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Urteil in Bonn
Vergewaltiger aus Troisdorf muss 10,5 Jahre in Haft

Vergewaltiger aus Troisdorf muss zehneinhalb Jahre in Haft
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Bernd Arnold. FOTO: Hauser
Bonn. Vor dem Bonner Landgericht ist ein 33-Jähriger wegen besonders schwerer Vergwaltigung in drei Fällen zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Troisdorfer hatte im Verfahren kein Geständnis abgelegt.  Von Claudia Hauser, Bonn

Reinen Tisch wollte Alex S. (Name geändert) im Prozess vor dem Bonner Landgericht nie machen. Der 33-Jährige wollte aber auch nicht schweigen, was sein gutes Recht gewesen wäre als Angeklagter. Nein, vielmehr tischte er dem Gericht eine absurde Geschichte auf – mit ihm selbst als Frauenheld in der Hauptrolle, der bis zu 100 One-Night-Stands pro Jahr hatte, gern unter freiem Himmel, gern ohne Kondom. Und deshalb sei in ganz Troisdorf seine DNA verteilt.

Am letzten Prozesstag fand der Vorsitzende Richter der 10. Großen Strafkammer, Dr. Marc Eumann, deutliche Worte und nannte die Einlassung des Angeklagten "schlicht Bullshit". Das Gericht verurteilte Alex S. wegen besonders schwerer Vergewaltigung in drei Fällen zu einer Haftstrafe von zehneinhalb Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch 13 Jahre gefordert. 

Entwürdigende Taten

Besonders schwer wiegen die drei Taten, weil S. seine Opfer mit einem Messer bedrohte. Die Kammer wertete außerdem strafschärfend, dass S. die drei Frauen nach den Taten zusätzlich entwürdigte, indem er ihnen auch noch ihr Geld abnahm.

Die Taten liegen lange zurück. Am 30. April 2012 ging das erste Opfer, eine 23-Jährige, nach ihrer Schicht bei McDonald's gegen 1.30 Uhr in Troisdorf nach Hause, als Alex S. sie von hinten packte, ihr den Mund zuhielt und sie ins Dunkle zerrte. Die Frau erinnert sich noch heute an das Rappeln des Maschendrahtzauns, gegen den der Täter sie drückte. Er zwang sie zum Sex, nahm ihr etwa 50 Euro ab und fragte sie: "Haben deine Eltern dir nicht beigebracht, dass man nicht allein im Dunkeln rumläuft?"

Als die junge Frau in der Nacht auf einer Wache Anzeige erstatten wollte, kippte sie erst einmal um. Noch heute hat sie Panikattacken und Schlafstörungen.

Alle drei Opfer mussten im Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen, weil S. kein Geständnis abgelegt hat.

Die zweite Tat fand etwa fünf Monate später statt. Anfang Oktober 2012 war eine 29-Jährige am hellen Vormittag auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle in Spich, als der schwarz maskierte Alex S. sie von hinten anfiel und auf eine Wiese zog. Er zwang sie zum Oralsex, ließ sich fünf Euro geben – mehr hatte sie nicht dabei – und drohte ihr: "Wenn du die Polizei rufst, bringe ich dich um!"

Die Frau rannte den ganzen Weg zur Arbeit und vertraute sich dort ihrer Mutter an. Auch sie leidet fünf Jahre später noch an den Folgen, sie traut sich nicht mehr, mal eine Freundin in einer anderen Stadt zu besuchen, kann sich nur schwer konzentrieren und trägt keine körperbetonte Kleidung mehr.  

DNA-Spuren überführten ihn

Nur einen Tag später lauerte S. seinem dritten Opfer auf. Die 28-Jährige hatte in Siegburg mit Freunden etwas getrunken und war morgens um 4 Uhr auf dem Heimweg in Troisdorf. Sie lebte damals mit ihren beiden Kindern in einem Frauenhaus. S. schlich sich wieder von hinten an und vergewaltigte sie in einem Garten. Bevor er flüchtete, nahm er ihr Zigaretten und Geld ab und warf ihr eine Zigarette hin. Die Frau kommt bis heute nicht damit klar, warum sie zum Opfer wurde. Im Prozess sagte sie, sie funktioniere nur noch wegen der Kinder.

An allen Tatorten konnten die Ermittler damals DNA-Spuren des Täters sichern. Doch erst fünf Jahre später kamen die Fahnder auf die Spur von Alex S., nachdem er bei einem Einbruch gefasst worden war und seine DNA abgeglichen wurde.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem Angeklagten eine narzisstisch-dissoziale Persönlichkeitsstörung bescheinigt, ihn aber als voll schuldfähig eingestuft. Richter Eumann sagte: "Es ist jenseits von normal, dass jemand sich selbst derart toll findet und sich nur um sich selbst dreht."

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S. hat seit 2006 nicht mehr gearbeitet, früher hatte er mal einen Job als Gabelstaplerfahrer. Ihm scheint erst an diesem letzten Prozesstag klar zu werden, was für ihn die ganze Zeit auf dem Spiel stand. Während er im Verfahren immer wieder belustigt wirkte, standen ihm nun die Tränen in den Augen. 

 
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