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Tihange 2
Belgien fährt umstrittenen Reaktor nahe Aachen hoch

Tihange 2: Belgien fährt umstrittenen Atomreaktor nahe Aachen hoch
An diesem Freitag werden in Belgien zwei Reaktoren wieder hochgefahren: Zum einen Doel 3 bei Antwerpen, zum anderen Tihange 2 bei Lüttich. FOTO: dpa, jw ase lus
Aachen. Der belgische Energiekonzern Electrabel will in Kürze zwei Atomreaktoren nahe der deutschen Grenze wieder hochfahren. Vor allem Tihange 2 bei Aachen steht wegen zahlreicher Haarrisse in der Kritik. Im Grenzgebiet schrillen die Alarmglocken.

Wie eine Sprecherin des Konzerns auf Anfrage bestätigte, sollen zwei Reaktoren wieder ans Netz gehen: Am 20. Dezember Doel 3 bei Antwerpen, zum anderen in der Nacht von Samstag auf Sonntag Tihange 2 bei Lüttich – etwa 60 Kilometer entfernt von Aachen. Auch Doel 3 befindet sich mit nur 150 Kilometer Entfernung in unmittelbarer Nähe zu Aachen. Am Freitagmorgen hatte bereits der WDR entsprechend berichtet. 

Zunächst hieß es, Tihange werde noch am Freitag wieder in Betrieb genommen, gegen Mittag korrigierte der Konzern die Angaben. Die Inbetriebnahme habe sich wegen technischer Probleme verzögert. Die Angaben für die Inbetriebnahme seien aber immer nur Schätzungen.

Das Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen (AAA) meldete bereits am Donnerstagabend, der Reaktor Tihange 2 werde ab diesem Freitag wieder hochgefahren und berief sich dabei auf "zuverlässige Quellen." Dies sei unverantwortlich, kritisierten die Aktivisten. 

Zuvor waren die Reaktoren für anderthalb Jahre stillgelegt worden. Experten hatten in der äußeren Schutzhülle um die 2000 Haarrisse gezählt. Vor wenigen Wochen erlaubte die belgische Atomaufsicht dennoch, die Atomkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen. Als Termin war ursprünglich der 15. Dezember angegeben. 

Die Stadt Aachen reagierte darauf Anfang der Woche empört. Die Pläne seien bedrohlich und unverantwortlich, stellte Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) fest. In einer einstimmig verfassten Resolution hatte der Stadtrat Landes- und Bundesregierung aufgefordert, sich für eine Stilllegung von Tihange einzusetzen.

Aachener Krisenstadt ließ atomaren Katastrophenfall üben

Am Dienstag ließ der Krisenstab der Stadt zum ersten Mal für einen atomaren Katastrophenfall üben. Das Szenario: der größte anzunehmende Unfall (GAU) am Atomkraftwerk Tihange.

Es zeichne sich ab, dass eine vorherige Verteilung von Jodtabletten, die vor Schilddrüsenkrebs schützen, an die Bevölkerung sinnvoll sei, teilte die Stadt mit. Weitere Ergebnisse des Testszenarios wollte die Stadt auswerten.

Auch der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hatte den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke Tihange und Doel scharf kritisiert: "Diese gefährlichen Reaktoren müssen vom Netz. Angesichts der Gefährdungen, die von Tihange und Doel ausgehen, sind Laufzeitverlängerungen unverantwortlich."

Belgien will die Laufzeit von zwei Reaktoren des Atomkraftwerks Doel bei Antwerpen um zehn Jahre bis 2025 verlängern. Ursprünglich sollten die Reaktoren 1 und 2 in Doel im laufenden Jahr stillgelegt werden.

Die Entfernung zwischen dem belgischen Reaktor Tihange 2 bei Lüttich bis zur Stadt Aachen ist in der Karte zu sehen:

(lnw)
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