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Naturschauspiel in Bochum
Titanenwurz öffnet sich – "Gestank macht sich breit!"

Besucher bewundern Titanenwurz in Bochum
Bochum . Sie ist sehr groß und schwer – und riecht nach einer Mischung aus Limburger Käse, verfaulendem Fisch und verschwitzten Socken: In Bochum blüht die größte Blume der Welt. Es ist ein seltenes, aber auch stinkendes Naturspektakel. Von Beate Wyglenda

Die zweieinhalb Meter hohe Blüte der Titanenwurz ist nicht nur die größte der Welt, sondern sie blüht auch nur alle fünf bis zehn Jahre – und dann nur für wenige Stunden. "Das ist ein spektakuläres Ereignis", sagt Wolfgang Stuppy, der wissenschaftliche Leiter des Botanischen Gartens der Ruhr Universität Bochum (RUB). "Zum ersten Mal in der Geschichte des Botanischen Gartens kommt die Titanenwurz nun bei uns zur Blüte." 

Die Uni hat ihr Exemplar vor drei Jahren aus Frankfurt bekommen. Deutschlandweit gibt es diese außergewöhnliche Blume in nur ein Duzend Botanischen Gärten. Ursprünglich stammt die Pflanze aus den Regenwäldern von West-Sumatra. 

Laut Fachliteratur blüht die Titanenwurz am Abend des Tages auf, an dem morgens eine Flüssigkeit aus der Blatthülle den Stamm hinabrinnt und die Pflanze beginnt, zu stinken. Genau das ist am Samstagmorgen im Botanischen Garten der Universität passiert. Die Experten gingen deshalb davon aus, dass sich die rund zweieinhalb Meter hohe Titanenwurz abends in ihrer vollen Pracht entfalten würde. Doch die Blume ließ auf sich warten. Erst am Sonntagnachmittag konnte Stuppy auf Twitter verkünden: "Endlich! Die Öffnung der Blume hat um 16:20 Uhr begonnen." Am Abend war das seltene Naturspektakel deutlich zu riechen: "Gestank macht sich breit!", schrieb Stuppy.

Titanenwurz blüht in Bochum FOTO: dpa, rwe

Weil es ein so seltenes Ereignis ist, hatten sich die Verantwortlichen der RUB auf einen großen Andrang vorbereitet. Fachleute sind extra nach Bochum gereist, um das Naturschauspiel zu sehen. "Wir wollen unsere Besucher daran teilhaben lassen", sagt Stuppy. Deshalb verlängert der Botanische Garten bis Montag seine Öffnungszeiten täglich auf 9 bis 24 Uhr – letzter Einlass ist um 23 Uhr. Der Eintritt beträgt drei Euro pro Person, Studenten der Universität und Kinder bis zwölf Jahren können die Ausstellung kostenlos sehen.

Die lateinische Bezeichnung "Amorphophallus titanum" bedeutet übersetzt soviel wie "unförmiger Riesenpenis". Bevor die Pflanze erblüht, schält sich allmählich der gelbe Blütenstand aus dem grünen umschließenden Blatt, ähnlich wie ein Maiskolben aus den Laubblättern hervorbricht.

Dann öffnet sich das riesige Hochblatt und präsentiert seine rot-braune Innenseite. So entsteht der Eindruck einer prachtvollen, exotischen Blume. "Denn das, was für den Laien wie eine Blüte aussieht, ist tatsächlich ein ganzer Blütenstand. Weil das Gebilde aber bestäubungsbiologisch wie eine Einzelblüte funktioniert, "kann man es als Blume bezeichnen", sagt Stuppy.

In der Endphase wächst der Blütenstand mehr als zehn Zentimeter pro Tag und erreicht schließlich eine Höhe von bis zu drei Metern. Den Rekord für die weltweit größte Titanwurzblüte hält Winnipesaukee Orchids in Gilford, New Hampshire. Dort erreichte 2010 eine Blüte eine Höhe von 3,10 Metern.

Nur etwa 24 Stunden steht die Titanenwurz in voller Blüte und hat in dieser Zeit genau ein Ziel: Insekten als Bestäuber anzulocken. Die Pflanze hat sich auf Aasfliegen und -käfer spezialisiert. Der Geruch ist entsprechend: "Eine Mischung aus Limburger Käse, verfaulendem Fisch und verschwitzten Socken", sagt der Professor. 

Wurden keine Blüten bestäubt, kippt der Blütenstand nach zwei bis drei Tagen um und beginnt zu verrotten. Die Pflanze geht in eine Ruhephase über. Übrig bleibt die große Knolle, die bei älteren Pflanzen über 100 Kilogramm wiegen kann. Wurden jedoch Blüten bestäubt, reifen innerhalb von acht Monaten orangerote Beeren heran. Als Folge davon stirbt die Pflanze jedoch ab.

(beaw/das/wer)
 
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