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"Runder Tisch Prostitution"
NRW lehnt Kondompflicht und Anmeldepflicht für Prostituierte ab

Rotlicht-Report 2013 in NRW: Die Fakten
Rotlicht-Report 2013 in NRW: Die Fakten FOTO: dapd, dapd
Düsseldorf. Die Lebensumstände der Prostituierten in Deutschland sollen verbessert, die Frauen in ihren Rechten gestärkt und besser vor Ausbeutung geschützt werden. Das fordert der "Runde Tisch Prostitution" in NRW nach vierjähriger Arbeit in seinem Abschlussbericht.

Nötig sei eine Regulierung von Bordellen und bordellähnlichen Betrieben, um Mindeststandards bei Hygiene und Arbeitsbedingungen sicherzustellen, sagte die Leiterin des Gremiums, Claudia Zimmermann-Schwartz, am Mittwoch in Düsseldorf. Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) betonte, Prostitution sei kein Beruf wie jeder andere. Sie müsse aber unter Rahmenbedingungen stattfinden, die es den Frauen erlaube, so selbstbestimmt wie möglich zu arbeiten.

In Berlin erarbeitet die große Koalition derzeit eine Reform des umstrittenen Prostitutionsgesetzes von 2002. Im Mittelpunkt der geplanten Neuregelung stehen der Schutz der Prostituierten vor Gewalt, Ausbeutung durch Zuhälter und Menschenhandel und der Erhalt ihrer Gesundheit. Der Runde Tisch in Nordrhein-Westfalen - mit Vertretern von Ministerien, Beratungsstellen, Kommunen, Landeskriminalamt und Prostituierten - will Impulse für die Bundesreform geben.

Die im Bund derzeit geprüfte Anmeldepflicht für Prostituierte lehnt NRW ebenso ab wie eine Heraufsetzung des Mindestalters auf 21 Jahre. Auch eine Kondompflicht hält der Runde Tisch für nicht überwachbar und daher nicht sinnvoll, plädiert aber für ein Werbeverbot für ungeschützten Sex.

"Sanktionen und Erlaubnispflicht"

Steffens sagte, wichtig seien eine Erlaubnispflicht für Bordellbetreiber, aber auch Sanktionen bis hin zu einem Gewerbeverbot, wenn Betreiber ihre Pflichten nicht erfüllten. Insgesamt setze NRW allerdings weniger auf Restriktionen, sondern auf eine Stärkung der Prostituierten, die häufig unter prekären und ausbeuterischen Bedingungen tätig seien. Die gesundheitliche Lage vieler Frauen nannte sie besorgniserregend.

Der Runde Tisch habe keine Hinweise dafür, dass - wie häufig berichtet - der Menschenhandel mit dem rot-grünen Gesetz von 2002 zugenommen habe, erläuterte Zimmermann-Schwartz aus dem NRW-Gesundheitsministerium. Allerdings sei der Markt "ohne jede soziale Grenzen" und unreguliert freigegeben worden. Das habe auch zu unhaltbaren und unwürdigen Zuständen geführt - etwa zu Großbordellen, in denen Busladungen von Freiern auf nur wenige Prostituierte träfen und sich Betreiber eine "goldene Nase" verdienten. Auswüchse wie Flatrate-Bordelle dürfe es nicht geben.

Die Zahl der Prostituierten lasse sich schwer ermitteln und liege im bevölkerungsreichsten Bundesland Schätzungen zufolge zwischen 25.000 und 45.000. Deutschlandweit wird die Zahl der Prostituierten auf rund 400.000 geschätzt, es gibt aber auch weitaus höhere und niedrigere Annahmen. Der Straßenstrich mache etwa zehn Prozent des Gewerbes in NRW aus. Zu mehr als 50 Prozent finde Prostitution in privaten Wohnungen statt. Das Internet spielt laut Bericht bei Werbung, Anbahnung, Vermittlung und Angebot eine wachsende Rolle.

Um die große Zahl von Frauen aus Osteuropa für die Angebote der Beratung und Gesundheitsvorsorge zu erreichen, fördert NRW ein App-Projekt einer Bochumer Beratungsstelle. Ein GPS-Wegweiser soll die Prostituierten via Handy zu wichtigen Anlaufstellen lotsen, auch eine Kurzberatung im Chat ist geplant - bis Jahresende in Sprachen wie Bulgarisch, Rumänisch oder Englisch.

(lnw)
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