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NRW
Trinker-Szene macht in vielen Städten Probleme

Hier trifft sich die Trinker-Szene in den Städten
Hier trifft sich die Trinker-Szene in den Städten FOTO: Reichartz, Hans-Peter
Düsseldorf. Die Stadt Herne hat das Trinken von Alkohol an öffentlichen Plätzen verboten. Es gab immer wieder Pöbeleien und Verschmutzungen durch die Trinker-Szene, so die Begründung. Auch in anderen Städten in NRW ist das ein Problem.

An Bushaltestellen, in Fußgängerzonen oder Parks treffen sich Gruppen von Menschen, um gemeinsam Alkohol zu trinken. Dabei kommt es immer wieder zu Zwischenfällen: Bierflaschen und Müll liegen herum, Passanten werden angepöbelt und Fahrgäste trauen sich nicht mehr, in den Bushäuschen zu warten, wenn sie von trinkenden Gruppen besetzt wurden. Die Stadt Herne hat am Dienstagabend reagiert und ein entsprechendes Verbot ausgesprochen. 

Auch in unserer Region gibt es an einigen Stellen ähnliche Probleme wie in Herne.

Wir geben einen Überblick:

In Mönchengladbach gibt es zwei beliebte Plätze, an denen sich Gruppen treffen: der Bismarckplatz in Mönchengladbach-City und der Tellmann-Platz im Ortsteil Rheydt. Auf dem Bismarckplatz treffen sich vor allem bei schönem Wetter viele, um Bier zu trinken. Weil es dort leider viele "Wildpinkler" gibt, haben Geschäftsleute vor Ort gefordert, wenigstens eine mobile Toilette aufzubauen. Der Tellmannplatz in Rheydt ist schon sehr lange ein Treffpunkt für Trinkfreudige. Um die Situation dort zu entzerren, wurden Büsche und Bäume zurückgeschnitten, damit der Platz besser einsehbar ist. Über ein generelles Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen wird in Mönchengladbach aber noch nicht nachgedacht.

In Düsseldorf gibt es wenig überraschend gleich mehrere Treffpunkte der Trinker-Szene. Neben dem Hauptbahnhof trifft man sich auch an der Rheintreppe – dort gibt es aber auch Partypublikum. Ebenfalls in der Altstadt gibt es zwischen Rhein und Ritterstraße eine kleine Wiese, an der sich Drogen-Abhängige und Trinker treffen. Anlaufstelle ist auch der Worringer Platz ebenso wie der Oberbilker Markt und der Lessingplatz. Auf dem Platz in Oberbilk tummeln sich neben Biertrinkern viele Anwohner und Kinder – aber auch Drogendealer. Polizei und Ordnungsamt haben alle zwei Tage Kontrollfahrten gemacht, um die Situation zu entschärfen. Es gibt eine Bürgerinitiative Lessingplatz "BILP", die sich darum kümmert, dass der Lessingplatz attraktiver wird.

Das sogenannte Bahnhofs-Umfeld ist in Grevenbroich (64.000 Einwohner) Anlaufstelle für trinkende Gruppen, dazu zählen Teile des Vorplatzes und des Parkhauses. Dort wird nahezu täglich Alkohol von einer größeren Gruppe konsumiert – inklusive Drogen- und Tablettenhandel. Aktuell fordern Lokalpolitiker die Stadtverwaltung auf, eine "Aufenthalts- und Beratungseinrichtung" für diese Menschen zu schaffen. Sie von dieser Stelle zu verscheuchen würde nichts bringen, da sonst weitere "Hotspots" in der Innenstadt entstehen könnten.

Obdachloser: "Wo soll ich sonst hin?"

In Geldern am Marktplatz am Fuße der Pfarrkirche St. Maria Magdalena treffen sich regelmäßig Menschen, um gemeinsam zu trinken und zu reden. Im Gelderner Volksmund heißt die Runde im Pavillon am Kleinen Markt auch "der geheime Stadtrat", weil dort politische Themen querbeet diskutiert werden, mitunter auch in gehobener Tonlage. Es ist ein Pavillon mit Sitzbänken, mit schönem Blick auf Einkaufsstraße, Marktplatz und Busbahnhof.  Über diesen Treffpunkt gibt es häufig Beschwerden von Anwohnern, nicht selten wegen Lärmbelästigungen. Die Stadt hat die Örtlichkeit besonders im Blick, wie Sprecher Herbert van Stephoudt erklärt. "Regelmäßig sucht unser Außendienst die Leute auf und spricht mit ihnen, es gab auch schon Platzverweise", stellt er fest. Zudem stehe man in engem Kontakt mit der Polizei, die dort ebenfalls regelmäßig die Lage überprüft.

Auch am Dienstagmittag saßen drei Männer und eine Frau zusammen unter dem Pavillon, tranken Bier aus Flaschen und Wein aus dem Tetrapack und beobachteten das Treiben auf dem Markt. Sie als die direkt Betroffenen sehen den Vorstoß für ein Verbot differenziert.  "Es gibt Obdachlose, so wie mich", sagte der älteste der Männer, der "Oliver" genannt werden möchte. Er fragt: "Wo soll ich sonst hin?" Sein Bekannter Holger H. glaubt, dass mit einem Verbot öffentlichen Trinkens nur eine unbequeme Wahrheit verdrängt werden soll:  "Wir sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Die wollen uns gar nicht sehen", meint er. Beatrix S. beklagt Vorurteile gegen Menschen wie sie. "Wir werden Penner genannt", so ihre Erfahrung. "Ich habe eine Wohnung. Ich halte mich hier auf, weil ich Gesellschaft brauche." Bei den Menschen, die sie an diesem Treffpunkt habe, fühle sie sich wohl und sicher.

Andererseits stimmen alle dem vierten in der Runde, Jürgen R., zu. Er fände ein Verbot zwar falsch, aber er sagt: Es gebe "immer Idioten", die Bierflaschen zerschlügen, Scherben hinterließen und die Umgebung verschmutzten, obwohl es in der Nähe öffentliche Toiletten gebe. "Dass die Öffentlichkeit da draufguckt, ist ja verständlich", sagt er. "Darüber braucht man nicht zu diskutieren - man soll sich vernünftig benehmen."

Eine öffentliche Toilette sorgt indes in Neuss für Unmut bei den Bürgern. Viele von ihnen machen um den unschönen beigefarbenen Klotz am Berliner Platz einen großen Bogen – auch wenn die Not noch so dringlich ist. Grund ist zum einen das ungepflegte Erscheinungsbild der öffentlichen Toilette, die nicht darauf schließen lässt, dass man das Gebäude ohne Wäscheklammer auf der Nase betreten kann. Zum anderen wirken die Personen, die dort nahezu täglich zusammenkommen, um Alkohol zu konsumieren, auf viele Neusser abschreckend. Einige von ihnen sind obdachlos und verbringen täglich mehrere Stunden dort. In den Gebüschen rund um das Häuschen sind oft leere Schnapsfläschchen zu finden. "Sie meinen, es sei deren Eigentum", schrieb ein verärgerter Leser vor rund zwei Monaten an unsere Redaktion.

In Mettmann ist die Kastanie am Jubiläumsplatz der Treffpunkt von Trinkern und einigen stadtbekannten Drogensüchtigen. Der Bier-Nachschub ist durch das Büdchen nebenan gesichert. Die Fahrgäste der Rheinbahn an der Bushaltestelle werden in aller Regel nicht belästigt. Die Stadt lässt die Trinker gewähren. Polizei oder Ordnungsamt müssen so gut wie nie eingreifen.

Remscheid hat Trinkgelage bereits verboten

Durch die Ordnungs- und Sicherheitsverordnung der Stadt Remscheid sind Trinkgelage in der Öffentlichkeit bereits verboten. "Ein solches Gelage beginnt da, wo sich erstens mehrere Personen zum Alkoholtrinken treffen und sie zweitens Vorräte mitbringen", erklärt Jürgen Beckmann, Leiter des Ordnungsamts. Wer gegen das Verbot verstößt, begehe eine Ordnungswidrigkeit. Es sei auch ein generelles Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen diskutiert, aber nicht eingeführt worden, so Beckmann. Das Verbot von Trinkgelagen reiche aus, um "große Auswüchse" zu verhindern. Einen neuralgischen Punkt für solche Trinkgelage gibt es in Remscheid nicht. "Die Orte verlagern sich von Jahr zu Jahr", so Beckmann. Für die Einhaltung des Verbots sorgen die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD). In der Regel leisteten die Leute, die darauf angesprochen werden, keinen Widerstand und stellten die Gelage ein, so Beckmann.

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