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Tag der Freundschaft
Meine Freundin ist die Beste

Tag der Freundschaft 2016: Meine Freundin ist die Beste
Franziska Langer (r.) und Marie Hillebrandt (beide 16) sind seit zwei Jahren unzertrennlich. Ab und zu tragen sie sogar die gleiche Kleidung. Ihre Freizeit verbringen die beiden oft auf dem Reiterhof. FOTO: Endermann Andreas
Düsseldorf. Für viele Mädchen ist die beste Freundin die wichtigste Bezugsperson. In sozialen Netzwerken zelebrieren sie öffentlich und mit viel Herzblut ihre Verbundenheit - nicht nur zum internationalen Tag der Freundschaft am Samstag. Von Emily Senf

Franziska Langer und Marie Hillebrandt sind beste Freundinnen, und das soll jeder wissen. Fast jeden Tag posten die beiden 16-Jährigen gemeinsame Fotos und Videoaufnahmen von sich in den sozialen Netzwerken. Sie möchten, dass ihre Freunde bei Facebook, Instagram und Snapchat mitkriegen, dass es keinen wichtigeren Menschen für die Mädchen gibt als den jeweils anderen. Warum? "Ich will, dass andere wissen, dass sie Meine ist", sagt Marie. Franziska lächelt. So einfach ist das.

Beste Freundinnen hat es schon immer gegeben, doch sie bleiben ein Phänomen. Auch deswegen, weil es heute immer mehr Kanäle gibt, auf denen die gegenseitige Verbundenheit nach außen getragen werden kann - und wird, bisweilen bis auf die Spitze. Denn gerade junge Mädchen zelebrieren ihre beste Freundin groß und öffentlich in den Netzwerken, laden Fotos hoch, verschicken Smileys mit Kussmund und viele, viele Herzchen.

Menschen in Kontaktlisten bekommen es mit

Dadurch nimmt nicht mehr nur ihr engster Kreis an der Freundschaft teil, sondern alle Menschen in ihren Kontaktlisten bekommen es mit. Das habe den sozialen Druck auf beste Freundinnen deutlich erhöht, sagt der Münchener Sprachforscher Martin Voigt. Der 31-Jährige hat in seiner Doktorarbeit untersucht, wie soziale Netzwerke Mädchenfreundschaften verändern. Mit immer mehr Fotos und öffentlichen Nachrichten würden sie sich ihre Zuneigung gestehen wollen. "Es geht dabei schlicht um Selbstinszenierung", sagt Voigt. "Man will dazugehören." Als Anerkennung gibt es ein Like - je mehr, desto besser.

Am Knöchel tragen die Mädchen Freundschaftsbänder aus dem gemeinsamen Sommerurlaub. FOTO: Endermann Andreas

Wenn Franziska und Marie, die nach den Sommerferien in die zehnte Klasse kommen, sich gegenseitig Nachrichten schreiben, was sie häufig tun, verwenden sie nur wenige Smileys. "Brauchen wir nicht", sagt Marie. "Wir wissen, wie die andere es meint." Sobald allerdings Außenstehende zugucken, verändert sich der Schreibstil der Mädchen. Dann benutzen sie Herzen, Küsse, ein Emoticon, dass zwei Mädchen zeigt, die sich an der Hand halten. Sie nennen sich "Mein Mädchen", "Baby girl", "Schatz" und "Meine bessere Hälfte".

Auch Sprachforscher Voigt hat dieses Phänomen bei seinen Untersuchungen entdeckt. Beste Freundinnen würden sich mit ihren Posts, Fotos und Kommentaren gegenseitig hochschaukeln: "Ich liebe dich so sehr, du bist die Beste, ich will dich nie mehr verlieren." Viele dieser Liebesbekundungen kommen ohne Punkt und Komma aus, die digitalen, auf der Seite liegenden Herzchen <3 oder x3 fehlen selten. Drei Punkte am Ende eines Satzes sollen ihn weich ausklingen lassen. Die Phrasen unterscheiden sich häufig nur in der Anzahl der Vokale "i" und "e" - mit "ich liiiiiebe dich" oder "Schatziiii" kommt die Zuneigung noch besser zur Geltung. "Die Huldigung der Freundin ist teilweise hochdramatisch und hochemotional", sagt Voigt. "Es muss ja irgendwie nach außen wirken." Doch eine so öffentliche Beziehung zu pflegen, sei schwierig, meint Voigt. Kommt das "Gefällt mir" zum neuen Profilbild zu spät oder ist der Kommentar nicht lobend genug, gebe es Knatsch.

Wichtig sei den Mädchen die Aussage: Wir gehören zusammen - und wehe, jemand mischt sich ein. Damit stärken die Teenager ihre Rolle in der Gruppe, hat Voigt herausgefunden. Besonders beliebte Mädchen der Klasse geben im Internet den Ton an: Wie muss ich mich zeigen? Wer hat die meisten Freunde? Welches Foto erzielt viele Likes?

"Sie ist immer für mich da"

Doch Franziska und Marie stehen sich auch offline sehr nahe. Sie besuchen seit der fünften Klasse die gleiche Schule, das Otto-Hahn-Gymnasium in Monheim. Richtig kennengelernt haben sie sich aber erst, als beide die achte Klasse wiederholen mussten. Schnell zeigten sich Ähnlichkeiten: Sie verbringen ihre Freizeit am liebsten auf dem Reiterhof, hören die gleichen Lieder und steuern beim Shoppen intuitiv die selben Klamotten an. "Manchmal haben wir das Gleiche an, nur in anderen Farben", berichtet Marie.

Fast ihre ganze Freizeit verbringen die Mädchen zusammen, sogar in den Urlaub sind sie gemeinsam gefahren. "Wenn ich mal zwei Tage nicht von Franzi spreche, fragen meine Eltern mich, was los ist", sagt Marie und lacht. So lange hat auch ihr längster Streit gedauert, zwei Tage nämlich. Wirklich gestritten hätten sie aber nicht. "Wir haben nur nicht miteinander gesprochen", sagt Marie. "Aber dann musste ich ihr dringend was erzählen, also haben wir uns wieder vertragen."

Der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger erklärt: "Gerade in der Pubertät sind Freundschaften zwischen Mädchen einer Liebesbeziehung sehr ähnlich." So könne schon eine Umarmung zwischen zwei Freundinnen unendlich rührend, zärtlich, fast leidenschaftlich sein. Dazu müssten die Mädchen im Zusammenspiel mit ihrer besten Freundin lernen, eine Beziehung zu gestalten. "Sie lernen, was sie wollen, was sie vom anderen erwarten und wie man emotionale Offenheit zeigt", sagt er. "Man kann Freundschaftsbänder, -ketten und Poesiealben, die immer noch gefragt sind, belächeln, aber mit ihnen formen Mädchen ihre Freundschaftsfähigkeit für den Rest ihres Lebens."

Franziska und Marie verbringen die Schulpausen zusammen, gehen gemeinsam zur Toilette und telefonieren sofort, wenn sie nach Hause kommen - manchmal bis zum Einschlafen. Sie teilen Geheimnisse, die niemand sonst weiß. Die beste Freundin ist sogar wichtiger als der Freund. "Mit ihm kann ja irgendwann Schluss sein, aber Franzi ist immer für mich da", sagt Marie.

Quelle: RP
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