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Düsseldorf
Terrorist entkam aus Krankenhaus

Düsseldorf. Der jetzt festgenommene Islamist entwischte den Behörden im Sommer 2014. Von Christian Schwerdtfeger

Für Antiterrorfahnder Sven Loven (Name geändert) ist es bis heute ein Rätsel, wie der Kranenburger Top-Salafist Kerim Marc B. den Ermittlern im Sommer 2014 trotz Überwachung entkommen konnte. B. habe damals nach seiner Rückkehr aus Syrien nach NRW unter Beobachtung des Staatsschutzes gestanden, erinnert sich Loven. Doch vor dem möglichen Zugriff sei er plötzlich verschwunden. "Das ist bis heute nicht aufgeklärt."

Dass B., der schließlich gestern am Düsseldorfer Flughafen festgenommen werden konnte, schon früher hätte gefasst werden können, bestreiten die Ermittlungsbehörden nicht. Unangenehm ist ihnen seine damalige Flucht trotzdem.

B., der 2013 erstmals nach Syrien reiste und sich dort der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) anschloss, hielt sich im Sommer vergangenen Jahres in Düsseldorf und im Kreis Kleve auf - mit Wissen der Sicherheitsbehörden. Er war damals aus Syrien zurückgekehrt, um sich wegen einer Verletzung behandeln zu lassen - er soll einen Granatsplitter im Bein gehabt haben. Diesen wollte sich der frühere Hauptschüler offenbar zunächst an der Universitätsklinik Düsseldorf entfernen lassen. Doch aus unbekannten Gründen änderte er seine Meinung und wandte sich stattdessen an ein Krankenhaus im Kreis Kleve. Zu diesem Zeitpunkt stand er schon längst unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden. Zum geplanten chirurgischen Eingriff kam es aber nicht. Stattdessen war er plötzlich verschwunden. Die Ermittler vermuteten, dass er die Observation bemerkt haben musste. B. konnte sich wieder nach Syrien absetzen.

Der missglückte Zugriff ist womöglich nicht die einzige große Ungereimtheit im Fall Kerim Marc B. Nach Recherchen unserer Zeitung stand der 22-Jährige bereits vor seiner Verhaftung unter Beobachtung von türkischen Fahndern. Demnach könnte B. schon im Januar geplant haben, von der Türkei nach Düsseldorf auszureisen. Dazu passt, dass die Bundesanwaltschaft bereits am 20. Januar Haftbefehl gegen ihn ausstellte. Als gesichert gilt, dass die türkischen Behörden ihre deutschen Kollegen über B.'s Aktivitäten weitestgehend informierten - auch über seine Ausreisepläne.

Quelle: RP
 
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