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Wanderereignis in Nimwegen
Kinder wandern 30 Kilometer bei 30 Grad

Vierdaagse 2016 in Nimwegen: Kinder wandern 30 Kilometer bei 30 Grad
Wanderer bei der Vierdaagse 2014. FOTO: dpa
Kleve/Nimwegen. Zum 100. Mal findet ab diesem Dienstag rund um Nimwegen die Vierdaagse statt. An dem viertägigen Wanderereignis nehmen viele Menschen vom Niederrhein teil, darunter Schüler aus Kleve. Grund zur Sorge bereiten die hohen Temperaturen. Von Christian Schwerdtfeger

Obwohl Schulferien sind, muss Charlotte heute schon um 5 Uhr aufstehen. Um 6 Uhr geht bereits der Bus von Kleve nach Nimwegen, den die 13-Jährige erwischen muss. In der niederländischen Stadt nimmt sie mit 30 Klassenkameraden der achten Jahrgangsstufe des Klever Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums am sogenannten Vierdaagse teil, einem viertägigen Wandertag, bei dem die Schüler täglich 30 Kilometer zurücklegen müssen. "Ich bin topfit, aber etwas aufgeregt", sagt Charlotte. Für die Wandertour hat sie nur ein Ziel: "Ich will ankommen."

Der Vierdaagse ist die weltweit größte Wanderveranstaltung. In diesem Jahr findet die Wanderung zum 100. Mal statt. 50.000 Teilnehmer werden an den Start gehen - von Jung bis Alt. Viele kommen vom Niederrhein, aus Kleve, Geldern, der deutsch-niederländischen Grenzregion. "Ehrengast wird anlässlich des Jubiläums König Willem-Alexander sein", sagt der Bürgermeister von Nimwegen, Hubert Bruls. Wann genau er kommen wird, möchte Bruls noch nicht sagen. Er befürchtet, dass sonst noch mehr Menschen, insbesondere Anhänger des niederländischen Königshauses, nach Nimwegen kommen und die Straßen verstopfen.

Charlotte ist es relativ egal, wann der König kommt. Oder ob er überhaupt kommen wird. Momentan interessiert sie das Wetter viel mehr als Willem-Alexander. "Es wird sehr heiß. Und darauf muss man sich vorbereiten." Die Meteorologen sagen für heute und morgen Temperaturen von mehr als 30 Grad voraus. Extreme Bedingungen für die Wanderer. "Ich werde immer einen Liter Wasser bei mir haben", sagt die 13-Jährige. Ihr Klassenlehrer Michael Thölking, der seit sechs Jahren am Vierdaagse teilnimmt, wird aufpassen, dass die Schüler immer ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. "Zudem müssen sie Kappen aufsetzen, die sie vor der Sonne schützen", sagt Thölking. Die Veranstalter werden wegen der erwarteten Hitze zusätzliche Verpflegungsstationen entlang der Strecke errichten, den Wanderern darüber hinaus immer wieder Wasserflaschen reichen. Derzeit erwägen die Planer, den Startzeitpunkt der morgigen Etappe wegen der Wärme um eine Stunde vorzuverlegen. Man möchte nicht noch einmal, dass Wanderer bei dem Lauf ums Leben kommen - so wie vor zehn Jahren. Damals sind zwei ältere Läufer wegen Hitze umgekippt und an Herzversagen gestorben, 30 weitere Personen kamen ins Krankenhaus.

Thölking erwartet, dass seine Schüler für die 30 Kilometer ungefähr acht Stunden brauchen werden - inklusive Pausen. Seit Januar hat sich die Schulklasse auf das Wanderereignis vorbereitet. "Zwei- bis dreimal die Woche bin ich seitdem gewandert", sagt Charlotte. "Nur zuletzt nicht mehr so viel, weil ich vor dem Start keine Verletzung riskieren wollte."

Auf eine Wanderung bereitet man sich so ähnlich vor wie auf einen Marathon. Man beginnt das Aufbautraining mit einer einstündigen Wanderung, in der man fünf Kilometer zurücklegt. Die Distanz wird dann von Woche zu Woche langsam gesteigert - bis man die Strecke bewältigen kann, im Fall der Klever Jugendlichen 30 Kilometer. "Zusammengerechnet sind alle 31 Schüler an den Trainingsgruppentagen rund 5700 Kilometer gewandert", berichtet Thölking. Hinzu kämen aber noch viele weitere Kilometer, die sie in ihrer Freizeit zurückgelegt hätten. Thölking findet es bemerkenswert, dass die Schüler freiwillig an der Wanderung teilnehmen, einige sogar schon zum zweiten und dritten Mal. "Das ist nicht selbstverständlich", findet er.

Der Startpunkt der Vierdaagse ist an allen vier Tagen derselbe. Immer in Nimwegen. Gelaufen wird aber jeweils in andere Richtungen. Die Läufer orientieren sich an farbigen Markierungen. Während die Erwachsenen, die 50 Kilometer gehen, roten Pfeilen folgen, müssen Charlotte und ihre Klassenkameraden auf blaue Zeichen achten. Nach der Wanderung fahren die Teilnehmer nach Hause, kommen am folgenden Tag zurück. Für Charlotte heißt das, dass sie auch morgen um 5 Uhr aufstehen muss, obwohl Ferien sind.

Quelle: RP
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