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Klima-Gipfel
Staatschefs, Wissenschaftler, Aktivisten - die Welt zu Gast in Bonn

Aktivisten demonstrieren gegen Weltklimagipfel in Bonn
Aktivisten demonstrieren gegen Weltklimagipfel in Bonn FOTO: afp
Bonn. Zwei Jahre, nachdem das Pariser Klimaabkommen bejubelt wurde, wird nun in Bonn weiter verhandelt: Mehr als 23.000 Menschen aus 197 Ländern treffen sich ab Montag in Bonn, um den Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen voranzutreiben.

Es wird die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es je auf deutschem Boden gab. Mit dem Weltklimagipfel in Bonn die Klimadiplomatie wieder in den Mühen der Ebene angekommen - und nimmt vom 6. bis 17. November Anlauf für den nächsten wichtigen Schritt.

  • Wer trifft sich in Bonn?

Neben Klimapolitikern, Wissenschaftlern und Aktivisten kommen auch Staats- und Regierungschefs - und einige Promis. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich angekündigt, Kanzlerin Angela Merkel ebenfalls. Schauspieler Leonardo DiCaprio, der sich schon lange für Klimaschutz stark macht, soll ebenso vorbei schauen wie der US-Politiker und Friedensnobelpreisträger Al Gore. Der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, wird auch erwartet. Klimaschützer sehen ihn als wichtigen Gegenspieler von US-Präsident Donald Trump im Kampf gegen die Erderwärmung. Auch Browns Vorgänger wird dabei sein, der in Deutschland noch viel bekannter ist: Arnold Schwarzenegger.

  • Warum eigentlich Bonn, wenn doch Fidschi den Vorsitz hat?

Normalerweise treffen die Klimadiplomaten sich in dem Land, das auch den Vorsitz hat. Einem Rotationsprinzip zufolge war diesmal ein Land aus Asien dran. Fidschi übernimmt die Präsidentschaft - erstmals eine Inselgruppe im Pazifik, die vom Klimawandel bedroht ist, das gilt als wichtiges Signal. Allerdings wäre es schwierig für Fidschi geworden, die Konferenz auch auszurichten. Daher springt Deutschland als "technischer Gastgeber" ein. Das Sekretariat der Klimarahmenkonvention sitzt nämlich in Bonn. 2001 wurde schon mal in Bonn getagt. Und die erste Weltklimakonferenz 1995 fand in Berlin statt. Gastgeberin war die Bundesumweltministerin - die hieß damals Angela Merkel.

  • Das Klimaabkommen gibt es doch seit zwei Jahren, was ist noch zu tun?

Die Einigung auf das Abkommen war 2015 in Paris ein riesiger Durchbruch, inzwischen haben 169 Parteien es ratifiziert. Deutschland ist dabei, die EU auch. Aber das Entscheidende ist die Umsetzung. Und wie die im Detail laufen soll, ist noch nicht klar. Grundsätzlich haben die Staaten eigene Ziele zur Treibhausgas-Minderung zugesagt. In einem Zyklus von fünf Jahren sollen deren Klimaschutzwirkungen überprüft und die Zusagen immer ehrgeiziger werden. Wichtig ist aber auch die Anpassung an den Klimawandel und der Umgang mit Schäden, die etwa steigende Meeresspiegel und Extremwetter anrichten.

  • Bisher reichen die Ziele der Staaten also nicht aus?

Nein. Das Ziel das Pariser Abkommens ist, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad einzudämmen. Schon diese begrenzte Erwärmung wird Experten zufolge deutlich spürbar sein - Dürren und Starkregen häufen sich, die Meeresspiegel steigen, das "ewige" Eis schmilzt ab. Aber: Selbst bei Einhaltung aller bisher von den Ländern vorgelegten Klimaschutzzusagen wird sich die Erdtemperatur laut UN-Umweltprogramm um mindestens drei Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erhöhen. Da muss also noch viel passieren.

  • Was genau soll in Bonn also passieren?

Die Politiker müssen sich auf ein Regelwerk einigen, das die nationalen Klimaziele vergleichbar und überprüfbar macht. Ein Erfolg wäre aus Sicht von Klimaschützern, wenn nach der Konferenz ein Entwurf vorliegt - auch wenn es von umstrittenen Passagen noch mehrere Versionen geben dürfte. Ein Problem wäre laut Experte Jan Kowalzig von Oxfam dagegen, wenn es gar nichts Schriftliches gibt, da der Zeitdruck dann zunähme. Denn 2018 beginnt der erste "Überprüfungsdialog", um zu sehen, ob die Staaten auf dem richtigen Weg sind. Umstritten ist zum Beispiel, welche Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern gemacht werden.

  • Hat das auch was mit den Sondierungsgesprächen in Berlin zu tun?

Offiziell nicht - aber das Timing ist natürlich bemerkenswert.
Zwischen Union, FDP und Grünen, die über eine Jamaika-Koalition reden, gehört der Klimaschutz zu den umstrittensten Themen. Steigt Deutschland aus der Kohle aus, wie und bis wann? Gehören Benzin- und Dieselmotoren bald der Geschichte an? Die Grünen hoffen auf Rückenwind aus Bonn für die Verhandlungen. Die scheidende Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kann nochmal richtig Politik machen, fast schon von der Oppositionsbank aus - und Kanzlerin Merkel dürfte daran gelegen sein, auf dem Bonner Parkett gut dazustehen.

  • Was soll eigentlich diese Abkürzung COP?

COP steht für Conference of the Parties und meint die Zusammenkunft der Staaten, die die UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel (UNFCCC)
unterzeichnet und ratifiziert haben.

  • Was sagen Kritiker?

Tausende Menschen demonstrierten am Samstag für den Ausstieg aus der Kohleenergie. Laut Veranstalter kamen etwa 25.000 Demonstranten zu einem Protestzug durch Bonn, bei der Abschlusskundgebung forderten Redner ein Klimaschutzgesetz und einen verbindlichen Fahrplan für das Ende der Kohleverstromung. "Von der Bundesregierung erwarten wir, dass sie das Pariser Klimaschutzabkommen endlich wirkungsvoll umsetzt", erklärten die Organisatoren. "Die dreckigste Hälfte der Kohlekraftwerke muss in wenigen Jahren abgeschaltet sein, denn Klimaschutz entscheidet sich am Kohleausstieg." Unterstützt wurde der Protest unter dem Motto "Klima schützen - Kohle stoppen" von über hundert Umweltschutz- und Bürgerrechtsgruppierungen sowie von kirchlichen Organisationen und Entwicklungsverbänden. Zum Trägerkreis zählen unter anderem Campact, BUND, Greenpeace, Misereor, Brot für die Welt, WWF und Oxfam.

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(vek/dpa/AFP)
 
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