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Verkehr in NRW
Mangel an Bauarbeitern bremst Sanierungen von Straßen aus

Sommerbaustellen 2017: Hier wird es eng auf den Autobahnen
Sommerbaustellen 2017: Hier wird es eng auf den Autobahnen
Düsseldorf. Die neue Landesregierung hat weniger Staus durch bessere Organisation der Baustellen versprochen. Fachkräfte dafür aber fehlen - das gefährdet wichtige Projekte. Hilfe könnte aus dem Ausland kommen. Von Christian Schwerdtfeger

Auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen herrscht nach Informationen unserer Redaktion auf vielen Baustellen Stillstand, weil qualifizierte Arbeiter fehlen. Es gehe um Hunderte Arbeitskräfte, hieß es aus Kreisen der Bauindustrie. Andere Experten gehen sogar von einer vierstelligen Zahl aus.

"In NRW fehlen massiv Bauarbeiter für die vielen Autobahnbaustellen, geplanten Sanierungen und Neubauten an allen Ecken und Kanten. Das ist ein sehr großes Problem", bestätigte der Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. Wegen des Fachkräftemangels sei es auch nicht möglich, nachts und in den Abendstunden auf den Autobahnen zu bauen, so der Verkehrsexperte.

120 Baustellen gleichzeitig

Hinzu kommt: Die Zahl der Großbaustellen auf den Autobahnen im Land ist derzeit zu hoch. "Wir haben aktuell 120. Normal sind etwa 100 gleichzeitig", sagte Ingrid Scholtz vom Landesbetrieb Straßen NRW.

Der Engpass ist eine schwere Hypothek für die Verkehrspolitik der neuen schwarz-gelben Landesregierung - sie ist unter anderem mit dem Versprechen angetreten, Staus durch bessere Organisation zu reduzieren. "Die staubedingten Belastungen der Bürger sowie der Unternehmen wollen wir auch durch eine Optimierung des Baustellenmanagements reduzieren", heißt es im Koalitionsvertrag. "Die Ausnutzung der Tageshelligkeit und die Sechs-Tage-Woche" müssten zur Regel werden - wofür nun offenbar die Arbeitskräfte fehlen. Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) wollte sich noch nicht äußern. Nach Informationen unserer Redaktion aus Regierungskreisen gibt es allerdings Überlegungen, Bauarbeiter sogar aus dem Nicht-EU-Ausland anzuwerben - in der EU seien Arbeiter nicht zu bekommen.

Denn sollte sich nicht schnell etwas ändern, kann nach Einschätzung von Experten voraussichtlich auch der NRW betreffende Teil des Bundesverkehrswegeplans 2030 nicht eingehalten werden. Der Plan sieht vor, in den nächsten 13 Jahren besonders notwendige Straßenbauarbeiten zu erledigen und Engpässe zu beseitigen. Für NRW sind unter anderem der Neubau der maroden Rheinbrücken in Leverkusen und Duisburg sowie der Ausbau der A 52 bei Mönchengladbach vorgesehen.

Hauptursache für die Misere ist offenbar ein massiver Abbau von Arbeitsstellen bei den Baufirmen in den vergangenen Jahren. "Dazu kommt jetzt, dass die Investitionen des Bundes massiv nach oben gegangen sind, die Unternehmen aber so schnell nicht genügend neue Mitarbeiter finden können", sagte ein Sprecher des Bauindustrieverbands NRW. "Der demografische Wandel trifft auch die Bauwirtschaft. Für uns ist es schwieriger als früher, junge Leute für die Baubranche zu gewinnen", sagte der Sprecher. "Mit der neuen Landesregierung müssen wir nun Lösungen finden."

Großer Nachholbedarf

Außer an Bauarbeitern mangelt es auch an Ingenieuren für die Autobahnbaustellen. "Da haben wir großen Nachholbedarf. Wir brauchen allein jedes Jahr 100 neue Ingenieure. Die zu bekommen, ist sehr schwer, weil wir auf dem freien Markt um sie kämpfen müssen", begründete Ingrid Scholtz von Straßen NRW: "Und der Markt ist leergefegt." Der Mangel an Planern führt nach Angaben des Bauindustrieverbands dazu, dass Fördergelder des Bundes nicht abgerufen werden können. "So hat Bayern zum Beispiel fertige Projekte für eine Milliarde Euro in der Schublade liegen", sagte der Sprecher. "Die Schubladen in Nordrhein-Westfalen sind immer noch so gut wie leer."

Quelle: RP
 
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