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"Terre des femmes"
"Frauen können genauso gut schießen wie Männer"

Verein "Terre des femmes" fordert Gleichberechtigung in Schützenvereinen
Christa Stolle sprach mit unserer Redaktion. FOTO: TERRE DES FEMMES
Düsseldorf. Der Vorstoß, rein männlichen Schützenvereinen den Status der Gemeinnützigkeit zu entziehen, ist vorerst vom Tisch. Die Debatte um weibliche Schützen geht indes weiter. Der Verein "Terre des femmes" sieht keinen Grund dafür, warum Schützenvereine keine Frauen aufnehmen sollten.   Von Jessica Kuschnik

Bei einem Schützenverein handelt es sich um einen Freizeitverein – das sieht zumindest der Verein "Terre des femme" so, der sich für die Rechte von Frauen einsetzt. "Deshalb gibt es keinen Grund, warum dort patriarchale Strukturen aufrecht erhalten werden und keine Frauen aufgenommen werden sollten", sagt die Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle.

Am Dienstag war bekanntgeworden, dass ein Finanzamt in Meschede den Sauerländer Schützenverein aufgefordert hatte, seine Satzung dahingehend zu ändern, auch Frauen als Mitglieder zuzulassen. Andernfalls würde ihnen die Gemeinnützigkeit entzogen.

NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) hat diesen Vorstoß inzwischen ad acta gelegt. Die Diskussion um die Öffnung der Vereine aber geht weiter. Sowohl der Finanzminister als auch der Bund der historischen Schützenbruderschaften (BDHS), dem 1300 Vereine in den Bistümern zwischen Trier und Paderborn angehören, begrüßten die Idee. Der BDHS verstehe aber auch, wenn sich Vereine aus Gründen der Tradition nicht für Frauen öffneten.

Das sieht Christa Stolle anders. "Frauen können genauso gut schießen wie Männer", sagt sie. Ziel müsse es sein, "keine Segregation der Gesellschaft zu haben. Frauen und Männer sollten zusammen ihre Freizeit verbringen oder zusammen feiern können".

Wäre die Forderung der Finanzbeamten anders als nun geschehen durchgesetzt worden, hätten auch Frauenvereine um ihre Gemeinnützigkeit bangen müssen, sagen die Schützen. Der Verein "Terre des femme" grenzt jedoch Schützenvereine ganz klar von Frauenrechtsvereinen ab. "Solange es Gewalt an Frauen und eine sexistische Gesellschaft gibt, in der Frauen nach wie vor nicht auf allen Gebieten gleichberechtigt sind, muss es  geschützte Räume für Frauen geben", sagt Stolle.

Dazu gehörten Gruppen, in denen Frauen unter sich offen über Gewalt in Beziehungen sprechen können. "Dies gilt auch für Männergruppen, die über ihre Beziehungen sprechen wollen", sagt sie. Es müsse von Fall zu Fall entschieden werden, ob es Sinn macht, zwischen den Geschlechtern zu trennen. "Auch wir haben schon oft darüber diskutiert, ob unser Verein sich Männern öffnen soll. In unseren Städtegruppen haben wird dies bereits realisiert. Dort arbeiten Männer mit."

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