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UN-Klimakonferenz im November
Klimagipfel bringt Bonn an Grenzen

UN-Klimakonferenz 2017: Klimagipfel bringt Bonn an Grenzen
Die Rheinaue verwandelt sich für den Weltklimagipfel in Bonn Anfang November in ein Tagungszentrum. FOTO: dpa, obe fgj ve exa
Düsseldorf/Bonn. Die Weltklimakonferenz vom 6. bis 17. November in Bonn ist eine logistische Herausforderung für die Stadt am Rhein. Bis zu 30.000 Teilnehmer werden erwartet. Die Stadt arbeitet am Limit.  Von Franziska Hein

Eins ist klar: In Bonn ist man stolz darauf, dass man innerhalb von nur elf Monaten den Klimagipfel auf die Beine gestellt hat. "Ich sehe das positiv. Wir können stolz sein, dass wir den Gipfel nach Bonn geholt haben", sagt Michael Schlößer. Er betreibt zwei Hotels und ein Camp in Bonn. Auch Polizeipressesprecher Robert Scholten blickt dem Gipfel gelassen entgegen: "Ich will nicht verschweigen, dass das für uns als Polizei eine große Herausforderung ist. Aber wir haben etwa durch das G20-Außenministertreffen im Februar oder auch die Afghanistan-Konferenz schon viel Erfahrung mit solchen Veranstaltungen." 

Klar ist aber auch: Der Weltklimagipfel mit bis zu 30.000 Teilnehmern aus aller Welt ist die größte Tagung, die die Stadt je gesehen hat. Und das wird Bonn an den Rand der Kapazitäten bringen: Nicht nur die Hotels sind zu annähernd 100 Prozent belegt. Es wird auch schwierig, den Verkehr mit Auto und Bahn zu organisieren. Gastgeberland für den Klimagipfel der Vereinten Nationen sind eigentlich die Fidschi-Inseln. Doch deren Infrastruktur reichte nicht aus für eine Tagung dieses Ausmaßes. Daher wurde vor knapp einem Jahr beschlossen, dass die Tagung in Bonn stattfindet, am Standpunkt des Klimasekretariats der UN.

  • Hotels

Zwischen 25.000 und 30.000 Menschen werden zum Weltklimagipfel vom 6. bis 17. November in Bonn erwartet. Damit alle Delegierten eine Unterkunft bekommen, hat die Tourismus und Congress GmbH Bonn vor etwa einem halben Jahr die Hotelbetreiber in und um Bonn gebeten, ihr die freien Hotelbetten zu überlassen. Das Bundesumweltministerium hat den Hoteliers eine Stornoversicherung angeboten. Sollten die Hotelbetten leer bleiben, springt das Ministerium ein und gleicht den Verlust bis zu einem bestimmten Prozentsatz aus. 

Trotzdem würden alle Hotelbetten in Bonn nicht ausreichen, um alle Teilnehmer unterzubringen. Michael Schlößer, Dehoga-Vorsitzender für Bonn, schätzt, dass es rund 10.000 Schlafplätze in Bonn gibt. Dazu zählen auch Turnhallen, Jugendherbergen und Campingplätze für Delegierte aus Ländern, die sich keine teuren Hotels leisten können, und für Jugendorganisationen. Rund 500 Betten stellen die Bonner Bürger privat zur Verfügung. Außerdem ankern eigens für den Gipfel Hotelschiffe im Rhein. Nach Informationen unserer Redaktion werden allein 2000 Hotelzimmer für Polizisten benötigt, die zur Unterstützung nach Bonn kommen.

Weitere 10.000 Betten gibt es im Rhein-Sieg-Kreis. Im Bonner Umland sind die Hotels etwa in Königswinter oder Siegburg auch ausgebucht. "Wir gehen davon aus, dass die gesamte Rheinschiene von Koblenz bis Köln vom Klimagipfel profitiert." Aber auch wer kurzfristig noch ein Zimmer sucht, muss nicht im Zelt auf der Wiese schlafen. Die Tourismus und Congress GmbH hat noch ein paar Betten übrig. 

  • Verkehr

"Nachhaltig" muss der Verkehr zum Weltklimagipfel sein. Die Bonner Stadtwerke (SWB) organisieren mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen ein "Clean Shuttle". E-Busse von Verkehrsbetrieben aus ganz Deutschland fahren zwischen dem 6. und 17. November in Bonn. Auch die SWB setzen mehr Busse und Bahnen auf ihren Linien ein. 

Die Delegierten erhalten ein Nahverkehrsticket für den Verkehrsverbund Rhein-Sieg. So viele Teilnehmer wie möglich sollen mit Bus und Bahn statt mit dem Auto fahren. Pünktlich zum Beginn der Klimakonferenz wird der neue DB-Haltepunkt am UN-Campus eröffnet. Dort halten dann die Regionalbahnen zwischen Köln und Koblenz. Ursprünglich sollte die Haltestelle erst im Dezember, also nach dem Gipfel, in Betrieb gehen. Doch die Bauunternehmen haben in den letzten Wochen rund um die Uhr gearbeitet. 

Straßensperrungen wird es zum Gipfel kaum geben, teilt die Bonner Polizei auf Anfrage mit. "Das ist nicht zu vergleichen mit dem G20-Treffen im Februar in Bonn, als fast das gesamte ehemalige Regierungsviertel für den Verkehr gesperrt war", sagt Robert Scholten von der Bonner Polizei. 

  • Sicherheit

Die Sicherheit auf der Straße und rund um die Veranstaltungsorte ist den Bonnern sehr wichtig. Denn während des Klimagipfels finden auch mehrere Martinsumzüge und am 11. November auch Karnevalsveranstaltungen statt. Die dürfen und sollen durch den Gipfel nicht gestört werden. 

Dafür sind nach Recherchen der Redaktion täglich rund 1500 Polizisten im Einsatz - und das rund um die Uhr. Unterstützt wird die Bonner Polizei von Hundertschaften aus ganz NRW und bei Bedarf auch darüber hinaus, sagt Scholten.  

Bislang sind laut Polizei zwölf Demonstrationen mit 5000 bis 12.000 Teilnehmern angemeldet. Die erste große Demonstration findet schon am kommenden Samstag statt. Dann wollen rund 1000 Menschen mit dem Fahrrad von Köln nach Bonn fahren. 

Der Bereich rund um das World Conference Centre Bonn (WCCB) im ehemaligen Regierungsviertel wird durch Betonsperren zusätzlich gesichert. Außerdem werden die Parkplätze dort gesperrt. "Bislang haben wir keine Anhaltspunkte, dass es in Bonn zu Ausschreitungen kommen wird", sagt Scholten. Man habe hier keine starke linksautonome Szene wie etwa in Hamburg, wo im Juli beim G20-Gipfel ganze Straßenzüge von Demonstranten verwüstet wurden. 

  • Veranstaltungsorte

"Die ganze Stadt wird mit dem Klimagipfel belegt sein", sagt Stadtpressesprecherin Monika Hörig. Die Delegierten tagen hauptsächlich an zwei Orten, Zentrum ist das WCCB. Zusätzlich wurden zwei Tagungszonen errichtet, die Bonn-Zone am Rheinufer auf dem Gelände der Deutschen Welle und die Bula-Zone auf der Blumenwiese in den Bonner Rheinauen. An beiden Orten wurden in den letzten Wochen teils mehrstöckige Zelt- und Container-Konstruktionen errichtet. In der Bonn-Zone tagen die Delegierten 24 Stunden. In der Bula-Zone treffen sich hauptsächlich Nichtregierungsorganisationen. "Bula" bedeutet in der Fidschi-Landessprache "Willkommen". 

Daneben stellen aber auch die Deutsche Post, die Deutsche Welle, die Telekom und die Universität Tagungsräume zur Verfügung. Bonner müssen also mit einigen Einschränkungen rechnen. 

Die Freude über den Besuch von Hollywood-Größen und Klima-Aktivisten wie Arnold Schwarzenegger und Leonardo DiCaprio dürfte das aber nicht trüben.

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