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So bestreikt Verdi die Region
Verdi legt am Dienstag Busse und Bahnen in NRW lahm

Verdi legt am Dienstag Busse und Bahnen in NRW lahm
In Düsseldorf sollen am Dienstag fast alle Bahnen stillstehen. FOTO: dpa, mg fpt
Düsseldorf. Die Gewerkschaft Verdi lässt die Muskeln spielen. Am Dienstag werden vor allem Berufspendler von dem Warnstreik betroffen, am Mittwoch dann Flugreisende. Zahlreiche Städte der Region sind betroffen. Ein Überblick. Von Thorsten Breitkopf und Maximilian Plück

Die Liste der teilnehmenden Streikbetriebe für den Dienstag ist lang: In Düsseldorf werden alle Straßen- und U-Bahnen der Rheinbahn ab drei Uhr nachts für die nächsten 24 Stunden nicht fahren, davon betroffen sind auch Nachbarstädte im Umland wie Ratingen oder Krefeld. Mit Hilfe von Fremdfirmen will das Unternehmen einzelne Buslinien aufrechterhalten.

Wir berichten im Liveblog von Streik am Dienstag 

Neben den Hallenbädern sind auch viele Kindertagesstätten, und die Info-Büros sowie die Hotline der Stadtwerke geschlossen. Bei der Stadtverwaltung ist mit Verzögerungen zu rechnen, die Müllabfuhr fährt nicht. Die Streikenden werden ab acht Uhr von drei verschiedenen Betrieben in Düsseldorf durch die Innenstadt zum Burgplatz vor dem Rathaus ziehen. Dort findet die zentrale Kundgebung statt, bei der Verdi-Chef Frank Bsirske sprechen wird. Die Veranstalter erwarten mehr als 10.000 Teilnehmer. 

Als Ausrede für ein verspätetes Erscheinen bei der Arbeit dienen die Warnstreiks nicht: Das Risiko der Wege zur Arbeit trägt der Arbeitnehmer. Wer zu spät erscheint, dem darf anteilig der Lohn gekürzt werden – es sei denn, der Arbeits- oder Tarifvertrag sieht besondere Regelungen vor, es ist Gleitzeit vereinbart oder der Arbeitgeber zeigt sich kulant.

Auch Kitas machen dicht

Nach Angaben von Dominik Kofent, Vize-Geschäftsführer des Bezirks Linker Niederrhein, wird in Mönchengladbach überhaupt kein öffentlicher Personennahverkehr angeboten, in Krefeld und Moers würden zwar einige Strecken von Subunternehmern bedient, aber auch hier komme es zu "erheblichen Einschränkungen im ÖPNV".

In Moers wird zudem jede zweite Kita komplett geschlossen, in den geöffneten Einrichtungen gebe es Notgruppen. Auch in Krefeld und Gladbach müssen sich Eltern von Kindergartenkindern unter Umständen nach Alternativen umsehen: "Seit wir am Donnerstagabend den Streikbeschluss hatten, ändert sich die Zahl der teilnehmenden Einrichtungen von Minute zu Minute. Einen zuverlässigen Überblick könnten wir frühestens am Dienstagmorgen liefern – das ist dann für viele Eltern aber zu spät", sagt Kofent. Er rät den Eltern dazu, sich vorab in den Einrichtungen zu informieren, ob diese öffnen. 

In Moers streikt auch die Müllabfuhr

Neben den Kitas werde auch in den Stadtverwaltungen gestreikt, in Moers sei zudem die Müllabfuhr betroffen. Der Rhein-Kreis Neuss kommt vergleichsweise glimpflich davon. Nach Angaben von Kofent habe man sich auf die Streikschwerpunkte Gladbach, Krefeld und Moers geeinigt – "um steigerungsfähig zu bleiben". Im Rhein-Kreis sind deshalb "nur" die Stadtwerke Neuss und die Stadtverwaltungen in Korschenbroich und Neukirchen-Vluyn betroffen.

In Duisburg trifft es den ÖPNV

Im Verdi-Bezirk Duisburg-Niederrhein liegt nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Keuer ein Schwerpunkt auf dem ÖPNV in Duisburg. Dort werden keine Bahnen und keine Busse fahren. Auch die Müllabfuhr sei betroffen.

In Voerde und Kleve werden die Stadtverwaltungen einbezogen, die Umweltbetriebe in Kleve sowie die Kreisverwaltung in Wesel. Zwar liege der Schwerpunkt explizit nicht auf den Kitas, sagt Keuer: "Es gibt aber ein paar Einrichtungen, die kann man nicht bremsen." Vereinzelt würde dort gestreikt, einen Komplettüberblick gebe es jedoch im Augenblick nicht.   

Auch die Sparkasse wird bestreikt

Lothar Reitzer, vom Bezirk Rhein-Wupper, erklärt, dass in den Stadtverwaltungen von Monheim, Langenfeld, Leverkusen, Solingen und Remscheid gestreikt werde. In Solingen wird auch bei der Energieversorgung, den Verkehrsbetrieben, der Entsorgung, den Behindertenwerkstätten und der Agentur für Arbeit gestreikt.

In Remscheid sind die Energie- und Wasserversorgung, die Stadtwerke, die Verkehrsbetriebe und die Stadtsparkasse Teil des Warnstreiks. In Leverkusen die Entsorgung und die Energieversorgung. In Langenfeld kommt das Landeskrankenhaus hinzu.  

Verdi hat zudem die tarifbeschäftigten, Azubis und Praktikanten der Städte Haan, Wülfrath, Mettmann, Velbert und Heiligenhaus, sowie die Beschäftigten deren Stadtwerke, Eigenbetriebe und Tochtergesellschaften zu den Warnstreiks aufgerufen. Auch bei der Mettmanner Kreisverwaltung, beim Rheinisch-Bergischen Wasserverband, im Klinikum Niederberg, bei den Berufsgenossenschaften und der Sparkassen im Kreis Mettmann soll die Arbeit ruhen.   

Verzögerungen am Flughafen Düsseldorf

Für den Mittwoch von 3 Uhr bis 14 Uhr hat Verdi zudem einen Warnstreik am Düsseldorfer Flughafen angekündigt. Bestreikt werden dabei Bodendienst, Verwaltung und Servicewerkstätten, nicht aber die Personenkontrollen, die von einer privaten Firma betrieben werden.

Ein Flughafensprecher sagte unserer Redaktion, man arbeite daran, die Auswirkungen für die Kunden so gering wie möglich zu halten. "Ehrlicherweise müssen wir aber sagen, dass es zu Verzögerungen kommen wird, da der Flugplan so eng getaktet ist." Der Sprecher riet Reisenden dazu, sich bei den Fluggesellschaften über mögliche Ausfälle und Verspätungen zu informieren. Zudem sollten sie mehr Zeit einplanen. 

Am Abend kündigte die Lufthansa für den Mittwoch massive Flugausfälle an. Alle Interkontinentalflüge von und nach München würden gestrichen, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Es werde nur rund 90 Flüge von und nach München geben. Auch an den Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund und Hannover-Langenhagen kommt es demnach zu Annullierungen. Die Lufthansa veröffentlichte am Montagabend einen Sonderflugplan.

Ab Donnerstag wird verhandelt

Auslöser für die massiven Warnstreiks sind die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Die Gewerkschaften verlangen sechs Prozent mehr Gehalt für die rund 2,14 Millionen Tarifbeschäftigten. Ein Abschluss soll zeitnah auch auf die Bundesbeamten übertragen werden.

Die Arbeitgeber haben zuletzt zwar drei Prozent geboten – allerdings gestaffelt über zwei Jahre. Zudem verlangen die Arbeitgeber Einschnitte bei der betrieblichen Altersversorgung. Verhandelt wird am Donnerstag und Freitag in Potsdam.

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