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Einsame Verstorbene
Warum Wuppertal um einen Menschen ohne Namen trauert

Traueranzeige - Warum Wuppertal um einen Menschen ohne Namen trauert
FOTO: Presseamt Stadt Wuppertal
Wuppertal/Düsseldorf. Es ist eine Traueranzeige, die nachdenklich macht: Die Stadt Wuppertal lädt zu einem Gedenkgottesdienst ein - erinnert wird an Verstorbene, deren Angehörige nicht zu finden waren. Einer der Toten trägt keinen Namen. Von Olivia Konieczny

"Selig sind die, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden - Matthäus 5,4": Mit diesen Worten aus dem Matthäus-Evangelium beginnt die Traueranzeige, die die Stadt Wuppertal in mehreren Zeitungen der Stadt geschaltet hat - und die inzwischen auch in sozialen Medien wie "Reddit" geteilt wird. 

"In Erinnerung an die Verstorbenen in unserer Stadt, für die es keine Trauerfeier gab, feiern wir einen ökumenischen Gedenkgottesdienst", heißt es in der Anzeige. "Wir laden ein, daran teilzunehmen. Diesmal denken wir an" - dann folgen 46 Namen und die Worte "Unbekannter Afrikaner".

Es handelt sich um Menschen, die im vergangenen halben Jahr in Wuppertal gestorben sind und deren Familien nicht auszumachen waren. "Das waren allesamt Ordnungsamtsbestattungen auf dem kommunalen Friedhof", sagt Martina Eckermann, Sprecherin der Stadt Wuppertal. Das Ordnungsamt ist zuständig, wenn niemand ermittelt werden kann, der die Beerdigung oder die Einäscherung übernimmt. "Solche Bestattungen sind schlicht, aber sie werden würdig durchgeführt", sagt Eckermann.

Suchtkranke und Einsame

Hinter den Namen aus der Anzeige verbergen sich Schicksale - und es sind nicht nur alte Menschen, die allein gelebt haben. "Da sind Menschen aus dem Bereich der Suchterkrankungen darunter, Fälle von Suiziden, auch mal Obdachlose. Aber natürlich auch Ältere, die in ihrer Wohnung vom Pflegedienst aufgefunden wurden, oder weil die Nachbarn gemerkt haben, dass etwas nicht stimmt", sagt Eckermann.

Nach dem Beispiel der Stadt Essen habe man begonnen, zwei Mal im Jahr ökumenische Gedenkgottesdienste für diese Menschen auszurichten und entsprechende Zeitungsannoncen zu schalten. Bei den Gedenkfeiern werden die Namen der Verstorbenen verlesen; 70 bis 80 seien es pro Jahr. "Es geht uns darum, dass kein Mensch unbedacht, ohne Erwähnung seines Namens, bestattet werden soll", erklärt Eckermann. "Außerdem kann es ja sein, dass dann doch Angehörige, Freunde, vielleicht Leute aus der Schulzeit den Namen sehen."

Ein Name wird nicht vorgetragen

Ein Name bleibt bei der nächsten Gedenkfeier an diesem Freitag (17. November) unbekannt. "Es ist das erste Mal, dass wir bei einer dieser Traueranzeigen einen Menschen ohne Namen erwähnen", sagt Stadtsprecherin Eckermann. Es handele sich um einen Afrikaner, der ohne Papiere in einem Wuppertaler Krankenhaus behandelt worden und dort gestorben sei. "Der Mann war alleine und hatte keine Unterlagen bei sich", sagt Eckermann. Dass es ein Flüchtling ohne geklärte Identität war, sei nicht auszuschließen - herausfinden lässt sich das nicht mehr.

An der Gedenkfeier am Freitag wird der Wuppertaler Oberbürgermeister teilnehmen, ebenso die Superintendentin der Evangelischen Kirche der Stadt und der Stadtdechant der Katholischen Kirche. Weitere Besucher sind willkommen.

 
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