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Start-ups aus NRW
Urlaubsguru.de erhält NRW-Gründerpreis 2016

Düsseldorf. Der Gründerpreis NRW geht dieses Jahr an das Reiseportal Urlaubsguru.de – ein innovatives Beispiel aus der Digitalwirtschaft urteilt die Jury. Rund 90 Start-ups und Gründer aus Nordrhein-Westfalen haben sich für den Preis beworben. Erlebnisunternehmer Jochen Schweizer spricht Gründern Mut zu, sich nicht ausbremsen zu lassen. Von Lisa Kreuzmann

Nach seinem Ausstieg als Juror bei der Vox-Gründershow "Die Höhle der Löwen" hat Eventunternehmer Jochen Schweizer viele nette Zuschriften erhalten. Man würde ihn künftig in der Show vermissen. "Das freut mich enorm", sagt Jochen Schweizer. Schließlich könne er manchmal wohl etwas harsch wirken.  "Man muss den Menschen die Wahrheit sagen", sagt der Investor. "Ich bin gerade aus und das scheint den Leuten zu gefallen."

Zur Verleihung des NRW-Gründerpreises 2016 in Köln ist Jochen Schweizer gekommen, um eine Rede zu halten, die Mut macht. Und das hat er auch getan. Ehrlich und realistisch. "Mein Leben war immer unsicher", leitet der Extremsportler die Motivationsrede ein, "und das ist es auch weiterhin, denn heute bin ich Unternehmer."

Urlaubsguru überzeugt mit Innovation, Platz zwei geht an einen Blumenladen

Der Gründerpreis NRW, der mit 10.000 Euro dotiert ist, geht in diesem Jahr an das Reiseportal Urlaubsguru.de. Daniel Krahn und Daniel Marx von UNIQ haben das Onlineportal 2012 gegründet, das Reisenden dabei hilft die günstigsten Angebote zu finden. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen mit Sitz in Holzwickede 140 Mitarbeiter und ist deutschlandweit bekannt. Auf Platz zwei landet in diesem Jahr ein Blumenladen aus Waltrop im nördlichen Ruhrgebiet. Inhaberin von Moderne Floristik Steinbrecher Birgit Honvehlmann überzeugte mit "engagierter Unternehmerpersönlichkeit, Kreativität und Fachkompetenz", urteilte die Jury. Ihr Betrieb wurde mit 6ooo Euro Preisgeld belohnt.  Der Erfolg gibt ihr Recht: Moderne Floristik Steinbrecher sorgt etwa bei Veranstaltungen von Borussia Dortmund dafür, dass alles hübsch aussieht.

Den dritten Platz belegt ein Elektrotechnikbetrieb und somit ein traditioneller Handwerksbetrieb.  Die Firma Schwalvenberg Elektrotechnik aus Essen wird mit 4000 Euro prämiert. Geschäftsführer Dirk Schwalvenberg gründete 2012. Das Unternehmen plant und baut elektrotechnische Anlagen für gewerbliche Kunden. Die Jury konnte Dirk Schwalvenberg mit seinem umfassenden Leistungsspektrum überzeugen, hieß es zur Begründung.  Bei der Auswahl der Preisträger hätten auch Aspekte wie Unternehmensphilosophie, Ansätze zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Übernahme ökologischer sowie gesellschaftlicher Verantwortung eine Rolle gespielt, erklärten die Veranstalter.

In NRW werden täglich 238 Existenzen gegründet

Der Gründergipfel NRW wird im fünften Jahr vom nordrhein-westfälischen Wirtschafsministerium gemeinsam mit der Förderbank NRW.Bank und dem Bundeswirtschaftsministerium ausgetragen. Im Anschluss findet die Preisverleihung des Gründerpreises NRW statt. Man habe eine Plattform für Gründer und Förderer in Nordrhein-Westfalen schaffen wollen, sagt Wirtschaftsminister Garrelt Duin bei der Eröffnung. Das müsse in Zukunft noch viel öfter geschehen. Und auch an Hürden müsse man arbeiten: "Gründen muss noch unbürokratischer werden", sagt der Minister.  Eine Firmengründung müsse an einem Tag abgeriegelt werden können, sagt Duin. Attraktivität und Modernität eines Wirtschaftsstandortes hingen schließlich ganz entscheidend davon ab, dass es Spaß mache zu gründen, sagt der Minister. Und daran wolle man weiter arbeiten.

Dass Nordrhein-Westfalen mit seinem Innovationspotenzial aber auch heute schon gut dastehe, freut den Minister. NRW sei "Spitzenreiter bei den Existenzgründungen".  2015 wurden in NRW im Schnitt täglich 238 Existenzen gegründet. Das sind 86.700 gewerbliche und freiberufliche Existenzen im Jahr. Jede vierte davon ein Unternehmen. Und das nicht nur im digitalen Bereich. "Wir wollen alle ermutigen sich selbstständig zu machen", sagt Minister Garrelt Duin. "Wer eine Bäckerei aufmachen möchte, bekommt die gleiche Unterstützung wie ein App-Entwickler." Und diese Vielfalt zeige sich auch in den Preisträgern. "Wir haben tolle Beispiele in NRW, auf die wir sehr stolz sind. Ich finde jede Gründungsgeschichte unglaublich spannend."

Sich für den Preis bewerben können Unternehmer und Freiberufler aus Industrie, Handwerk und Dienstleistung mit weniger als 250 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von maximal 50 Millionen Euro, die zwischen 2011 und 2014 gegründet haben.

"Wer gründet wird nicht mehr schief angeguckt"

Mehr als drei Milliarden Euro seien im vergangenen Jahr an Fördergelder geflossen, sagt Eckhard Forst, Vorsitzender der NRW.Bank. "Keine gute Idee darf an der Finanzierung scheitern", sagt Forst und möchte Gründer ermutigen, sich bei der Förderbank, aber auch beim Startercenter NRW in die Selbstständigkeit beraten und begleiten zu lassen. "Expertenwissen ist unglaublich wichtig", sagt auch Minister Duin und lobt den Kulturwandel: "Wer gründet wird heute nicht mehr schief angeguckt."

Als Jochen Schweizer in den 80er und 90er Jahren mit seinem Erlebnisgeschäft startete, war das noch etwas anders. "Erlebnisse sind kein Handelsprodukt", bremsten ihn private Geldgeber und Banken zunächst aus, erzählt Schweizer. "Kritik und Ablehnung für eine Vision zu erfahren kostet unglaublich viel Kraft", sagt der Investor. Sein Beispiel, so die Pointe seiner Rede, zeige aber, dass es sich lohne, den eigenen Kopf durchzusetzen. "Nie aufgeben", rät Jochen Schweizer. "Ängste überwinden, die eigenen Grenzen brechen. Nicht fürs Anfangen wird man belohnt, sondern fürs Durchhalten."

Eines sei aber ganz besonders wichtig, um langfristig Erfolg zu haben: "Man muss hundertprozentig bei der Sache sein", sagt Schweizer. Für ihn der Grund, warum er als Juror bei der "Höhle der Löwen" zukünftig nicht mehr dabei sein möchte. Der Geschäftsmann möchte sich neuen Feldern widmen und dafür brauche er Zeit und Energie. Seine neuste Multierlebnisdestination in München – die Jochen Schweizer Arena - soll im März 2017 eröffnet werden.

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