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Jülich
Störfall in Atomreaktor in Jülich jahrelang vertuscht

Hintergrund: Die NRW-Atomanlagen
Hintergrund: Die NRW-Atomanlagen FOTO: dapd
Jülich. Eine Expertenkommission, die vom Forschungszentrum Jülich kommt zu dem Ergebnis, dass ein Störfall aus dem Jahr 1978 vertuscht wurde. Laut eines Zeitungsberichts wurde wurde die Kommission eingesetzt, um die Vergangenheit des ehemaligen Versuchsreaktors aufzuarbeiten.

Eine Expertenkommission hat zahlreiche Fehler beim Betrieb eines heute stillgelegten Reaktors im Forschungszentrum Jülich bei Aachen festgestellt. Unter anderem seien Zwischenfälle gar nicht oder in einer zu niedrigen Sicherheitskategorie an die zuständige Aufsichtsbehörde gemeldet worden, heißt es in dem am Samstag veröffentlichten Bericht. Zuvor hatte bereits die "Aachener Zeitung" und "Aachener Nachrichten" aus dem Bericht zitiert.

Von einer gesundheitlichen Gefährdung der Bevölkerung durch Störfälle in der Anlage sei nicht auszugehen, erklärten die Experten. Die Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor hatte die Anlage von 1967 bis 1988 betrieben. Im Jahr 1978 waren bei einem Zwischenfall 27.000 Liter Wasser in den inneren Teil des Reaktors eingedrungen. Erst sechs Tage nach Störfallbeginn hatte das Personal den Reaktor heruntergefahren. Auch hatten die Techniker einen Sicherheitsschalter für eine Schnellabschaltung so umgestellt, dass dieser unwirksam wurde.

Die Einstufung dieses Vorfalls in die niedrigste Meldekategorie N ("geringe sicherheitstechnische Bedeutung") sei nicht sachgerecht gewesen, schreiben die Experten. Der Vorfall hätte zumindest in die Kategorie B, wenn nicht die höchste Kategorie A ("sicherheitstechnisch unmittelbar signifikanter Störfall") eingestuft werden müssen. Daneben wurde der Reaktorkern laut Bericht zeitweise mit überhöhten Temperaturen betrieben, ohne dass dies erkannt worden sei.

Vor diesem Hintergrund rügten die Wissenschaftler die geringe Zahl der Temperaturmessungen als "nicht nachvollziehbar". Zwischen 1970 und 1986 war die Temperatur nur dreimal detailliert gemessen worden. Das Forschungszentrum Jülich und die Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor hatten 2011 eine Expertengruppe damit beauftragt, die Geschichte des Reaktors aufzuarbeiten. Der Bericht der Experten zeige, dass es in der Vergangenheit gravierende Fehler und Versäumnisse gegeben habe, erklärte das Forschungszentrum in einer Mitteilung. "Dies bedauern wir ausdrücklich", heißt es darin.

(ots)
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