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Vlotho
16-Jährige soll Vater erstochen haben

Vlotho in NRW: 16-jähriges Mädchen tötet Vater mit Messerangriff
Der 59-Jährige Vater starb laut den Ermittlern noch in der Wohnung an den Verletzungen, die Mutter kam in ein Krankenhaus. FOTO: dpa, mg kno
Vlotho. Nach dem tödlichen Familiendrama im ostwestfälischen Vlotho sitzt die 16-jährige Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Das sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Das Mädchen steht im Verdacht, seine Eltern in der Nacht zu Montag mit einem Messer angegriffen zu haben.

Der 59-Jährige Vater starb, die 40 Jahre alte Mutter schwebte zunächst in Lebensgefahr. Inzwischen sei sie aber stabil, sagte der Polizeisprecher. Nähere Einzelheiten zum Tathergang, zum Motiv oder zum Stand der Untersuchungen wollten die Ermittler zum Schutz der noch minderjährigen Tatverdächtigen am Dienstag nicht nennen. Sie war nach dem Angriff auf ihre Eltern festgenommen worden.

Der 59-jährige Vater sei noch in der Wohnung im Erdgeschoss an den Verletzungen gestorben, berichtete die Polizei. Die 40 Jahre alte Mutter wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die in dem Zweifamilienhaus lebenden Nachbarn hatten Polizei und Rettungskräfte benachrichtigt.

Nach Informationen von "Westfalen-Blatt" und "Bild"-Zeitung hatte die elf Jahre alte Schwester noch versucht, die mutmaßliche Angreiferin zu stoppen. Den Berichten zufolge schlug sie der 16-Jährigen dazu mit einer Glasflasche auf den Kopf und verletzte sie dabei. Die Ermittler machten dazu keine Angaben.

Eine Mordkommission der Polizei in Bielefeld nahm die Ermittlungen auf. Am Vormittag wurden Spuren in dem Zweifamilienhaus gesichert, in dem sich das blutige Drama ereignet hatte. Zu den Hintergründen und Einzelheiten der Tat wollte die Polizei zunächst keine weiteren Angaben machen.

Nach Einschätzung des Kinder- und Jugendtherapeuten Christian Lüdke kommen brutale Angriffe auf die eigenen Eltern im Vergleich zu anderen Delikten sehr selten vor. Auch gehe ihnen stets eine lange Geschichte voraus: "Kein Kind wird über Nacht zum Mörder seiner Eltern. Eine solche Tat steht immer am Ende einer langen psychologischen Entwicklung", sagte Lüdke auf dpa-Anfrage.

In vielen Fällen gehe es jugendlichen Tätern bei Angriffen auf die eigene Familie darum, sich von ihren Peinigern zu befreien. "Diese Jugendlichen teilen häufig das Gefühl von jahrelanger Ohnmacht - sei es, weil sie missbraucht wurden oder sich ungeliebt oder permanent gegängelt fühlen", sagte Lüdke. "Durch Gewaltausübung verwandeln sie diese Ohnmacht in Allmacht."

Erst vor einem Monat hatte in Senden im Münsterland ein Teenager-Mädchen mit einem Messer ein Blutbad angerichtet. Die 18-Jährige hatte gestanden, nach einem Streit eine frühere Freundin brutal getötet zu haben. Sie hatte erst mehrfach auf ihr Opfer eingestochen, sie getreten und gewürgt. Als Motiv vermuteten die Ermittler, dass sie nicht überwunden habe, dass sich die Freundin von ihr abgewendet hatte.

(lnw)
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