kommt man manchmal ein bisschen durcheinander", sagt Greta Beckers. Die Vorbereitungen auf die mündliche Prüfung in Englisch fallen da wesentlich leichter – schließlich ist das ihr Lieblingsfach. Doch was kommt nach dem Turbo-Abitur? "Erstmal arbeite ich in der Praxis meiner Mutter als Aushilfe, dann möchte ich entweder International Business in Köln oder Medizin studieren", verrät die 16-Jährige.

Allein oder in der Gruppe lernen?

Wenn es ums Lernen geht, dann ist Sirin Seydo eher Einzelgängerin. "Für mich klappt das so einfach viel besser als in der Gruppe", sagt die 18-Jährige aus Remscheid. Als erstes wird sie in Pädagogik geprüft. Den Lernstoff hat sie auf Karteikarten zusammengefasst – und die sind inzwischen ihr ständiger Begleiter. "Ich muss mir für das Fach massenhaft Theorie eintrichtern. Selbst wenn ich unterwegs bin, kann ich so immer mal wieder einen Blick in die Karten werfen", erklärt die Albert-Einstein-Gesamtschülerin.

Kurz vor der Prüfung lernt sie fast sieben Stunden am Tag – auch wenn sie sich gerne mal vom guten Wetter ablenken lässt. Das muss aber auch sein, sagt sie: "Zwischendurch muss man abschalten können, sonst klappt das mit dem Lernen nicht." Stressen lässt sie sich nicht. "Ich hab noch nicht alles perfekt drauf, fühle mich aber gut vorbereitet. In der Mathe-Nachhilfe gehe ich den Stoff noch mal durch. Das hilft", sagt die Abiturientin. Zu Beginn der 13. Klasse dachte sie, sie müsse unbedingt einen Einser-Schnitt haben. "Aber inzwischen freut man sich einfach darauf, dass es bald vorbei ist. Mein Limit ist jetzt eine 2,2." Nach den Prüfungen – neben Pädagogik und Mathe stehen noch Englisch und Spanisch auf dem Plan – will Sirin Grundschullehramt studieren. "Aber erst einmal geht es mit einer Freundin nach Berlin."

Quelle: RP
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