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Düsseldorf
Teurer Dauerstreit bei Westspiel

Teurer Dauerstreit bei Westspiel
Der landeseigene Casino-Betreiber kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus. FOTO: dpa, Kay Nietfeld
Exklusiv | Düsseldorf. Beim landeseigenen Casino-Betreiber Westspiel ist das Arbeitsklima schlechter als bislang bekannt. Binnen der letzten fünf Jahre hat die Westspiel-Gruppe etwa jeden achten Mitarbeiter freigestellt oder abgefunden.   Von Thomas Reisener

Dabei fielen für den Steuerzahler Kosten in Höhe von insgesamt 3,3 Millionen Euro an. Das geht aus der noch unveröffentlichten Antwort des NRW-Finanzministeriums auf eine Anfrage des FDP-Fraktionsvize Ralf Witzel hervor.

Voraussichtlich werden in Kürze noch zahlreiche Fälle hinzukommen. In dem Schriftstück listet Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) nämlich nur die bereits abgeschlossenen Verfahren auf: 60 abgefundene und 46 freigestellte Mitarbeiter allein seit 2011. Auf Nachfrage unserer Redaktion räumte Westspiel jedoch ein, dass weitere 24 Verfahren vor deutschen Arbeitsgerichten anhängig sind. Insgesamt hat Westspiel derzeit rund 870 Mitarbeiter.

Weitere 48 Mitarbeiter bis Ende 2016

Ebenfalls nicht berücksichtigt hat der Finanzminister in seiner Darstellung die Fälle aus einem parallel laufenden Westspiel-Sanierungsprogramm. Im Rahmen der 2014 begonnenen Restrukturierung der angeschlagenen Gruppe werden nach Westspiel-Angaben bis Ende 2016 weitere 48 Mitarbeiter ausscheiden. Kostenpunkt: sechs Millionen Euro. In der Summe zahlt Westspiel also im Zeitraum 2011 bis 2016 über neun Millionen Euro, damit 154 zuvor von der Gruppe eingestellte Mitarbeiter nicht mehr dort arbeiten. Witzel: "Durch die massiven Konflikte bei WestSpiel werden seit Jahren öffentliche Gelder in Millionenhöhe verpulvert. Der Finanzminister muss den Staatsbetrieb energisch zu mehr Kostendisziplin anhalten."

Ex-Croupier bekommt seit Jahren 100.000 Euro Gehalt

Offenbar leichter gesagt als getan. Vor rund einem Monat wurde der Fall eines ehemaligen Croupiers im Westspiel-Casino in Dortmund-Hohensyburg bekannt: Obwohl wegen interner Streitigkeiten seit fünf Jahren von sämtlichen Aufgaben entbunden, zahlt Westspiel dem Ex-Spielleiter bis heute ein Gehalt in Höhe von rund 100.000 Euro pro Jahr. Zusätzlich darf der untätige Westspiel-Mitarbeiter weiterhin privat seinen Dienstwagen nutzen - inklusive unbegrenzter Tankkarte. Angesprochen auf diesen Fall, sagt Walter-Borjans: "Ich empfinde die Situation als unbefriedigend." Laut Finanzministerium wird der Fall inzwischen vor dem Bundesarbeitsgericht verhandelt.

Die Westspiel-Gruppe, die derzeit in Köln ein neues Casino aufbaut, ist seit Jahren defizitär. Laut NRW-Finanzministerium wird sie frühestens 2021 wieder schwarze Zahlen schreiben. Die vier staatlichen Spielbanken in NRW verloren binnen sechs Jahren 40 Prozent ihrer Besucher. Zuletzt kamen nur noch 883.000 Kunden in die Casinos.

Quelle: RP
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