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Streit im Sauerland vertagt
Wisent-Herde darf vorerst bleiben

Streit im Sauerland vertagt: Wisent-Herde darf vorerst bleiben
Die freilebende Wisent-Herde könnte bald wieder verschwinden. FOTO: dpa, mb vbm
Bad Berleburg/Schmallenberg. Weil eine Wisentkuh im Mai eine Wanderin verletzt haben soll, will der Landrat des Hochsauerlandkreises die Tiere aus seinem Kreisgebiet verbannen. Eine Frist, die er dem Trägerverein gesetzt hat, ist jetzt verstrichen – ohne Ergebnis. Denn im September steht das Thema Wisente ohnehin vor Gericht. Von Jessica Kuschnik

Seit Beginn des Auswilderungsprojektes sind die Wisente, die durch die Wälder des Hochsauerlandkreises und des Kreises Siegen-Wittgenstein streifen, ein Streitthema. Erst waren es die Waldbauern, die gegen den Trägerverein klagten, weil die Tiere deren Bäume beschädigt hatten. Nun ist es der Landrat des Hochsauerlandkreises, der will, dass die Europäischen Büffel verschwinden.

Der Landrat Karl Schneider spricht von einer "akuten Gefährdungslage" durch die Tiere. Der Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, Andreas Müller, hingegen verteidigt das Projekt. Vor vier Wochen traf man sich zum klärenden Gespräch. Schneider setzte dem Trägerverein ein Ultimatum: Bis Mitte Juli solle es Lösungsvorschläge wie etwa einen Zaun geben, ansonsten müsse das Projekt eingestellt werden. Doch dieses Ultimatum ist jetzt erst einmal vom Tisch. 

Der Grund des Streites: Im Mai hatte eine Wisentkuh eine Wanderin verletzt. Das Tier hatte die Frau in ein Gebüsch gestoßen. Die Neusserin erlitt nach eigenen Aussagen Prellungen und Schürfwunden. Ursache war wohl der Beschützerinstinkt der Wisentkuh, bei der sich möglicherweise Jungtiere aufgehalten haben.  

Vertragspartner wollen Gerichtsentscheidung abwarten

Doch auch vier Wochen später ist man von einer Lösung noch weit entfernt. "Das Ultimatum ist vom Tisch", sagt Michael Emmrich, Sprecher des zuständigen Trägervereins, der für die Wisent-Herde verantwortlich ist. Die Vertragspartner des Wisent-Projektes wollten zunächst die Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm im September abwarten. Anfang Juni hatte das Landgericht Arnsberg entschieden, dass der Trägerverein "geeignete Maßnahmen" ergreifen müsse, um die Tiere von den Grundstücken der Waldbauern fernzuhalten. Gegen dieses Urteil hat der Verein Revision eingelegt. Jetzt muss das OLG entscheiden.

Tierische Rückkehrer in NRW FOTO: Uli Stadler nabu

Die Entscheidung ist insoweit relevant für den Streit zwischen den Landräten, als dass es auch um die Frage gehen könnte, ob die Tiere als herrenlos eingestuft werden. "Wenn dem so ist, dann gelten sie als wilde Tiere wie auch Wildschweine oder Rehe", sagt Emmrich – etwaige Schäden müssten die Waldbauern dann akzeptieren. "Wir begleichen die Schäden in diesem Fall aber trotzdem." Verbannen könne man die Tiere in solch einem Fall aber dann nicht mehr.

Hinweisschilder sollen auf Wisente aufmerksam machen

Derweil bemüht sich der Trägerverein um Lösungen. So soll künftig in Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden Informationsmaterial für Touristen und Wanderer in Form von Flyern, Hinweisen auf der Internetseite und Schildern erstellt werden. "Darin warnen wir aber nicht vor den Wisenten, sondern machen auf alle Gefahren aufmerksam, die einem im Wald begegnen könnten", sagt Emmrich. Dazu gehörten auch andere Tiere wie Wildschweine und Zecken. 

Die Idee, die Laufrouten der Tiere so zu dokumentieren, dass Wanderer wissen, wo sich die Tiere aufhalten und ihnen aus dem Weg gehen können, ist hingegen nicht umsetzbar, sagt Emmrich. Zwar habe man drei der heute 20 Tiere zu Beginn des Projektes mit GPS-Halsbändern ausgestattet, doch nur noch eines der Geräte sei aktiv – bei den anderen seien schlichtweg die Batterien leer. "Die Tiere neu zu besendern, ist zu gefährlich", so Emmrich. "Wir müssten sie narkotisieren und aus der Herde herausholen. Das geht nicht." 

Stattdessen plane man ein Meldesystem, bei dem Förster und andere, die die Tiere entdecken, den Standort der Wisente melden. Ob das dem Landrat aus dem Hochsauerlandkreis reicht, wird sich im Herbst nach der Gerichtsverhandlung in Hamm zeigen. Diese beginnt am 15. September. Sollten die Tiere doch weichen müssen, droht ihnen der Abschuss. 

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