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Atomkraftwerk Doel
Vorfall in Reaktor beunruhigt Anwohner an belgischer Grenze

Atomkraftwerk Doel: Vorfall in Reaktor beunruhigt Anwohner an belgischer Grenze
Die Reaktorblöcke Doel 1 und Doel 2 bei Antwerpen. FOTO: dpa, jw jak kde
Antwerpen/Düsseldorf. Die jahrzehntealten belgischen Atomkraftwerke machen vielen Anwohnern im Grenzgebiet Sorgen. Jetzt gab es im Reaktor Doel bei Antwerpen einen neuen Zwischenfall. Aus einem Leck in einer Leitung ist Wasser ausgetreten. Sogar die Bundesumweltministerin hat sich eingeschaltet. Wie groß ist die Gefahr?

Der Zustand belgischer Atomkraftwerke wird in Deutschland zunehmend mit Sorge gesehen. Erst am Dienstag hatten in Aachen 1500 Menschen gegen das belgische Kraftwerk Tihange demonstriert. Jetzt muss erneut ein Reaktor vom Netz genommen werden - nur vier Tage nach seiner Wiederinbetriebnahme. Gehen die Betreiber rechtswidrig unkalkulierbare Risiken ein? Fragen und Antworten im Überblick:

Was ist beim jüngsten Zwischenfall passiert?

In dem bei Antwerpen gelegenen Atomkraftwerk Doel 3 trat aus einem Leck in einer Leitung eine geringe Menge heißes Wasser aus. Um den Schaden reparieren zu können, musste die Anlage in der Nacht zum 1. Weihnachtstag vom Netz genommen worden.

Bestand Gefahr für die Sicherheit des Reaktors und die Umwelt?

Die Betreiberfirma Electrabel beantwortet die Frage mit einem klaren Nein. Das Leck trat demnach im konventionellen, nicht-nuklearen Teil der Anlage auf. Dort wird mit dem heißen Dampf, der im Reaktor erzeugt wird, eine Turbine angetrieben, die wiederum den Generator antreibt, der die Bewegungsenergie in Strom umwandelt. Der vom Leck betroffene Wasserkreislauf enthält nach Angaben von Electrabel keine radioaktiven Stoffe.

Zeugen solche Ereignisse aber nicht dennoch davon, wie gefährlich der Betrieb der belgischen Atomkraftwerke ist?

Wenn das so wäre, müssten wohl auch die acht noch betriebenen deutschen Atomkraftwerke sofort abgeschaltet werden. Das Leck in Doel wird auf der internationalen Bewertungsskala (Ines) für meldepflichtige Ereignisse vermutlich in Stufe 0 eingeordnet. In ihr finden sich Ereignisse, die keine oder nur eine sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung haben. In deutschen Kernkraftwerken wurden in diesem Jahr allein bis November 51 meldepflichtige Ereignisse der Stufe 0 registriert - darunter auch Leitungslecks.

Umweltschützer argumentieren immer wieder, dass die belgischen Reaktoren besonders alt seien. Stimmt das?

Die ältesten belgischen Reaktorblöcke in Doel (1/2) und Tihange (1) gingen tatsächlich bereits 1975 ans Netz. In Europa sind aber zum Beispiel in den Niederlanden, in der Schweiz und in Schweden noch deutlich ältere Atomkraftwerke in Betrieb. Die schweizerische Anlage Beznau-2 ging beispielsweise bereits 1971 an Netz. Sie liegt nicht einmal 20 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und ist damit deutlich näher an der Bundesrepublik gelegen als Tihange (70 Kilometer) und Doel (150 Kilometer).

Wollte Belgien die drei ältesten Reaktoren nicht eigentlich 2015 abschalten und mit dem Ausstieg aus der Atomkraft beginnen?

Ursprünglich war das der Plan. Aus wirtschaftlichen Gründen gab die belgische Regierung allerdings bereits 2012 grünes Licht für den Weiterbetrieb von Tihange 1 bis 2015. In diesem Jahr wurde dann auch offiziell die Laufzeit von Doel 1 und Doel 2 um zehn Jahre verlängert.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat nach dem jüngsten Zwischenfall in Doel das Wort "Flickschusterei" in den Mund genommen. Kann sie irgendetwas tun?

Sie kann ihre Besorgnis äußern - mehr nicht. Hendricks sagt ganz klar: "Es liegt nicht in der Gewalt der Bundesregierung, Atomkraftwerke in anderen Ländern abschalten zu lassen. So wie Deutschland sich nicht vorschreiben lässt, Atomkraftwerke zu betreiben, so können wir anderen nicht vorschreiben, wie sie ihren Energiebedarf decken." Das liege in der souveränen Entscheidung jedes Landes.

 

(jco/dpa)
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