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Elfeinhalb Jahre Haft für Siegaue-Vergewaltiger
"Keine Strafe kann das wiedergutmachen"

Urteil nach Vergewaltigung von Camperin in Bonn: "Keine Strafe kann das wiedergutmachen"
Der Angeklagte wird vor der Urteilsverkündung in den Gerichtssaal in Bonn gebracht. FOTO: dpa, hka sab
Der Mann, der eine Camperin in der Siegaue bei Bonn vergewaltigt hat, muss elfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Angeklagte bestritt die Tat bis zuletzt. So mussten die Opfer aussagen und damit die Geschehnisse der Nacht noch einmal durchleben.  Von Marcel Hönighausen, Bonn

Vor Verhandlungsbeginn herrschte dichtes Gedränge an den Türen zum Gerichtssaal. Neben zahlreichen Zuschauern tummelten sich dort am Donnerstagmittag auch unzählige Kamerateams und Fotografen, die versuchten, einen Moment des Bedauerns, der Reue oder überhaupt irgendeine Regung im Gesicht von Eric X. zu entdecken und festzuhalten. Den 31-Jährigen im karierten Hemd führten Justizvollzugsbeamte in Handfesseln an seinen Platz auf der Anklagebank.

Der Prozess vor der 10. Großen Strafkammer des Bonner Landgerichts um die Vergewaltigung in der Siegaue in der Nacht zum 2. April dieses Jahres hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Eric X. wurde rund dreieinhalb Wochen nach Prozessbeginn nun wegen besonders schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit besonders schwerer räubersicher Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von elfeinhalb Jahren verurteilt. Die Oberstaatsanwältin hatte 13 Jahre gefordert.

Angeklagter nimmt Urteil still hin

Der Ghanaer nahm das Urteil stillschweigend und regungslos hin. Im laufenden Prozess hatte er ein ganz anderes Verhalten gezeigt. Da hatte er das Opfer als "Prostituierte" beschimpft, nachdem laut einem DNA-Gutachten des Landeskriminalamtes Spermienspuren am Vergewaltigungsopfer gefunden wurden, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Milliarden zu Eins dem 31-jährigen zuzuordnen sind.

Eric X. hatte ein in den Siegauen zeltendes Pärchen aus Freiburg zunächst überfallen und mit einer Astsäge bedroht. Für die Opfer sei es eine wahre Horrornacht gewesen, schildert Nebenklage-Vertreterin Gudrun Roth: "Sie wurden in einem geschützten Raum attackiert und mit einer Waffe bedroht, sie kamen sich vor wie zusammengepferchte Tiere in einem Käfig und fürchteten um ihr Leben." Erst forderte X. nur Geld und Wertsachen, dann zwang er die 23-jährige Frau zum Geschlechtsverkehr. Er vergewaltigte sie, mit der Astsäge griffbereit neben sich. Ihr 26-jähriger Freund blieb, nachdem das Opfer ihn gebeten hatte sich nicht zur Wehr zu setzen, im Zelt und alarmierte die Polizei.

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe bis zuletzt bestritten. Deshalb mussten die Studentin und ihr Freund in dem Prozess als Zeugen aussagen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dies sei eine zusätzliche Belastung für sie gewesen, sagte der Richter.

Opfer leiden noch unter den Folgen der Tat

So mussten die beiden Studenten die Nacht während des Prozesses noch einmal durchleben. Trotz der erdrückenden Beweislage gegen ihn, so der Vorsitzende Richter Marc Eumann, habe der Angeklagte die Chance nicht genutzt, ein Geständnis abzulegen, um "den Opfern eine für sie sehr belastende Vollaussage zu ersparen". Die Folgen der Nacht sind für das Paar immens: Angstzustände, durch medikamentöse Behandlung verursachte Gliederschmerzen und sogar Suizidgedanken hätten das 23-jährige Vergewaltigungsopfer geplagt. "Der gesamte Lebensplan, die gesamte Entwicklung der beiden sind in Abbruch geraten", sagte Eumann in der Urteilsbegründung.

Trotz dieser tragischen Folgen hält Nebenklage-Anwältin Roth eine Diskussion über die Höhe der Haftstrafe für unnötig: "Das Urteil ist zwar nun geringer als wir es gefordert hatten, aber auf diese schreckliche Tat ist dennoch eine Sanktion gefolgt. Es ist nicht so wichtig, wie lang sie letztlich ist, weil keine Strafe der Welt das wiedergutmachen kann, was geschehen ist."

Eric X., der durch Libyen und Italien nach Deutschland floh und ab dem 3. März in der Zentralen Unterbringungseinrichtung des Landes in Sankt Augustin lebte, hat die Tat bis zum Schluss des Prozesses bestritten. Gegen das Urteil wolle er laut seinem Anwalt Martin Mörsdorf Revision einlegen.

Mindestens die Hälfte der Haft muss X. – wenn das Urteil rechtskräftig werden sollte – in Deutschland verbüßen. Erst dann kann die Ausländerbehörde entscheiden, ob er in seine Heimat abgeschoben werden kann. Zwar erhielt er bereits am 23. März einen Abschiebe-Bescheid. Doch nachdem er einen Tag später dagegen Klage eingereicht hatte, ruhte das Verfahren.

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