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Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands
So verteilt sich die Armut in NRW

Verteilung der Armut in NRW
Ein Sozialkaufhaus in Rostock. Mecklenburg-Vorpommern hat laut dem Bericht – wie Sachsen-Anhalt – eine Armutsquote von 21,3 Prozent. Nur in Bremen ist sie noch höher. FOTO: dpa, jbu lre cul
Düsseldorf. Als "Problemregion Nummer Eins" bezeichnet der Paritätische Wohlfahrtsverband das Ruhrgebiet. Jeder fünfte Einwohner dort müsse inzwischen zu den Armen in Deutschland gezählt werden, heißt es im aktuellen Armutsbericht. Aber wie sieht es in NRW insgesamt aus? Und was heißt eigentlich arm? Von Dana Schülbe

Der Anteil der Armen in Deutschland ist nur minimal gesunken – um 0,1 Punkte auf 15,4 Prozent. Das geht aus dem Jahresbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde (PDF). Dabei beruft sich der Verband auf Daten des Mikrozensus 2014. Während die Armutsquote in neun Bundesländern gesunken ist, nahm sie in Bayern (von 11,3 auf 11,5 Prozent und in NRW (von 17,1 auf 17,5 Prozent) zu. Schlusslicht ist übrigens Bremen mit einer Quote von 24,1 Prozent, NRW liegt auf Platz 8.

Überhaupt, so heißt es vonseiten des Verbandes, sei NRW auf mehrjährige Sicht das Land mit der schlechtesten Entwicklung. Und das liege vor allem am Ruhrgebiet und den dortigen Strukturproblemen. "Jeder fünfte Einwohner dieses größten Ballungsraums Deutschlands muss mittlerweile zu den Armen gezählt werden", sagte Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider bei der Präsentation des Berichts. Erstmals sei im Ruhrgebiet die 20-Prozentmarke erreicht worden.

Aber auch andere Regionen in NRW verzeichnen laut Bericht einen Zuwachs bei der Armutsquote, wie dieser Überblick zeigt.

  • Region Aachen: 19,7 Prozent (2013: 17,9 Prozent; 2005: 16,8 Prozent)
  • Region Arnsberg: 13,8 Prozent (2013: 12, 8 Prozent; 2005: 13,5 Prozent)
  • Region Bielefeld 15,7 Prozent (2013: 15,6 Prozent; 2005: 13,9 Prozent)
  • Region Bochum/Hagen: 18,7 Prozent (2013: 18,7 Prozent, 2005: 15,1 Prozent)
  • Region Bonn: 13,4 Prozent (2013: 14,5 Prozent; 2005: 11,5 Prozent)
  • Region Dortmund: 22,0 Prozent (2013: 21,4 Prozent; 2005: 17,4 Prozent)
  • Region Duisburg/Essen: 19,3 Prozent (2013: 18,9 Prozent; 2005: 15,5 Prozent)
  • Region Düsseldorf: 16,9 Prozent (2013: 16,3 Prozent; 2005: 13,9 Prozent)
  • Region Emscher-Lippe: 21,1 Prozent (2013: 21,1 Prozent; 2005: 17,7 Prozent)
  • Region Köln: 19,3 Prozent (2013: 18,9 Prozent; 2005: 13,8 Prozent)
  • Region Münster: 15,1 Prozent (2013: 14,6 Prozent; 2005: 11,5 Prozent)
  • Region Paderborn: 17,3 Prozent (2013: 14,2 Prozent; 2005: 17,0 Prozent)
  • Region Siegen: 14,6 Prozent (2013: 13,1 Prozent; 2005: 9,1 Prozent)

Der Report greift auch die Armutsquoten einiger Großstädte heraus, darunter fünf Städte aus NRW. Am schlechtesten von diesen Städten steht Duisburg mit einer Quote von 24,8 Prozent (2013: 24,3 Prozent) da, gefolgt von Dortmund mit 23,5 Prozent (2013: 25,9 Prozent). In Köln sank die Quote von 21,5 Prozent auf 20,5 Prozent, in Essen und Düsseldorf stieg sie – von 20,6 auf 20,8 Prozent beziehungsweise von 16,7 auf 17,7 Prozent.

Nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sind insbesondere Alleinerziehende, Erwerbslose und Rentner armutsgefährdet. Zudem liege die Kinderarmusquote mit 19 Prozent weiter deutlich über dem Durchschnitt. Aber was genau ist eigentlich Armut? Wie wird diese bemessen? Definitionen dafür gibt es mehrere.

EU-weit gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Dabei werden einzelne Haushalte und die darin lebenden Personen gezählt. Definiert wird dies als "relative Armutsquote". Die liegt für einen Single bei 917 Euro im Monat, für ein alleinerziehendes Elternteil mit einem Kind unter sechs Jahren bei 1192 Euro und für eine Familie mit einem kleinen Kind bei 1651 Euro. Diese Daten nutzt auch der Paritätische Wohlfahrtsverband. Einbezogen wird das Nettoeinkommen eines Haushaltes inklusive solcher Leistungen wie Kindergeld oder Wohngeld. 

Die Frage nach einer regionalen Quote

Der Verband weist in seinem Bericht auch daraufhin, dass immer wieder die Frage aufkomme, warum es eine einheitliche Armutsschwelle für ganz Deutschland gebe. Denn schließlich sind die Lebenshaltungskosten in den verschiedenen Regionen völlig unterschiedlich – angefangen bei den Mieten bis hin zu Dingen des alltäglichen Bedarfs. Der Wohlfahrtsverband  argumentiert, dass es etwa keine "wissenschaftlich tragfähige Kaufkraftbereinigung regionaler Armutsquoten" gebe – schlicht aus Mangel an Daten.

Eine regionale Berechnung komme zudem eher einem "Schönrechnen" gleich. "Wo keiner etwas besitzt, gibt es auch keine Einkommensungleichheit und damit keine Armut", heißt es in dem Bericht. Wie sich das in konkreten Zahlen auswirkt, hat der Verband unter anderem am Beispiel der Stadt Duisburg aufgezeigt. Die Armutsquote dort liegt wie bereits erwähnt bei 24,8 Prozent. Legt man aber nicht das mittlere Einkommen der Bundesrepublik, sondern von Duisburg selbst der Berechnung zugrunde, dann würde die Armutsquote auf 14,8 Prozent sinken. Die Arbeitslosenquote in der Ruhrgebietsstadt liegt übrigens bei fast 18 Prozent.

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