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Christoph Paas
Deutschlands bester Vater

Vatertag: Deutschlands bester Vater
Füttern, Kinderwagen schieben oder nach Stürzen trösten - für den Instrumentenbauer Christoph Paas sind das Aufgaben, die er nicht missen will. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Köln. Viele Väter wünschen sich mehr Zeit mit ihren Kindern. Christoph Paas teilt sich die Elternzeit mit seiner Partnerin. Aber nicht nur deshalb wurde er zum deutschen Spitzenvater gekürt. Ein Ortsbesuch zum Vatertag. Von Leslie Brook

Über die Straße, durch eine Wohnanlage, ein Kinderkrankenhaus und zwei Parks führt der Weg zur "Kita Zipfelmützen" in Köln-Riehl. Christoph Paas genießt den rund 15-minütigen Gang durch die Frühlingsluft, obwohl er es eigentlich eilig hat. Denn Töchterchen Alva wartet in der Kita darauf, dass er sie abholt. Wobei, warten trifft es nicht ganz: Alva tobt in einer Matschhose - es ist mal wieder nicht ihre eigene, sagt Christoph Paas und lächelt - mit einer Spielfreundin auf der Außenanlage. Paas schnuppert kurz. Klarer Fall, die Dreijährige muss neu gewickelt werden. Schnell wechselt der 44-Jährige die Windeln. Dass er dabei Alvas kleine Schwester Noemi im Wickeltuch vor die Brust gebunden hat, scheint ihm dabei gar nichts auszumachen. Paas ist darin geübt, zwei Kleinkinder zu versorgen. Er füttert und wickelt sie, spielt mit ihnen, kocht Essen. Und hat eine Engelsgeduld dabei.

Macht das einen Spitzenvater aus? "Ich bin einfach gerne Vater, und ich glaube, dass ich deshalb auch ein guter Vater bin", sagt Christoph Paas, der von einer Jury zum diesjährigen deutschen Spitzenvater gekürt wurde. Der westfälische Pumpernickel-Bäcker Mestemacher vergibt die Auszeichnung unter Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. Für ihn besonders wichtig dabei: Er hat sich dafür entschieden, mit seinen Kindern viel Zeit zu verbringen - und zwar nicht nur am Wochenende oder während der inzwischen fast schon obligatorischen zwei Vätermonate. Mit seiner Partnerin Birgit Jansen teilt er sich die Elternzeit von insgesamt 14 Monaten. "Wir versuchen, das sehr flexibel zu gestalten", sagt die 37-Jährige. Beide sind selbstständig, sie arbeitet als Illustratorin, er als Instrumentenbauer. Meist bringt er Alva in die Kita, und Birgit holt sie dann ab. Die ein Jahr alte Noemi ist in der Eingewöhnung bei einer Tagesmutter. "Wir müssen jede Woche neu verhandeln - je nachdem, was ansteht", sagt Birgit Jansen. "Wir geben uns alle Mühe, und meistens gelingt es uns, es gut hinzukriegen."

Gemeinsames Ausruhen in der Vogelnestschaukel: Birgit Jansen (37), Alva (3), Silas (13), Christoph Paas (44), Noemi (1). Nicht im Bild: Dinah (17). FOTO: Bauer

Nicht nur Alva und Noemi gehören zur Familie, auch der 13-jährige Silas und die 17-jährige Dinah. Die Kinder aus der ersten Beziehung von Christoph Paas leben mit in der Vier-Zimmer-Altbauwohnung nahe dem Zoo. "Es war nicht leicht, eine große Wohnung für zwei Erwachsene und vier Kinder in Köln zu finden", sagt Paas. Dinah, die momentan ein Highschool-Jahr in den USA macht, hat ihr Zimmer in einem Anbau im Hof. Silas verbringt die halbe Woche bei seinem Vater und die andere Hälfte bei seiner Mutter, die im selben Viertel wohnt. "Ich habe mir immer jüngere Geschwister gewünscht", sagt der Junge, "und jetzt habe ich auf einmal zwei kleine Schwestern." Birgit habe er gleich als zweite Mutter akzeptiert, "sie ist einfach wahnsinnig nett", sagt er. "Stimmt's, Birgit!?", ruft er ihr zu. Dass es bei ihnen so unkompliziert läuft, findet er normal, auch dass sein Papa immer für seine Kinder da ist. "Mein Vater kümmert sich gut um uns, wenn irgendetwas ist, kommt er sofort" - das macht ihn in seinen Augen zum "besten Papa".

Als Dinah vor 17 Jahren geboren wurde, war Christoph Paas - damals noch fest bei einem Orgelbauer angestellt - der Erste in der Firma, der Elternzeit beantragte. "Damals war ich ein echter Exot und bin von älteren Kollegen komisch angeschaut worden", sagt Paas. Das Vaterbild habe sich gewandelt im Vergleich zur vorherigen Generation, stellt er fest. So wäre es für seinen Vater oder den seiner Frau nie infrage gekommen, zu Hause zu bleiben.

Doch in der Praxis wird von der Möglichkeit, dass Väter Elternzeit nehmen, noch immer zu wenig Gebrauch gemacht. Eine aktuelle Studie von Infratest dimap im Auftrag des WDR hat ergeben, dass 68 Prozent der Väter in NRW für ihr zuletzt geborenes Kind keine Elternzeit genommen haben - aber nicht, weil sie nicht wollten. 60 Prozent dieser Väter hätten das gern gemacht, und fast alle Väter, die Elternzeit genommen haben, hätten diese gerne verlängert. Auch Christoph Paas möchte die Zeit mit seinen Kindern nicht missen. "Sie werden so schnell groß, man verpasst so viel in der Entwicklung, wenn man Vollzeit arbeiten geht", sagt er. Und genau deshalb verurteilt er die von vielen belächelten zwei "Vätermonate" auch nicht. Er hofft, dass viele erkennen, wie bereichernd die Zeit zu Hause mit den Kindern ist. "Und vielleicht überlegt sich der ein oder andere dann beim nächsten Kind, diese Zeit zu verlängern."

Die eine Tochter anziehen, die andere tragen, stellt für den Kölner kein Problem dar. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Für ihn die wichtigste Voraussetzung dafür: Frauen und Männer müssen bei gleicher Qualifizierung auch gleich bezahlt werden. Da das noch immer häufig nicht der Fall sei, sei die Entscheidung, ob und wie lange wer zu Hause bleibt, in vielen Familien vor allem eine finanzielle. Und das sollte sie nicht primär sein, findet Paas. Auch das Familienministerium NRW nennt als Hauptgrund für die geringe Nachfrage nach dem Elterngeld auf Seiten der Männer den niedrigen Beschäftigungsgrad der Mütter. Was den Vätern laut Studie bei ihrem Wunsch nach mehr Elternzeit außerdem im Weg steht: Zum einen wollte die Partnerin die Elternzeit ganz ausnutzen (38 Prozent). Fast gleichbedeutend sind aber berufliche Gründe (37 Prozent). Nur wenige Väter reduzieren für die Kinder ihre Arbeitszeit (19 Prozent).

Für Christoph Paas ist die Elternzeit kostbar - dadurch werde die Bindung gestärkt. Mit seinen größeren Kindern unternimmt er bewusst auch separat etwas. Dann machen er und Silas einen "Männerausflug", gehen zum Beispiel ins Kino oder besuchen ein Spaßbad. "Oft machen wir aber auch alle was zusammen", erklärt Silas. Viel Zeit verbringt Christoph Paas zudem auf dem Spielplatz. Alva ist mit dem Laufrad unterwegs, die einjährige Noemi schlummert im Wickeltuch. Der vierfache Vater setzt sich auf die Bank, dann muss er die Mädchen trösten. Noemi hat ihren Schnuller verloren, Alva ist mit ihrem Laufrad gestürzt. So was in der Art passiert täglich, sagt Paas gelassen. Auch wenn die Kinder krank sind, kümmert er sich - laut einer Studie machen das nur 30 Prozent der Väter.

Silas kümmert sich öfter auch um die jüngeren Schwestern, hier mit der jüngsten, Noemi. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Alva trifft einige Kita-Freunde wieder. Der Schmerz ist schnell vergessen. Christoph Paas füttert Noemi und denkt an seine Werkstatt, an die Aufträge, die er noch fertig stellen will. Noch befindet sich sein Unternehmen im Aufbau. Paas hat sich spezialisiert auf das argentinische Tangoinstrument Bandoneon. "Es war schon immer mein Traum, diese Instrumente zu fertigen", sagt der Kölner, der seine Partnerin auch beim Tangotanzen kennengelernt hat. Natürlich sei es nicht immer leicht, sich auf die anspruchsvolle Arbeit zu konzentrieren, "denn wenn ich arbeite, bin ich in Gedanken zur Hälfte bei der Familie". Oftmals arbeitet das Paar noch spätabends, wenn die Kinder schlafen. "Anders geht es nicht", sagt Paas.

Doch das ständige Planen und Organisieren, damit Rechte und Pflichten möglichst gerecht verteilt sind, ist es ihnen wert. "Jeder kann sich auf diese Weise verwirklichen, im Beruf entfalten wir uns, und in der Familie erfahren wir Geborgenheit", sagt Paas. "So haben wir das Beste aus beiden Welten."

Quelle: RP
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