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NRW
Szene zwischen Auto-Tuning und illegalen Rennen

Illegale Autorennen: Kölner trauern um Opfer
Illegale Autorennen: Kölner trauern um Opfer FOTO: dpa, obe fdt
Düsseldorf. Treten die Raser überall in Nordrhein-Westfalen aufs Gas und verbreiten Angst und Schrecken bei Autorennen? In Köln sind drei Menschen durch illegale Rennen gestorben. Auto-Enthusiasten, die sich mit aufgemotzten Wagen in den Städten treffen, gibt es überall in NRW. Doch nicht immer fahren sie auch Rennen. 

Eine Tote in Bremen, drei mutmaßliche unbeteiligte Opfer in Köln in den vergangenen Monaten: Illegale Autorennen beherrschen die Schlagzeilen der vergangenen Tage und Wochen. In NRW scheinen sie aber kein landesweites Problem zu sein, wie eine Umfrage in den Polizeipräsidien von Aachen, Bielefeld, Bochum, Bonn, Düsseldorf und Duisburg ergab.

Laut einer Sprecherin des Landesamts für zentrale polizeiliche Dienste gibt es pro Jahr in NRW nicht mehr als drei Verkehrsunfälle, bei denen der Verdacht besteht, die Ursache sei ein Autorennen gewesen. Weitaus prominenter ist das sogenannte Auto-Tuning, bei dem traditionell Autobastler ihre manipulierten Fahrzeuge in einigen Hochburgen präsentieren.

Polizei kontrolliert Raser am Tanzbrunnen in Köln FOTO: Ulrich Schütz

Dennoch sei man nach den jüngsten fatalen Unfällen in Köln und Bremen bei Geschwindigkeitskontrollen besonders wachsam, sagte Werner Schneider, Sprecher der Aachener Polizei. Zuletzt seien am frühen Sonntagmorgen drei Autos sichergestellt worden, die in der Innenstadt 70 Stundenkilometer zu schnell unterwegs waren. "Es besteht der Verdacht, dass die Autos technisch so verändert waren, dass sie in kurzer Zeit eine sehr hohe Geschwindigkeit erreichen können", sagte Schneider. War es tatsächlich ein Rennen, waren die Fahrzeuge getunt? Das ist noch nicht sicher.

In Duisburg dagegen gibt es nach Angaben der Polizei durchaus eine Raser-Szene, die sich in den Sommermonaten nachts regelmäßig an der B1 trifft. "Mit verschärften Radarkontrollen und Baustellen, die die Fahrbahn schmälern, oder parkenden Fahrzeugen am Straßenrand, versuchen wir dem Treiben Einhalt zu gebieten", sagte Polizeisprecher Ramon van der Maat.

Autorennen in Leverkusen: Wagen knallt in Ampel FOTO: Ulrich Schütz

Auch in anderen Städten wie Bochum, Paderborn und Düsseldorf kennt die Polizei Treffpunkte von Tunern und Autoliebhabern. Am Düsseldorfer Südring kommen laut Polizei aber "Auto-Enthusiasten" zusammen, die ihre Fahrzeuge nur präsentieren und sich nicht untereinander messen wollen. Aktuell sei nicht bekannt, dass es dort auch regelmäßig Rennen gebe. Trotzdem beschwerten sich Anwohner häufiger über den Lärm.  Allerdings hatte es in Gerresheim im Sommer 2014 einen tödlichen Unfall gegeben, bei dem die Polizei von einem Autorennen ausging. 

Fotos: Zwei Schwerverletzte nach Autorennen in Köln FOTO: ANC News

Die Polizei in Bielefeld ist nach eigener Ansicht einen Schritt weiter als die Beamten in Köln: Es sei gelungen, die gefährlichen illegalen Wettrennen zu verhindern, sagte ein Sprecher. Auffällige Fahrzeuge seien abgefangen und von Experten teilweise direkt vor Ort begutachtet und stillgelegt worden. Unter anderem im April hatten die Polizisten den sogenannten Car-Freitag genutzt, um Raser auszubremsen: Insgesamt blitzten die Beamten 274 Autos, es gab 35 Bußgeldverfahren und 239 Verwarnungen. 14 Raser mussten danach ihren Führerschein abgeben.

Bielefeld hat allerdings auch besonders schmerzhafte Erfahrungen mit illegalen Autorennen gemacht: 2005 hatte dort eine solche Wettfahrt einen besonders dramatischen Ausgang. Ein Opel Corsa raste in eine Menschenmenge mit 70 Personen. Eine junge Frau kam dabei ums Leben.

 

(lnw)
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