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Uneinsichtiger Geschäftsführer
Nato-Draht soll Flüchtlinge in Schwerte fernhalten - Stadt reagiert

Stadt Schwerte schützt Flüchtlinge mit Zaun vor Nato-Draht
Der Geschäftsführer eines Stahlunternehmens möchte nicht, dass Flüchtlinge auf seinem Grundstück telefonieren - und hat einen Zaun errichtet.(Symbolfoto) FOTO: dpa
Düsseldorf. Weil ein Stahlunternehmen in Schwerte sein Grundstück mit Nato-Draht vor Asylbewerbern schützt, hat die Stadt nun reagiert: Sie hat einen Bauzaun davorgestellt – wegen Verletzungsgefahr.

Ein Zaun soll normalerweise Menschen davon abhalten, ein Grundstück zu betreten. Dieser Zaun allerdings soll sie vor einem weiteren Zaun schützen. Am Donnerstag ließ die Stadt Schwerte einen Bauzaun errichten, damit sich niemand am Nato-Draht verletzt, den der Geschäftsführer eines Stahlunternehmens dort angebracht hatte – um die benachbarten Flüchtlinge daran zu hindern, das Gelände zu betreten.

20 Flüchtlinge leben in einem Gebäude in einem Schwerter Gewerbegebiet. Die Stadt hatte das Grundstück Anfang des Jahres genau deshalb vom Stahlunternehmen gekauft – nicht aber ein dazugehöriges kleines Grundstück mit Garage und Carport. Dort hielten sich zuletzt regelmäßig Flüchtlinge auf. Grund: In der Unterkunft gibt es kein WLAN, auf benachbarten Grundstück der Firma ist der Handy-Empfang besser.

Wie die "Ruhrnachrichten" berichten, versuchte einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens zuerst, den Bewohnern das Betreten des ungenutzten Grundstücks zu verbieten. Als das nicht half, ließ er ein Gestell mit Nato-Draht errichten. Mit rasiermesserscharfen Klingen. Als der Hausmeister der Unterkunft das Gerüst entdeckte, informierte er die Stadt. "So etwas haben wir noch nicht erlebt. Das kann hier wirklich niemand glauben", sagte Jutta Pentling von der Stadt Schwerte zu "Focus Online". Weil der Nato-Draht für Verletzungen sorgen kann, bot die Stadt dem Geschäftsführer an, einen gewöhnlichen Zaun zu errichten. Das aber lehnte der ab.

Zunächst spannte die Stadt vor dem Draht ein Flatterband, nun hat sie Bauzäune aufgestellt, die verhindern sollen, dass jemand zu Schaden kommt. Sie prüft außerdem, auf welchem Weg sich der Draht entfernen lässt.

Vielleicht wird das nicht mehr nötig sein. Gegenüber der "Bild"-Zeitung sagte ein Gesellschafter der Firma: "Das wird natürlich auf der nächsten Versammlung besprochen. Sie können zu 95 Prozent davon ausgehen, dass der Zaun anschließend verschwunden ist.”

(seda)
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