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Starkregen, Hagel, Gewitter
So hart traf das Unwetter unsere Region

Land unter in Köln nach Unwetter
Land unter in Köln nach Unwetter FOTO: Arton Krasniqi
Düsseldorf. Eine heftige Gewitterfront mit Starkregen ist über weite Teile von NRW gezogen. Es gab Überflutungen, Keller und Straßen standen unter Wasser. Köln war besonders betroffen. Mindestens vier Personen wurden verletzt. Ein Überblick.

Eine Unwetterfront mit Starkregen, Hagel und Sturm hat in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens für Chaos gesorgt. Bäume knickten um, Keller liefen voll. 

Vor allem Köln wurde vom Unwetter hart getroffen. Viele Unterführungen und ganze Straßenzüge standen unter Wasser. Zahlreiche Autos blieben liegen und mussten ins Trockene geschoben werden. In einer Tiefgarage stand das Wasser 1,50 Meter hoch; auch die U-Bahn-Station Geldernstr./Parkgürtel stand unter Wasser. Im Hauptbahnhof lief Wasser in Teile der Bahnhofshalle. Ursache war nach Angaben einer Bahnsprecherin ein verstopfter Abfluss. 

Fotos: Juli 2017 – Hitzegewitter zieht über NRW FOTO: dpa, mg vge

Mehrere Kölner Stadtviertel waren nach dem Unwetter von Stromausfällen betroffen. In Nippes, Ehrenfeld und an der Universität im Stadtteil Lindental sorgten mehrere Kurzschlüsse für ausgefallene Ampeln und dunkle Büros sowie Wohnungen. Die Notrufe seien seit etwa 17 Uhr eingegangen, Kunden hätten teils mehrere Stunden keinen Strom gehabt, sagte eine Sprecherin des Versorgers RheinEnergie unserer Redaktion. Drei Umspannwerke waren den Angaben nach betroffen. "Die Kunden sind weitestgehend wieder versorgt", sagte die Sprecherin. Einzig in Ehrenfeld dauerte die Störung am späten Mittwochabend noch an. 

Kirmes in Düsseldorf 2017 wegen Unwetter unterbrochen

Bis zum Abend zählte die Kölner Feuerwehr insgesamt knapp 550 unwetterbedingte Einsätze. Sie war mit 350 Kräften im Einsatz Der Flugbetrieb am Köln-Bonner Flughafen wurde für 90 Minuten unterbrochen, erst um 17 Uhr ging es weiter. Insgesamt 15 Flüge starteten verspätet, bei 14 Flügen verzögerte sich die Landung. Ein Flug nach München wurde gestrichen.

Auch in vielen anderen Städten der Region haben die Rettungsdienste mit den Auswirkungen des Unwetters zu kämpfen. Hier der Überblick:

Die Gewitterfront erreichte Mönchengladbach gegen 15.15 Uhr mit Starkregen. Im Gladbacher Stadtteil Odenkirchen wurde ein Mann von einem herabstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt. Der Mann war mit seinem Mountainbike in der Nähe eines Parks unterwegs und wurde von dem Unwetter überrascht. Inzwischen wird der Mann laut Polizei auf der Intensivstation eines Klinikums behandelt. 

Gegen 15.30 Uhr erreichte die Front dann den Westen Düsseldorfs. Die Rheinkirmes wurde aus Sicherheitsgründen geräumt. Die erwarteten starken Windböen ließen nichts anderes zu, sagte eine Sprecherin. Am frühen Abend nahm die Kirmes den Betrieb wieder auf.

Insgesamt kam Düsseldorf glimpflich davon. Bis zum Morgen meldete die Feuerwehr zehn Einsätze im Stadtgebiet. In Angermund, Oberkassel und Wersten knickten demnach Bäume und Äste ab und fielen auf Straßen. Verletzt wurde aber niemand, die Schäden wurden von der Feuerwehr beseitigt.  Trotz neuer Gewitter und Regens meldete die Feuerwehr in der Nacht und am Donnerstagmorgen keine weiteren gewitterbedingten Einsätze.

Die Städte Hilden, Langenfeld und Mettmann hingegen wurden schwerer vom Unwetter getroffen. Während des Starkregens gab es zahlreiche Ampelausfälle und überflutete Straßen. In Langenfeld steckte ein Auto in einer Unterführung an der Solinger Straße fest. In Mettmann standen Keller unter Wasser, auf den Straßen herrschte Verkehrschaos, wie unser Reporter meldete. Vielerorts drückte das Wasser durch die Toiletten nach oben und lief in Wohnungen. Die Feuerwehr rückte zu rund 150 Einsätzen aus.  

In Rheinberg schlug der Blitz in ein Haus ein. Der Dachstuhl wurde durch das Feuer nahezu vollständig zerstört. Der Bewohner des Hauses wurde durch das Ordnungsamt anderweitig untergebracht. Am Nachbarhaus entstand ebenfalls Schaden. Eine Person wurde durch Rauchgas leicht verletzt und vor Ort ambulant behandelt. Ein Feuerwehrmann verletzte sich bei den Löscharbeiten leicht. Der entstandene Sachschaden beträgt etwa 100.000 Euro.

Ab 15.30 Uhr zogen auch über Krefeld dunkle Wolken auf, eine Viertelstunde später prasselten Regen und Hagelkörner über der Innenstadt nieder. Die zuvor noch belebte Einkaufspassage war mit einem Schlag menschenleer, die Leute flüchteten sich in die Geschäfte, meldet ein Reporter vor Ort. In Rheinberg ist die Feuerwehr im Einsatz, nachdem der Blitz in ein Wohnhaus einschlug. Ein Feuerwehrmann sowie ein Bewohner erlitten Verletzungen. 

In Dortmund musste die Feuerwehr etliche Male zu vollgelaufenen Kellern und umstürzten Bäumen ausrücken. Eine 51 Jahre alte Frau wurde von einem umstürzenden Baum getroffen und erlag ihren schweren Verletzungen.

Auch in Leverkusen hinterließ das Unwetter Spuren. Die Opladener Fußgängerzone sei in Sekundenschnelle menschenleer gewesen, als das Unwetter aufzog, meldet unser Reporter, vereinzelt standen Straßenzüge unter Wasser. "Fast die gesamte Feuerwehr ist im Einsatz", sagt der Chef der örtlichen Feuerwehr, Hermann Greven. "Viele Keller im ganzen Stadtgebiet sind vollgelaufen."   

Die Unwetterfront kam aus Belgien, so dass es zunächst im Raum Aachen blitzte und regnete, wie ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sagte. Der Preis von Europa beim internationalen Reitturnier in Aachen (CHIO) wurde wetterbedingt nach 41 von 59 Reitern unterbrochen. Nach etwa 20 Minuten wurde der Wettkampf fortgesetzt. 

Die Gewitterfront zog in nordöstlicher Richtung über Nordrhein-Westfalen. Vielerorts ist die Kanalisation mit den Wassermassen überfordert, so etwa in Wuppertal, wo aus Gullis im Stadtteil Cronenberg Wasser auf die Straßen sprudelte. Ähnliche Szenen gab es in Leichlingen zu sehen.

Der Bahnverkehr in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens wurde durch das Unwetter beeinträchtigt. Nach Angaben der Deutschen Bahn fiel auf der Strecke von Bonn Richtung Koblenz ein Baum auf die Oberleitung. Züge fielen dadurch aus oder hatten Verspätung. Störungen gab es vor allem "im Rheinland und Richtung Ruhrgebiet", wie ein Sprecher sagte.
Es gebe Weichenstörungen und Signalstörungen unterschiedlichen Ausmaßes.

Einzelne Nutzer meldeten in sozialen Netzwerken den Ausfall der Mobilfunknetze. Der Telekom lagen auf Nachfrage bis zum Nachmittag aber keine Störungsmeldungen vor. Auch ein Vodafone-Sprecher sagte, die Lage sei nicht außergewöhnlich. Lediglich direkt in der Unwetterfront könne das Netz kurzzeitig ausfallen, wie etwa Satellitenfernsehen auch. Ein Sprecher von Telefonica erklärte indes, in Dortmund und Köln sei es zeitweise zu Ausfällen gekommen. 

Noch die ganze Nacht hindurch müsse mit schweren Sturmböen und Starkregen von 40 Litern pro Quadratmeter in ganz Nordrhein-Westfalen gerechnet werden, hieß es beim Deutschen Wetterdienst. Auch Hagel mit bis zu vier Zentimeter großen Körnern ist möglich, vereinzelt werden Orkanböen erwartet. Erst am Donnerstagnachmittag sei wieder mit einer Beruhigung zu rechnen. 

Überflutung in Langenfeld nach Unwetter FOTO: Patrick Schüller

Über 30 Grad Hitze am Mittwoch

Am Mittwoch herrschten tagsüber schwül-heiße Wetterbedingungen, stellenweise war es über 30 Grad heiß. Auch in der kommenden Nacht kühlt es laut DWD nicht stark ab, es werden 16 bis 20 Grad erwartet. Am Donnerstag bleibt es schwül, wird mit 24 bis 27 Grad aber etwas kühler. 

Rheinkirmes wegen Gewitter unterbrochen FOTO: Schraders

Der Freitag bringe ähnliche Temperaturen, sagte ein DWD-Meteorologe. Das Wochenende werde voraussichtlich wechselhaft mit Schauern.

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(rls/csi/siev/top/dpa)