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Welle der Solidarität
So helfen die Menschen in NRW Flüchtlingen

Die Notunterkunft Achterrathsfeldschule in Moers
Die Notunterkunft Achterrathsfeldschule in Moers FOTO: Dieker, Klaus
Düsseldorf. Bundesweit sind die Attacken auf Asylbewerberheime gestiegen, seitdem die Zahl der Flüchtlinge zugenommen hat. Doch es gibt auch eine enorme Welle der Hilfsbereitschaft für die Neuankömmlinge – auch in NRW. Von Dana Schülbe

Der Flüchtlingsstrom stellt Kommunen und Ehrenamtliche vor große Herausforderungen. Händeringend wird vielerorts nach Unterbringungsmöglichkeiten gesucht, Erstaufnahmestationen sind mitunter überfüllt und müssen geschlossen werden – wie das Beispiel Dortmund zeigt.

Zudem wächst die Sorge vor einem zunehmenden Rassismus, denn seit immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen, werden Asylbewerberheime häufiger Ziele von Attacken. Zuletzt waren am Sonntag in Dresden Steine auf ein ehemaliges Hotel geflogen, das zu einer solchen Unterkunft umgebaut worden war. 

Fotos: So werden die 150 neuen Flüchtlinge untergebracht FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen

Auch in NRW ist die rechtsextremistische Kriminalität gegen Flüchtlingsunterkünfte gestiegen, von "unter 30" im vergangenen Jahr auf 30 bereits im ersten Halbjahr 2015.

Doch es gibt auch eine enorme Welle der Hilfsbereitschaft für die Menschen, die etwa aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan nach Deutschland kommen. Das zeigen auch viele Beispiele allein aus den vergangenen Tagen aus der Region.

2014: So viele Flüchtlinge sind in NRW-Einrichtungen untergebracht

So hatte es etwa die Stadt Viersen dank vieler Helfer geschafft, innerhalb von zwei Tagen eine Unterkunft für 150 Flüchtlinge zu schaffen. Eine Turnhalle war eigens dafür umgebaut worden. In der Stadt hatte zudem die Pfarrgemeinde St. Remigius das Pfarrhaus im Ortsteil Hamm renoviert, damit dort Flüchtlinge wohnen können. Und in der Kempener Propsteigemeinde führen Ehrenamtliche Deutschkurse durch oder organisieren eine Kinderbetreuung.

In Hamminkeln hatte sich eine Gruppe dazu entschlossen, im Internet Aufklärungsarbeit zum Thema Flüchtlingshilfe zu leisten und ihre Stimme gegen rassistische Einträge bei Facebook zu erheben. Daraus resultierte letztlich die Gründung der Interessengemeinschaft "Stadt Hamminkeln bleibt bunt", die schon mehr als 700 Mitglieder hat.

So leben Flüchtlinge im Geisterdorf Manheim FOTO: dpa, obe

In Duisburg-Neumühl wiederum hatte Pater Tobias angekündigt, Asylbewerber mit zum Lauftraining zu nehmen. In Solingen entstand ein Netzwerk, das Paten vermittelt, die etwa Deutschkurse, Hausaufgabenhilfe oder Hilfe im Alltag für Flüchtlingsfamilien anbieten. In Kevelaer wurde ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem Flüchtlinge und Kevelaerer gemeinsam einen großen Garten bewirtschaften. Und im Düsseldorfer Stadtteil Hassels engagieren sich Bürger für Flüchtlinge in der Diakonie, organisierten etwa ein Sommerfest für sie.

Auch in Sachen Unterkünfte gibt es vielerorts Unterstützung. So kam in einem leerstehende Pfarrhaus in Leverkusen eine Familie in Afghanistan unter, in Paderborn teilt der 61-jährige Willi Ernst seine Wohnung mit einer sechsköpfigen Familie aus Syrien.

Das sind nur einige Beispiel für viele mehr. Daneben gibt es auch immer wieder Sachspenden, wenn eine neue Flüchtlingsunterkunft – egal wo in NRW – eingerichtet wird. So sagte auch der Flüchtlingsrat NRW der Nachrichtenagentur dpa, dass in den vergangenen zwei Jahren Willkommensinitiativen und Unterstützergruppen wie Pilze aus dem Boden geschossen seien. "Wir in NRW haben keine Angst vor Überfremdung", so Geschäftsführerin Birgit Naujoks. 

Wie Sie persönlich Flüchtlingen in der Region helfen können, lesen Sie hier. 

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