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Vogel-Angriffe in NRW
Naturschützer warnen vor aggressiven Bussarden

Vogel-Angriffe - Nabu warnt vor aggressiven Bussarden
Ein Mäusebussard wie dieser hat in Mönchengladbach eine Joggerin verletzt. FOTO: Lingen
Mönchengladbach. In Mönchengladbach hat ein Bussard eine Joggerin attackiert. Der Angriff war kein Einzelfall. Der Naturschutzbund erklärt, wieso die Tiere im Moment so aggressiv sind und wie man sich am besten schützen kann. Von Tim Harpers

Blitzende Krallen, eine blutende Wunde und ein großer Schreck - Claire Neugebauer wird ihre Jogging-Begegnung mit einem Mäusebussard im Gerkerather Wald in Mönchengladbach nicht so schnell vergessen. Ende der vergangenen Woche meldete sich die 23-Jährige bei unserer Redaktion, um von der Vogel-Attacke zu berichten und Spaziergänger zu warnen.

Dass es sich bei dem Vogel-Angriff nicht um einen Einzelfall handelt, zeigt ein Blick in die vergangenen Jahre. Neugebauer berichtete von einem Bekannten, dem an gleicher Stelle Ähnliches widerfahren sei. Außerdem hatte es allein im Jahr 2015 im Gerkerather Wald so viele Vogel-Attacken gegeben, das sich die Stadt gezwungen sah, Warnschilder aufzustellen, um auf die Gefahren durch die aggressiven Tiere hinzuweisen.

Mai und Juni besonders gefährlich

"Die letzten beiden Mai- und die ersten beiden Juniwochen sind im Hinblick auf Angriffe durch Mäusebussarde besonders brisant", sagt Birgit Königs, NRW-Sprecherin des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). "Die unschönen Begegnungen zwischen Mensch und Tier nehmen in dieser Zeit dramatisch zu." Grund dafür sei, dass dies die Zeit sei, in der die Jungen der Mäusebussarde flügge würden. "Die Bussard-Eltern überwachen in diesem Zeitraum ihre Umgebung besonders genau, da die Jungen zum Teil auch außerhalb des Nests unterwegs sind, aber noch nicht selbständig genug, um eigenständig für ihren Schutz zu sorgen."

Dass es gerade Mäusebussarde sind, die Joggern und Spaziergängern immer wieder Probleme machen, liegt laut der Naturschützerin am Nistverhalten und an der Größe der Vogelpopulation. Der Mäusebussard ist mit bis zu 30.000 Tieren die in NRW am häufigsten vorkommende Raubvogelart. Außerdem sucht er sich bevorzugt Nistplätze an Waldrändern und Freiflächen innerhalb von Wäldern aus. 

"Die Angriffe sind ein durchaus arttypisches Verhalten", erläutert Königs. "Da geht es um die Verteidigung des Nachwuchses." Menschen würden wegen ihrer Größe allerdings nur von besonders angriffslustigen Tieren attackiert. "Da gibt es große Unterschiede", sagt die Naturschützerin. "Viele Elternpaare reagieren besonnen auf menschliche Anwesenheit."

Bei Angriffen möglichst groß machen

Die Nabu-Sprecherin rät dazu, bekannte Nistplätze von Bussarden von Mitte Mai bis Mitte Juni zu meiden. "Das ist der beste Schutz", sagt sie. Komme es trotz aller Vorsicht zu einem Angriff, sei es wichtig, zunächst den Kopf zu schützen. "Bussarde attackieren immer den höchsten Punkt ihres Gegners", erläutert Königs. "Deshalb gilt bei Begegnungen mit den Raubvögeln immer: möglichst groß machen." Halte man sich zum Beispiel einen Rucksack, eine Tasche oder eine Trinkflasche über den Kopf, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich der Vogel zuerst darüber hermache.

Außerdem gelte wie immer bei Begegnungen mit Wildtieren das Gebot des "besonnenen Rückzugs". "Wer bei einer Attacke ruhig bleibt und sich langsam aus dem Bereich des Nests entfernt, hat die besten Chancen, dass der Vogel von einem ablässt."

Claire Neugebauer wäre für diese Tipps vorab dankbar gewesen. Für die Zukunft hat sie aus der Begegnung aber Lehren gezogen: "Zum Glück ist nicht mehr passiert", sagte sie unserer Redaktion. "Ich werde Wälder aber jetzt erst einmal meiden."

(th)
 
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