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Digitales Kabelnetz
Tausende Unitymedia-Kunden empfangen WDR nicht mehr

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Schritt für Schritt: Testen Sie Ihre Surfgeschwindigkeit FOTO: dpa
Köln. Wegen einer unangekündigten technischen Umstellung im digitalen Kabelnetz sehen tausende Unitymedia-Kunden seit Dienstagabend nur noch Schnee, wenn sie den WDR einschalten. Von elf Lokalzeiten befindet sich nur noch die Kölner Ausgabe auf der alten Frequenz. Von Nicole Scharfetter

Am liebsten schaut Heinz Lenders abends mit seiner Frau Gerda die WDR-Lokalzeit. Der Hasselter will wissen, was am Niederrhein passiert, und manchmal kommt auch sein Ort in den Nachrichten vor. Darum schätzt Heinz Lenders die Duisburger Lokalzeit auch so sehr. Seit Dienstagabend sieht der 82-Jährige allerdings nur noch Schnee, wenn er WDR einstellt. Anfangs dachte er, er hätte irgendeinen Knopf gedrückt, der den Schnee verursacht. Für den Elektro-Fachmann Rainer van Haren allerdings war Lenders Anruf nicht der einzige. Er hatte sofort eine Ahnung. "Ich habe den Kabelanbieter Unitymedia angerufen, ob es eine Störung gibt oder einen Frequenzwechsel", sagt van Haren. Bei der Hotline sagte man ihm lediglich, er solle einen Sendersuchlauf starten. "Inzwischen habe ich selbst herausgefunden, dass die Frequenz eine andere ist", sagt der Elektro-Fachmann.

Uwe-Jens Lindner, Sprecher vom Westdeutschen Rundfunk, ist nicht erfreut über die Umstellung. "Unitymedia hat ohne Ankündigung die Kanalbelegung im Netz geändert", sagt er. "Für uns ist es fatal, dass das Publikum uns nicht mehr sehen kann." Am späten Dienstagnachmittag habe der WDR davon erfahren – "aber nicht vom Kabelanbieter sondern von unseren eigenen Technikern", sagt Lindner. Der Sender habe nicht mal die Möglichkeit gehabt, seine Zuschauer zu informieren. "So geht man nicht mit Kunden um", findet der WDR-Sprecher. In Köln versucht man nun, den Zuschauern über eine Hotline (0221 56789999) zu helfen. "Wir haben das Personal verdoppelt", sagt Lindner. Weil seit Dienstag tausende Anrufe eingegangen sind.

Vom Kabelanbieter selbst hieß es in einer E-Mail, dass man die Unannehmlichkeiten bedauere. "In einigen Fällen wurde die aktualisierte Senderbelegung von den Empfangsgeräten nicht übernommen. Betroffen sind vor allem Empfangsgeräte, die nicht über Unitymedia bezogen worden sind", schrieb Unternehmenssprecher Helge Buchheister. Wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind, darauf gab es vom Kabelanbieter bisher keine Antwort. Buchheister empfiehlt, ARD oder ZDF einzuschalten und ein paar Minuten zu warten. "In der Regel sollte nun die neue Programmbelegung übernommen werden", heißt es in seinem Schreiben. Geschehe dies nicht, "starten Sie bitte einen manuellen Sendersuchlauf", so der Sprecher. "Wenn auch dies zu keinem positiven Ergebnis führt, führen Sie bitte einen Werksreset durch. Bitte beachten Sie, dass dabei die von Ihnen an Ihrem Gerät vorgenommenen Einstellungen gelöscht werden."

Ganz schön viel Aufwand. Vor allem für Heinz Lenders, der mit seinen 82 Jahren auf fremde Hilfe angewiesen ist. Bis er wieder alle Programme an Ort und Stelle hat, kann es dauern. Weil der 82-Jährige nicht der einzige ist, der nun auf den Elektro-Experten Rainer van Haren wartet. "Einfacher wäre es, wenn Unitymedia mir die Frequenz nennen könnte", meint van Haren. Die habe er aber nicht bekommen – weder telefonisch noch per E-Mail. Und auch die Frequenzenliste, die man auf der Internetseite beim Kabelanbieter herunterladen könne, sei nicht aktuell. "Stand: 2. Juli", sagt Rainer van Haren, der sich wie der WDR mehr Informationen vorab von Unitymedia gewünscht hätte.

Weitere Informationen erhalten die Zuschauer bei der Hotline des WDR Fernsehen: Telefon 0221 56789 999

 

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