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Mensch-Tier-Friedhöfe in NRW
Ein Grab für Mensch und Tier

Unser Hafen: Mensch-Tier-Friedhöfe in NRW
Judith Könsgen ist die Betreiberin des Friedhofs "Unser Hafen". In Braubach-Dachsenhausen (Rheinland-Pfalz) steht sie an einem Mustergrab des ersten Friedhofs für Mensch und Tier. FOTO: dpa, ade wst
Essen/Braubach. In Nordrhein-Westfalen können Urnen von Mensch und Tier jetzt gemeinsam im selben Grab bestattet werden. Nach Angaben der Betreiber hegen vor allem Alleinlebende diesen Wunsch. Die katholische Kirche übt Kritik. Von Simon Janssen

Was für einige Menschen ungewöhnlich oder gar pietätlos erscheint, ist für andere ein lang gehegter Wunsch, der jetzt realisierbar ist - die Beisetzung mit dem Haustier in einem gemeinsamen Grab. In der rheinland-pfälzischen Gemeinde Dachsenhausen bei Koblenz wurde der erste deutsche Friedhof eingeweiht, auf dem Mensch und Tier auch über den Tod hinaus verbunden sein können - auf einer rund 800 Quadratmeter großen Fläche. Träger ist die Deutsche Friedhofsgesellschaft. Essen zog als deutschlandweit zweiter Standort nach. Weitere Mensch-Tier-Friedhöfe seien nach Informationen des Betreibers bereits in Planung. "Wir stehen in Kontakt mit rund 50 Bestattern", sagt Wilhelm Brandt, Sprecher der Friedhofsverwaltung "Unser Hafen". Möglich seien ausschließlich Urnengräber. Die Überführung und Einäscherung von Mensch und Tier geschehe zudem immer getrennt. Auch die Trauerfeiern sollen an verschiedenen Orten stattfinden.

Bestattungen von Haustieren: Die wichtigsten Antworten

Nach dem NRW-Bestattungsgesetz ist das gemeinsame Grab von Mensch und Tier erlaubt: Es besagt, dass Träger von Friedhöfen die Urne mit der Asche eines Haustieres als Grabbeigabe gestatten können, wenn sie dies in ihrer Friedhofssatzung regeln - das ist bei den Mensch-Tier-Friedhöfen der Fall. Die Landesregierung legte dem neuartigen Projekt keine Steine in den Weg. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) erklärt zur Frage der gemeinsamen Bestattung von Mensch und Tier: "Ein Tier wird oft zum wichtigsten Begleiter der Menschen, insbesondere wenn sie im Alter ansonsten alleine leben würden. Nicht selten währt die Liebe zum Tier über den Tod hinaus."

Rolf Brandt, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Dellwig-Frintrop-Gerschede, findet lobende Worte für die positive Rückmeldung der Landesregierung: "Wir betreiben den Friedhof nicht selber, sondern haben lediglich eine Teilfläche verpachtet. Wir freuen uns aber über dieses Signal aus Düsseldorf und stehen als Gemeinde voll hinter diesem Konzept. Selbstverständlich gibt es für die Tiere keine pastorale Begleitung. Die Urne eines Tieres ist als Grabbeigabe zu sehen", so Brandt. Man wolle mit der Umsetzung dieses Projekts auf eine gesellschaftlich veränderte Realität eingehen, schließlich hegten viele Menschen den Wunsch, ihr Grab mit dem Haustier zu teilen.

Hintergrund: Das kosten verschiedene Bestattungsarten FOTO: Michael Reuter

Viel Lob für die neue Bestattungsart

Auch Judith Könsgen, Leiterin von "Unser Hafen", macht auf den durchaus traurigen Hintergrund der Mensch-Tier-Bestattung aufmerksam. Gerade für ältere Menschen sei heute oft das Tier der einzig verbleibende treue und nahe Begleiter, "da kann die Aussicht, den letzten Weg gemeinsam zu gehen, etwas sehr Tröstliches sein", so Könsgen. Möglicherweise gelinge es durch die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier sogar, sich dem oft verdrängten Thema Tod und Sterben neu zu nähern. Man sei immer wieder auf diese Form der Beisetzung angesprochen worden und habe sich nun entschlossen, diesen ungewöhnlichen Schritt zu gehen. Das zeige sich auch am Trend, dass viele Menschen die Asche ihres verstorbenen Haustiers zuhause aufbewahrten.

Das Bistum Essen äußert sich verhalten zu dem Thema. "Für viele Menschen haben Tiere eine besondere Bedeutung. Nichtsdestotrotz haben wir als katholische Kirche keinen Beerdigungsritus, der auch Tiere mit einbezieht. Uns steht jedoch nicht zu, diese Form der Bestattung zu bewerten. Auch, weil der Friedhof in Essen kein katholischer ist", erklärt Jens Albers vom Bistum Essen.

Das Bistum Limburg wird deutlicher: "Tiere werden zwar wie der Mensch als Geschöpfe Gottes verstanden, aber sie sind vom Menschen zu unterscheiden", erklärt Pfarrer Joachim Metzner, Leiter des Trauerzentrums St. Michael des Bistums Limburg in Frankfurt am Main. Diese Differenzierung solle sich auch in der Bestattungspraxis ausdrücken. Das geltende Kirchenrecht liste in seinem Register den Begriff "Tier" überhaupt nicht auf, also auch nicht im Zusammenhang mit Tod und Bestattung. Zu begrüßen sei es jedoch, wenn beispielsweise verstorbene Haustiere nicht wie eine Sache auf dem Müll entsorgt, sondern begraben würden, begleitet von einem Gebet.

Bei Facebook erntet die Einweihung der Mensch-Tier-Friedhöfe Zuspruch. "Ich bin sehr froh, dass meine Verfügungen im letzten Willen endlich auf offiziellem Weg erfüllt werden können. Danke", äußert sich eine Hundebesitzerin auf der Seite von "Unser Hafen". Ein weiteres "Frauchen" schreibt: "Das finde ich super! Ich habe zwei Urnen von meinen verstorbenen Haustieren bei mir zuhause und ich habe mir immer gewünscht, dass wir zusammen bleiben."

Quelle: RP
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