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Autobahnen in Bahnen
Dauerstau bis Weihnachten möglich

Tipps zum Überleben im Düsseldorfer Stau
Tipps zum Überleben im Düsseldorfer Stau FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Am zweiten Tag in Folge hat sich der Verkehr auf den NRW-Autobahnen auf Rekordlänge gestaut. 66 Staus auf 450 Kilometern hatten sich im morgendlichen Berufsverkehr gebildet. Doch daran ist nicht nur das Wetter schuld. Von Leslie Brook, Franziska Hein und Beate Wyglenda

Auf den Autobahnen rund um Düsseldorf ging am Dienstagmorgen nichts mehr. Zur Stoßzeit um 9 Uhr staute sich der Verkehr auf 450 Kilometer Länge. 66 Staus zählte die WDR-Verkehrsredaktion im Land. Besonders viel Geduld mussten die Autofahrer auf der A 46 in Richtung Düsseldorf, der A 57 nach Krefeld und der A 59 Richtung Köln bei Staus von jeweils mehr als zehn Kilometern mitbringen. Der längste Stau reichte sogar quer durchs Ruhrgebiet: Auf der A 40 war stundenlang auf 30 Kilometern zwischen dem Kreuz Bochum und Mülheim alles dicht - dort hatten sich mehrere Unfälle ereignet.

Doch nicht immer waren laut Verkehrsexperten Unfälle oder Baustellen an dem Stauchaos schuld. Teils reichten auch die herbstlichen Wetterbedingungen, damit der Verkehr ins Stocken und dann teils zum Erliegen kam. Schlechte Sicht verursacht durch Dunkelheit, Nässe und beschlagene Scheiben führen zu zögerlichem Fahrverhalten. Abstände werden vergrößert, es wird früher gebremst. "Es gibt jedes Jahr so eine Phase, ein paar Tage, in denen sich die Leute in NRW an die neue Situation gewöhnen müssen", sagt WDR-Verkehrsexperte Frank Schewe. "Wenn man so will, ist das der verkehrliche Herbstbeginn." Der falle je nach Wetterlage auch mal auf Ende Oktober oder sogar Ende November. Hinzu komme, dass es auf den Straßen seit dem Ende der Herbstferien wieder richtig voll ist.

Bereits am Vortag hatte es auf den Autobahnen und in den Innenstädten zu Spitzenzeiten rund 350 Kilometer Stau gegeben. "Es waren viele kleine Nadelstiche, die in der Gesamtheit großes Chaos hervorriefen", sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei dazu. "Die Autobahnen sind einfach sehr voll, da reicht schon eine Kleinigkeit, um Stau zu erzeugen", sagte Bernd Löchter von Straßen NRW. Doch dies wurde noch mal getoppt. "Das ist sogar für einen Herbstbeginn außerordentlich viel", meint Schewe. Dabei sei nicht die Zahl der Staus entscheidend, die mit 60 bis 70 pro Tag im für diese Zeit normalen Bereich liegen, sondern die Gesamtlänge habe extrem zugenommen.

Neun kuriose Gründe für Staus FOTO: dpa, Jürgen Mahnke

Und das kann an verkehrsstarken Tagen auch bis kurz vor Weihnachten so bleiben, sagt ein Düsseldorfer Polizeisprecher. Sobald die erste Glätte oder die ersten Flocken kommen, werde sich die Stau- und Unfallgefahr auf den Straßen weiter erhöhen, meint auch Bernd Löchter von Straßen NRW. Autofahrer verlernten über das Jahr, wie sie auf rutschigen oder glatten Fahrbahnen zurechtkommen.

Unsicherheit ist laut Verkehrsexperten das größte Problem. Fahrer hielten sich zurück, warteten länger und ließen größere Lücken. Der Spurwechsel klappe nicht immer zügig, Autos stünden quer, weil sie einscheren wollen. Das alles führe dazu, dass der Verkehr langsamer durch die Knotenpunkte rolle und der Stau entsprechend länger werde. An den verkehrsträchtigsten Tagen der Woche - Montag und Dienstag - merke man das deutlich.

In Düsseldorf ist das Verkehrsaufkommen besonders hoch, da neben Berufspendlern derzeit auch Tausende Messebesucher in der Stadt sind. "Dadurch verlängert sich die Rushhour", sagt der Polizeisprecher. Denn die Pendler sind bis 8.30 Uhr im Büro, die Messebesucher fahren zwischen 9 und 11 Uhr.

Warum sich so viele Unfälle und Staus ereignet haben, kann der Sprecher nur vermuten: "Viele sind zuletzt bei noch relativ guten Lichtverhältnissen und trockenem Wetter in den Urlaub gestartet und sitzen nun bei anderen Verhältnissen auf dem Weg zur Arbeit wieder im Auto."

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