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Verdünnte Krebsmittel
Apotheker schweigt und bleibt länger in U-Haft

Verdünnte Krebsmittel: Apotheker schweigt und bleibt länger in U-Haft
Nach der Durchsuchung dieser Apotheke war Peter S. vor über einem halben Jahr in Untersuchungshaft gekommen. FOTO: dpa
Bottrop. Der Bottroper Apotheker, der massenhaft Krebsmedikamente in betrügerischer Absicht zu niedrig dosiert haben soll, muss länger in Untersuchungshaft sitzen als üblich. 

Die Staatsanwaltschaft hat beim Oberlandesgericht (OLG) Hamm erfolgreich eine Verlängerung über die normalen sechs Monate hinaus erreicht.

Der Mann sitzt seit Ende November in Haft. Ihm werden Abrechnungsbetrug und Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vorgeworfen. Er soll bei mehr als 50.000 Infusionen die Wirkstoffe zu gering dosiert und Krankenkassen um 2,5 Millionen Euro betrogen haben. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde dadurch die Qualität der Präparate gravierend gemindert oder völlig aufgehoben. Der Apotheker schweigt zu den Vorwürfen. Aufgeflogen war die Sache Ende 2016.

Nach dem bisherigen Ermittlungsergebnis sei der Beschuldigte dringend verdächtig, erklärte das OLG Hamm seine Entscheidung in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung. Es bestehe Fluchtgefahr, weil der Mann mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen müsse. Außerdem sei es nicht möglich gewesen, schneller zu ermitteln.

Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft ist es unter anderem schwierig nachzuweisen, welche oder ob alle Patienten gestreckte Infusionen bekamen, und ob es Folgen hatte.

In Deutschland versorgen Onkologie-Schwerpunktapotheken Patienten nach erfolglosen Standardtherapien individuell mit Medikamenten.

(felt/lnw)
 
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