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Öffentlicher Nahverkehr in NRW
VRR will mit nextTicket kilometergenau abrechnen

VRR testet nextTicket: So funktioniert der neue Tarif im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr
Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn und des VRR (Symbolbild). FOTO: dpa, rwe pil
Düsseldorf. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr plant einen neuen Tarif: Kunden sollen damit nur noch die tatsächlich gefahrenen Kilometer bezahlen. Wir erklären, wie das funktioniert und wer davon profitiert.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) will im nächsten Jahr einen neuen Tarif testen - das nextTicket. Kunden können damit ihren Fahrpreis automatisch nach Fahrtende abbuchen lassen - und zwar kilometergenau. Wir beantworten Fragen und Antworten dazu.

  • Wie funktioniert der neue Tarif?

Mit dem nextTicket soll der Fahrgast nur noch für die Strecke bezahlen, die er tatsächlich mit Bus oder Bahn zurückgelegt hat. Dafür muss er sich zu Beginn der Fahrt mit seinem Smartphone im System des VRR anmelden. Sobald er aussteigt, meldet er sich wieder ab. Mit Hilfe des GPS im Smartphone wird die zurückgelegte Strecke genau berechnet. "Das System weist den kilometergenauen Preis aus, der dem Kunden dann berechnet wird", sagte VRR-Vorstand José Luis Castrillo unserer Redaktion. Das sei für die Fahrgäste gerechter. "Ob Sie nun 14 Kilometer in der Stadt oder auf dem Land fahren, macht dann keinen Unterschied mehr."

  • Wie berechnet sich der neue Tarif? 

Der Fahrpreis wird sich aus zwei Komponenten zusammensetzen: einem festen Grundbetrag, den der VRR pro Fahrt berechnet, und einem nutzungsabhängigen Betrag, der sich nach den gefahrenen Kilometern berechnet. Der Grundpreis werde wahrscheinlich zwischen 1,40 und 1,45 Euro liegen, der Kilometerpreis 0,20 Euro betragen, sagte ein Sprecher des Verkehrsverbundes. Der Kunde werde die Fahrt aber nicht direkt im Anschluss bezahlen. "Am Monatsende erhält der Fahrgast eine Rechnung."

  • Wird das Fahren mit Bus und Bahn billiger?

Das wird sicherlich von der Strecke abhängen, die jemand mit Bus oder Bahn zurücklegt. Ein Beispiel: Laut der Fahrplanauskunft des VRR kostet die Fahrt vom Düsseldorfer Hauptbahnhof bis zum Hauptbahnhof in Neuss genauso viel wie nach Korschenbroich: 5,80 Euro. Nach den bisher vorliegenden Informationen müsste der Fahrpreis mit dem nextTarif für die Strecke nach Neuss bei knapp vier Euro liegen und bis nach Korschenbroich auf mehr als sechs Euro steigen. Allerdings handelt es sich um Schätzungen mit Hilfe eines Routenplaners. VRR-Vorstand Castrillo versicherte aber im Gespräch mit unserer Redaktion, dass der neue Tarif nicht für eine Preiserhöhung genutzt werde. 

  • Wann soll der neue Tarif eingeführt werden?

Der VRR will den neuen Tarif erst einmal mit rund 3000 Kunden im Frühjahr 2018 testen. Dabei wird es darum gehen, ob sich die Fahrgäste problemlos an- und abmelden können und ob die Technik einwandfrei funktioniert. Zunächst soll der Fahrpreis noch nach dem bisherigen System und erst später nach den gefahrenen Kilometern berechnet werden. "Bis zum Spätsommer 2018 haben wir genügend Informationen, um über eine großflächige Einführung des Systems zu entscheiden", sagte Nils Conrad, Leiter des Kompetenzcenters Elektronisches Fahrgeldmanagement NRW, unserer Redaktion. Sollte nextTicket dann flächendeckend eingeführt werden, soll der neue Tarif das bisherige Angebot ergänzen. "Es wird weiterhin auch andere Tickets geben", versicherte ein VRR-Sprecher.

  • Welche Voraussetzungen muss der Kunde erfüllen?

Er braucht ein Smartphone, und die App des VRR muss darauf installiert sein. Die Batterie des Handys darf nicht vor Ende der Fahrt schlapp machen. Der VRR denke deshalb über eine Akku-Warn-Funktion in der App nach, um den Kunden früh genug über einen niedrigen Batteriestand zu warnen, sagte Conrad. Es soll auch eine Art Preisbremse geben - für den Fall, dass der Fahrgast vergisst, am Ende der Fahrt auszuchecken: Die Technik erkenne, ob der Kunde schon länger nicht mehr mit Bus oder Bahn unterwegs sei, und informiere ihn, versicherte der VRR-Sprecher. Dann könne nachträglich die Ausstiegshaltestelle angegeben werden. Wie ein Missbrauch durch zu frühes Abmelden verhindert werden kann, ist noch unklar.

  • Wer profitiert von dem neuen Ticket?

Der VRR will mit nextTicket vor allem Gelegenheitsfahrer erreichen. Mit dem neuen Ticket soll ihnen der Umstieg auf Bus und Bahn erleichtert werden. Sie müssen sich nicht erst über den passenden Tarif informieren, bevor sie eine Fahrt antreten, sondern können einfach einsteigen. Nach Einschätzung des Fahrgastverbandes Pro Bahn NRW dürften auch diejenigen vom neuen Tarif profitieren, die an der Grenze eines Tarifbereichs leben, also für nur wenige hundert Meter Bahnfahrt den höheren Fahrpreis für ein Ziel in der nächsten Tarifstufe zahlen müssen. Pro Bahn sieht außerdem einen Nutzen für den VRR: Mit dem neuen System bekomme das Unternehmen eine anonymisierte Fahrgastzählung und könne seine Verkehrsplanung darauf aufbauen.

  • Was ist mit dem Datenschutz?

Der VRR sammelt mit dem neuen Tarif Bewegungsdaten von Fahrgästen. Der Landesdatenschutzbeauftragte von NRW sieht deshalb das Risiko, dass sich daraus ein Bewegungsprofil von Menschen erstellen lässt, wie ein Sprecher sagte. Das müsse technisch ausgeschlossen werden, forderte er. Der VRR versichert, dass die Kundendaten und die Bewegungsdaten getrennt von einander auf unterschiedlichen Servern gespeichert und nur für die Abrechnung miteinander verknüpft würden.

(wer/maxi)
 
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